Eine Ausstellung als Experiment

KREUZLINGEN. Das Museum Rosenegg in Kreuzlingen zeigt drei Künstler, die für die drei Bodensee-Anrainerstaaten und das aktuelle Kunstschaffen stehen: Den Konstanzer Johannes Dörflinger, den Vorarlberger Tone Fink und Philippe Mahler aus Kreuzlingen.

Dorothee Kaufmann
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Tone Fink: Stehauftränen. (Bilder: Dorothee Kaufmann)

Tone Fink: Stehauftränen. (Bilder: Dorothee Kaufmann)

Drei Künstler, drei Positionen, drei Events: Vernissage kommenden Samstag, ein Sonntagskonzert Mitte November, eine Buchpräsentation Ende November. Dies könnte das neue Format werden für Ausstellungen des Internationalen Bodensee-Clubs IBC in der Sparte Bildende Kunst. Das Museum Rosenegg bietet der den See umspannenden Organisation erstmals eine Ausstellungsplattform in Kreuzlingen, denn ein Blick in die Vergangenheit lässt den Wunsch nach mehr Kontinuität erwachen. Sind die literarischen Aktivitäten des IBC schon seit Jahren in Konstanz angesiedelt, könnte sich Bregenz der Musik annehmen.

Motive in Wandlung

Die Ausstellung «Wandeln – Dörflinger, Fink, Mahler» ist so gesehen ein Experiment. Johannes Dörflinger (1941, Konstanz) ist mit grossformatigen Pastellen, ausgesuchten Kleinskulpturen und übermalten Polaroids vertreten. Für ihn spielt Wandlung im Sinne der Metamorphose und der Figurenfindung eine Rolle. Ob Tarotfiguren, Bäume oder die menschliche Figur – seine Motive sind in Wandlung begriffen, auch in der Wahrnehmung des Betrachters, der in den Pastellen Figürliches oder freie Kompositionen sehen kann. Spielerisch erscheint des Künstlers Umgang auch mit Titeln wie «Gleichgewicht», bei dem eine menschliche Figur von zwei optisch gleichen Gewichten niedergedrückt wird. Dörflingers experimentelle Arbeiten wandeln fotografische Bildvorlagen des Malerkollegen Otto Adam durch partielle Übermalung zu neuer Sinnhaftigkeit und Verschmelzung.

Blättern in einem Buch

Tone Fink (1944, Schwarzenberg, Vorarlberg) ist ein Grenzgänger zwischen materieller Zeichnung, Objektkunst, Film und Performance. Die im Rosenegg ausgestellten Werke schmeicheln durch ihre Materialität. So experimentiert Fink mit Papierstrukturen, die er durch Kratzen, Schneiden, Aufweichen und durch Überzeichnen erreicht. Die Liebe zur Materialität, zum Nachspüren der Strukturen und der Optik verbindet ihn mit Dörflinger, dem Grossmeister des Pastells. Selbst nennt sich Fink auch «Buchfink», und so ist auch die Papierinstallation eines grossen Buches zu sehen, in dem der Besucher blättern darf.

Philippe Mahler (1957, in Kreuzlingen) repräsentiert die Schweiz und ist mit seinen sehr farbigen Vexierbildern vertreten, die in ihrer Menschenleere an die italienische Pittura Metafisica erinnern. Mahler vereint in seinen Bildern Naturalismus und Surrealismus, Konkretes und Metaphorisches, Logisches und Metaphysisches. In seinen Werken obliegt es dem Betrachter, an welchem Pol der Wandlung er sich aufhält. Besonders eindrücklich ist dies am Eingangsbild zu erleben, das eine Schale mit roter Flüssigkeit zeigt: symmetrisch, ja sakral angerichtet, ist sie zugleich alltäglich.

Die Ausstellungsmacher haben ein Werk einer jungen kanadischen Künstlerin hinzugefügt: Nici Jost (1984) sprengt mit dem Objekt eines Ohres mit eingebauter Videoinstallation nicht nur die Kunstgattungen, sondern auch den regionalen Rahmen der IBC-Ausstellung.

Vernissage: Sa, 2.11., 17 Uhr, Museum Rosenegg, Kreuzlingen; Mi 17–19, Fr–So 14–17 Uhr. So, 17.11., 16 Uhr: Duo Escarlata So, 24.11., 11 Uhr: Finissage mit Buchvernissage «Geister Gleich»

Philippe Mahler: o.T., 1997.

Philippe Mahler: o.T., 1997.