Eine Abwehr wie Emmentalerkäse

St. Otmar steht in der zweiten Runde des EHF-Cups. Die St. Galler gewinnen gegen Riihimäki auch das Rückspiel in Finnland. Der 33:31-Sieg fällt verdient aus. In der Defensive fehlt den Ostschweizern aber die Konsequenz.

Daniel Good/Helsinki
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Jost Brücker war mit sieben Treffern gegen Riihimäki einer der beiden erfolgreichsten St. Galler im Rückspiel. (Bild: Ralph Ribi)

Jost Brücker war mit sieben Treffern gegen Riihimäki einer der beiden erfolgreichsten St. Galler im Rückspiel. (Bild: Ralph Ribi)

HANDBALL. Die Stimmung war aufgeräumt in den Reihen St. Otmars nach dem 33:31-Auswärtssieg im Europacup gegen den finnischen Serienmeister Riihimäki. Die Qualifikation für die zweite Runde des EHF-Cups war nie in Gefahr – auch wenn die St. Galler gegen den Club mit sieben Osteuropäern im Kader in der ersten Halbzeit 10:14 in Rückstand geraten waren. Aber St. Otmar hatte das Heimspiel 34:24 gewonnen. «Das war schon eine gute Ausgangslage. Wir sind jedoch nicht nach Finnland gereist, um eine Show wie die Harlem Globetrotters abzuziehen, sondern um weiterzukommen und zu siegen. Beides ist gelungen. Also haben wir unsere Ziele erreicht», sagte Jost Brücker.

Brücker war zusammen mit Vedran Banic mit sieben Treffern der erfolgreichste Torschütze St. Otmars. Insgesamt trafen neun Akteure des Ostschweizer NLA-Clubs. Auch die jungen Spieler Tobias Wetzel und Dominik Jurilj kamen zu Torerfolgen.

Späte Entscheidung

In der Offensive warteten die St. Galler mit einer ordentlichen Ausbeute auf, in der Deckung agierte St. Otmar ausser zu Beginn der beiden Halbzeiten indes zu wenig konsequent. «Unsere Abwehr hatte so viele Löcher wie ein Emmentalerkäse», sagte St. Otmars Präsident Hans Wey mehr im Spass als im Ernst. 31 Gegentore gegen eine Mannschaft vom Format Riihimäkis sind zu viel – auch wenn die Finnen besser spielten als in der Partie in St. Gallen gestern vor einer Woche.

Gegen stärkere Gegner würden Defizite in der Defensive wie am Samstag zu Niederlagen führen. Gegen Riihimäki fiel die Entscheidung zugunsten St. Otmars erst in der Schlussphase. Zunächst erzielte Wetzel in der 57. Minute das 30:29, unmittelbar nach dem Führungstreffer wehrte Goalie Jonas Kindler einen Penalty ab.

Ein besseres Team als Riihimäki wartet in der zweiten Runde des Europacups Mitte Oktober auf St. Otmar. Die Schweden aus Alingsas in der Nähe von Göteborg waren 2014 Landesmeister. Der schwedische Nationalspieler Anton Mansson, der in der vergangenen Saison mit Kadetten Schaffhausen Schweizer Meister wurde, sagt: «Alingsas käme in der NLA unter die ersten vier. Es wird eine Herausforderung für St. Otmar, aber ein Weiterkommen ist möglich für das Schweizer Team. Ich werde meinem ehemaligen Teamkollegen Benjamin Geisser noch einige Informationen geben.»

Lieber in den Ostblock

Mansson wechselte im Sommer in die Bundesliga zu Lemgo, Geisser kehrte auf diese Saison hin aus Schaffhausen zu St. Otmar zurück. «Ich bin überzeugt, dass wir eine gute Chance haben. Sonst müssten wir gar nicht antreten. Gegen Riihimäki haben wir gezeigt, dass wir im Europacup auswärts ebenfalls bestehen können», sagt Geisser im Hinblick auf die zweite Reise nach Skandinavien.

Einen Gegner aus dem Ostblock hätte sich der Schweizer Nationalspieler Brücker gewünscht: «Diese Länder sind interessant. Es hat viele und heissblütige Anhänger in der Halle. Und zudem besitzt man als Club wie St. Otmar auch Chancen auf ein gutes Ergebnis.»

Zunächst steht für St. Otmar am Mittwoch aber die Reise nach Winterthur auf dem Programm. In der NLA-Partie gegen Pfadi werden die St. Galler mit Sicherheit stärker gefordert werden als im Europacup. «Der Sieg in Finnland ist auch für die Meisterschaft ein Vorteil. Der Teamgeist ist nun noch besser geworden», sagt Brücker.

Gewiss gibt es für St. Otmar in Winterthur Anschauungsunterricht im Abwehrverhalten, denn Pfadi gilt defensiv als sehr stark.