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Gegenpressing: Ein Zauberwort mit vielen Tücken

Wenn sich am Samstag Liverpool und Real Madrid im Champions-League-Final gegenüberstehen, wird das Wort Gegenpressing öfters zu hören sein. Liverpool-Trainer Jürgen Klopp hat den Begriff mitgeprägt. Doch was bedeutet das überhaupt - Gegenpressing?
Ralf Streule
Länger schon gilt Jürgen Klopp als bester Gegenpressing-Trainer. Bild: Ettore Ferrari/EPA

Länger schon gilt Jürgen Klopp als bester Gegenpressing-Trainer. Bild: Ettore Ferrari/EPA

Wie will Jürgen Klopp mit Liverpool die Champions League gewinnen? Mit Gegenpressing! Wie soll Peter Zeidler dem FC St. Gallen wieder auf die Sprünge helfen? Mit Gegenpressing! Die taktische Idee existiert schon länger. Als ­Begriff aber hat das Gegenpressing erst in den vergangenen zwei, drei Jahren Spuren hinterlassen – und gerade in diesen Tagen ist die Gegenpressing-Dosis in den Medien besonders hoch. In der Ostschweiz und in Liverpool zumindest. Gegenpressing? Höchste Zeit, dieses Zauberwort zu entzaubern. Und zu erklären, dass nicht nur Liverpool, sondern auch St. Gallen die moderne Spielidee umsetzen kann. Könnte. Theoretisch.

APep Guardiola

«Pressing» alleine steht für das schlichte Druckmachen auf den ballführenden Mann und seine Nebenspieler – mit dem Ziel, den Gegner zu Fehlern zu verleiten. Gegenpressing hingegen bezeichnet ­jenen Druck, der direkt nach einem Ballverlust auf den Gegner ausgeübt wird. Die Idee dahinter: Die Situation soll ausgenützt werden, in welcher sich der Gegner nach der Balleroberung mental auf eine Angriffsauslösung einstellt und dabei die defensive Ordnung vernachlässigt. Wird der Ball schnell zurückerobert, dann stehen die Chancen gut, dass man mehr Raum vorfindet als vor dem Ballverlust. So sollen Teams in zerfahrenen Situationen vor dem gegnerischen Tor einen Ballverlust bewusst in Kauf nehmen, um dann schwarmartig einige ­Sekunden gegen den Ball zu preschen und eine verheissungsvollere Situation nahe des gegnerischen Tors vorzufinden.

Am Anfang des Gegenpressings steht wohl Trainer Pep Guardiola, der mit Barcelona ähnliche Ansätze zeigte, dies auch mit Manchester City tut, sich aber im Champions-League-Viertelfinal von Klopps Liverpoolern vorführen lassen musste. Länger schon gilt Klopp als bester Gegenpressing-Trainer, machte als solcher mit Dortmund den weit besser ausgestatteten Bayern oft das Leben schwer.

Es braucht lauffreudige und aggressive Spieler

«The importance of gegenpressing», ­titelte kürzlich «The Guardian» in einem Text über Klopp. Das Wort ist im Englischen eingebürgert, auch Live-Kommentatoren benutzen es immer öfter. Übrigens: Auch der Ausdruck «Pressing» im Fussball ist keine englische, sondern eine deutsche Wortschöpfung. Gegenpressing sieht attraktiv aus, wenn es in Liverpool’scher Vollendung gezeigt wird. Schnell wird klar: Es braucht lauffreudige und aggressive Spieler. Die grösste Herausforderung aber ist das ­Timing, der Abstand zwischen den Spielern, das Gefühl dafür, in welcher Situation und wie lange Gegenpressing sinnvoll ist. Funktioniert das, ist vieles möglich. Funktioniert es nicht, läuft das Team ins Leere. Werden Passwege nicht zugestellt – dann gute Nacht. Real Madrids Luka Modric gilt als einer der besten Fussballer, wenn es darum geht, unter Druck den befreienden Pass zu spielen. Liverpool ist gewarnt.

Damit zurück nach St. Gallen. Es wird viel Arbeit auf Zeidler zukommen, den Ostschweizern die Spielintelligenz für sauberes Gegenpressing einzupflanzen – wenn ihm wirklich jenes moderne Spiel vorschwebt. Glücklicherweise gibt es in der Super League keinen Modric.

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