EINBLICKE: Weltreisender für das Eishockey

René Fasel schliesst eine weitere Amtszeit als Präsident des Internationalen Hockeyverbandes (IIHF) nicht mehr aus. Zudem kündigt er weitere Regeländerungen an.

Klaus Zaugg/Davos
Drucken
Teilen
Ob die NHL-Stars für das olympische Turnier im Februar 2018 die Freigabe erhalten? «Ich schätze die Chancen auf 50:50», sagt René Fasel. (Bild: Walter Bieri/KEY)

Ob die NHL-Stars für das olympische Turnier im Februar 2018 die Freigabe erhalten? «Ich schätze die Chancen auf 50:50», sagt René Fasel. (Bild: Walter Bieri/KEY)

Klaus Zaugg/Davos

Sein Vater war ein charismatischer Handelsreisender im deutschsprachigen Teil des Kantons Freiburg. Dieses Talent hat der Sohn geerbt: René Fasel ist ein charismatischer Handelsreisender in Sachen Eishockey. Nicht nur in seiner Heimat. Als Präsident des Internationalen Hockeyverbandes IIHF und IOC-Mitglied reist er seit 1994 um die Welt. Um die Popularität und die Qualität «seines» Spiels zu verbessern.

Bei seinem ruhelosen Leben wäre es nur logisch, wenn er in der Altjahreswoche ruhen würde. Doch dies tut er nicht: Fasel reist jeweils nach Davos. Der höchste Hockey-Funktionär der Welt macht dem Spengler-Cup Jahr für Jahr seine Aufwartung. Dabei hütet er sich vor Einmischungen in die helvetische Hockeypolitik. Nur zur Schweizer Olympiakandidatur 2026 äussert er sich. «Wir hätten die Spiele 2022 auf dem Silbertablett bekommen. Schade, dass das Projekt an der Volksabstimmung gescheitert ist. Eine neue Kandidatur macht nur dann Sinn, wenn wir bereits bestehende Infrastrukturen benutzen.» Will heissen: Fasel ist für die Kandidatur Graubünden.

Vor 40 Jahren als Linienrichter

Der Spengler-Cup ist für Fasel eine Herzensangelegenheit. «Ich war vor 40 Jahren zum ersten Mal dabei. Als Linienrichter.» Lehnt sich zurück und seufzt. «Stellen Sie sich vor: vor 40 Jahren.» Wenn die Altjahreswoche um ist, werden ihn die Verhandlungen mit NHL-Boss Gary Bettman wieder umtreiben. Bekommen die NHL-Stars für das olympische Turnier im Februar 2018 die Freigabe? «Ich schätze die Chancen nach wie vor auf 50:50», sagt Fasel. «Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und alle Bedingungen, auch die finanziellen, erfüllt.» Er musste zusätzlich zehn Millionen Franken aufbringen, um alle anfallenden Kosten wie Versicherungen und Reisen für eine Teilnahme der NHL-Stars aufzubringen. Seine Hoffnung: Die NHL-Spielergewerkschaft will die Olympiateilnahme. Kann es sich Bettman leisten, die Spielergewerkschaft vor den anstehenden Verhandlungen eines neuen Gesamtarbeitsvertrages zu verärgern?

Ziel: Beste Spieler an Olympia dabei

Dieser Gesamtarbeitsvertrag kann 2019 gekündigt werden. Und kann es sich die NHL leisten, 2018 abseits zu stehen und so einen Auftritt beim Turnier von 2022 in Peking, im riesigen chinesischen Markt in Gefahr zu bringen? Fasel schliesst dieses Szenario nicht aus. «Es ist unser Bestreben, die besten Spieler am olympischen Turnier zu haben. Aber wenn es für 2018 keine Einigung mit der NHL gibt, dann ist nicht ausgeschlossen, dass es im Eishockey eine ähnliche Lösung wie im Fussball gibt. Dass es nur noch ein U25- oder U23-Turnier sein wird.» Die Entscheidung wird bald fallen. «Ende Januar müssen die NHL-Organisationen wegen der Belegungspläne für die Stadien wissen, ob es eine Olympiapause gibt.»

So oder so treibt Fasel die Verbesserung des Spiels um. Die Diskussionen über neue Regeln laufen. Die Änderungen werden im September 2017 dem IIHF-Kongress vorgelegt und, wenn bewilligt, für die Saison 2018/19 eingeführt. Das Ziel der Regeländerungen ist es, das Spiel schneller, offensiver, attraktiver und sicherer zu machen. «Die Anzahl der Gehirnerschütterungen ist zurückgegangen», sagt Fasel. «Die strenge Ahndung der Vergehen und die Sperren für fehlbare Spieler zeigen inzwischen Wirkung.»

Die wohl interessanteste Regeländerung: Künftig soll das Powerplay bei einem Ausschluss nicht mehr mit fünf gegen vier, sondern mit vier gegen drei gespielt werden. Bei einer weiteren Strafe mit fünf gegen drei. Die Begründung: «Die Statistik zeigt deutlich, dass bei vier gegen drei mehr Tore fallen als bei fünf gegen vier.» Damit eine Strafe noch mehr Auswirkungen hat, wird auch erwogen, dass der bestrafte Spieler eine Zwei-Minuten-Strafe abzusitzen hat und nach einem Gegentreffer nicht vorzeitig aufs Eis zurückkehren darf.

Keine bessere Lösung als eine jährliche WM

Laufende Anpassungen, um das Spiel besser zu machen – aber keine Änderungen in anderen Bereichen. Eine Frage, die immer und immer wieder diskutiert wird: Braucht es die WM wirklich alle Jahre? Sind 16 Teams nicht zu viel? Warum im Mai? Fasel sagt: «Wenn uns jemand eine bessere Lösung präsentiert, dann sind wir sofort bereit, etwas zu ändern. Aber wir haben bis heute keinen besseren Vorschlag bekommen.»

Fasel ist jetzt 66 Jahre alt. Er ist gewählt bis 2020 und die Hockeywelt geht davon aus, dass er dann nicht mehr zur Wiederwahl antreten wird. Nun lässt er erstmals durchblicken, dass er 2020 noch einmal kandidieren könnte. «Ich schliesse nichts aus. Warten wir doch einmal ab, was 2020 sein wird.»