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Eine Befreiung und was daraus entstehen kann

Hürden-Europameister Kariem Hussein schafft an den nationalen Meisterschaften die WM-Limite und weint, Mujinga Kambundji knackt den Schweizer Rekord und lacht.
Rainer Sommerhalder
Kariem Hussein lässt nach seinem Sieg über 400 m Hürden an der Schweizer Meisterschaft die Emotionen raus. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone, Schützenmatte Basel)

Kariem Hussein lässt nach seinem Sieg über 400 m Hürden an der Schweizer Meisterschaft die Emotionen raus. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone, Schützenmatte Basel)

Es sind die raren Momente, in denen man es erahnen kann. Erahnen, unter welchen mentalen Belastungen Spitzensportler stehen. Kariem Hussein gelingt an den Schweizer Meisterschaften der Leichtathleten die seit Monaten ersehnte sportliche Befreiung. Er knackt in 49,21 Sekunden die Limite für die Weltmeisterschaften in Doha, bleibt mehr als eine halbe Sekunde unter seiner bisherigen Saisonbestzeit und läuft so schnell über die Hürden wie seit zwei Jahren nicht mehr.

Seine Reaktion im Ziel? Zuerst explodiert er förmlich, kickt gar einen Startblock weg. Danach weint er hemmungslos. Die Emotionen haben ihn für Minuten im Griff. „Es hat mich durchgeschüttelt“, sagt der 30-jährige Thurgauer später. „Ich habe heute alles raus gelassen, was ich hatte“.

Man sieht Hussein seit geraumer Zeit an, dass er körperlich in absoluter Topform ist. Er wirft alles in die Waagschale des Trainings. Sein Trainer Laurent Meuwly schwärmt von den Leistungen in den Übungseinheiten. Nur im Wettkampf bringt es der promovierte Arzt nicht auf die Bahn.

Wenn er nach den aufwühlenden Minuten im Zielraum sagt, er habe sich nie Druck gemacht. Er habe von vielen Leuten gehört, dass er sein Comeback nach der hartnäckigen Verletzung ruhig angehen solle. Und er habe sich gesagt, dass es ein Aufbaujahr sei. Ja, dann nimmt man ihm das nicht ab.

Diese Vorsätze mögen in der Theorie stimmen. In der Praxis stand Kariem Hussein in dieser Saison ein halbes Dutzend Mal im Startblock und wollte ganz einfach schneller sein, als es ihm die Uhr am Ziel quittierte. Er wollte viel schneller sein.

In Basel war der Europameister von 2014 schnell. Und über was redet er nach dem überlegenen Titelgewinn? Dass er noch viel schneller sein könne. „Das ist jetzt mal ein erster Schritt. Ich habe nicht das Gefühl, dass diese Zeit meine derzeitige Limite ist.“

Mujinga Kambundji fühlt mit Kariem Hussein mit

Er könnte Recht haben. Direkt neben der Bahn freut sich eine Person sichtlich mit Kariem Hussein, die den Beweis bereits angetreten hat, welche Energien ein solcher Befreiungsschlag auslösen kann. Sprinterin Mujinga Kambundji kann sich bestens in ihren Nationalkader-Kollegen einfühlen. Bis vor drei Wochen befand sie sich in exakt der gleichen Lage. Ein gutes Gefühl betreffend Form, ein ernüchterndes Bewusstsein nach den Rennen. Die Bernerin weiss, wie so etwas an der Zuversicht, an der Stärke zehren kann.

Mujinga Kambundji freut sich im Ziel über ihren Schweizer Rekord. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone)

Mujinga Kambundji freut sich im Ziel über ihren Schweizer Rekord. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone)

Für Kambundji kommt die Befreiung Anfang August am Heim-Meeting in Bern. Damit sprengt sie mentale Ketten. Das Ergebnis präsentiert sie in Basel. Die beste Leistung des Tages, Schweizer Rekord in 22,26 Sekunden über 200 m und eine Marke, die sie zu den aktuell acht Besten der Welt zählen lässt. „Ich starte mit einem ganz anderen Gefühl an einem Wettkampf, wenn ich weiss, dass die Form da ist“, sagt Kambundji.

Die 27-Jährige hat an der Schweizer Meisterschaft nur ein einziges Mal Rückstand: Für die Siegerehrung muss Kambundji dreimal aufgerufen werden. Grund ist die Dopingkontrolle, zu welcher Swiss Athletics alle neuen Rekordhalter obligatorisch ruft.

Zur Medaillenübergabe kommt die neue Rekordhalterin deshalb mit gehöriger Verspätung. Ansonsten glaubt sie daran, noch schneller rennen zu können – über 100 m wie auch über 200 m. Vielleicht schon am Donnerstag bei Weltklasse Zürich, wo Mujinga Kambundji auf ein Feld trifft, das in etwa einem WM-Final entsprechen dürfte.

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