Ein weiterer Grossanlass steht auf der Kippe: Findet erstmals seit 74 Jahren kein CSIO Schweiz statt?

Noch gibt es nach Auskunft des St. Galler Organisationskomitees keinen Grund zur Absage oder Verschiebung des Springreitturniers. Aber das Corona-Virus beschäftigt auch die Pferdewelt.

Peter Wyrsch
Hören
Drucken
Teilen
Stimmungsvoller Rahmen: Steve Guerdat auf Ulysse des Forets am CSIO des vergangenen Jahres.

Stimmungsvoller Rahmen: Steve Guerdat auf Ulysse des Forets am CSIO des vergangenen Jahres.

Michel Canonica

Der grösste Sportanlass der Ostschweiz soll vom 21. bis 24. Mai im St.Galler Gründenmoos ausgetragen werden. Nun aber hat Covid-19 das Leben der Menschen verändert und erfordert strikte Massnahmen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Deshalb hat der Bund am 16. März die Massnahmen verschärft und bis zum 19. April ein generelles Verbot für öffentliche und private Veranstaltungen, also auch Sportanlässe, erlassen.

«Reicht derzeit nicht für eine Absage»

Nayla Stössel, Präsidentin des CSIO Schweiz.

Nayla Stössel, Präsidentin des CSIO Schweiz.

Urs Bucher

«Da der Kanton und die Stadt St.Gallen aber bislang keine für unser Turnier relevanten weiterreichenden Massnahmen beschlossen haben und die FEI, der Pferde-Weltverband, vorerst lediglich die Absage aller Pferdsportanlässe in den nächsten vier Wochen empfohlen hat, sehen wir noch keinen Anlass, unser Turnier zu streichen». So lässt sich CSIO-Präsidentin Nayla Stössel in einem Communiqué vom 17. März vernehmen. Sie ergänzt im Schreiben an Sponsoren, Freunde und Medien: «Die aktuellen Einschätzungen und Anordnungen reichen derzeit nicht für eine endgültige Absage für unser geplantes Turnier.»

Reduziertes Programm?

Die Vorbereitungen für den CSIO St.Gallen laufen also weiter. Man betont aber ausdrücklich, dass man die ernste Situation sehr genau beobachte, die weitere Entwicklung täglich neu bewerte und im Austausch mit den Behörden sei. Der Schutz der Gesundheit aller Menschen, Sportler und Besucher habe höchste Priorität.

Für den CSIO St.Gallen, dessen Höhepunkt der 25. Nationenpreis der Schweiz am Sonntag, 24. Mai, wäre, gibt es, neben einer endgültigen Absage, auch diverse Pläne für Programmänderungen. So könnte das Turnier nur noch für Spitzenreiter ausgeschrieben werden. Die Amateurkonkurrenzen würden gestrichen. Eine Verschiebung auf Ende Juli oder Anfang August wäre denkbar, sollten de Olympischen Spiele in Tokio wegfallen.

Damit die Infrastruktur auf den Punkt bereit ist, braucht der CSIO etwa einen Monat Vorlauf. Vor allem für den Aufbau von Zelten für Pferde und Besucher. Dabei konnte man bisher auch auf die Unterstützung von Militär und Zivilschutz zählen, was diesmal aufgrund der kritischen Lage wegfallen könnte. Vieles deutet trotz der (noch) offenen Ausgangslage darauf hin, dass der CSIO erstmals seit 74 Jahren – damals gab es von 1940 bis 1946 wegen des Zweiten Weltkriegs eine Pause – abgesagt werden muss. Der CSIO ist als letzte Selektion für Olympia vorgesehen.

Olympia-Kandidat Balsiger bedauert

Bryan Balsiger, der 22-jährige Neuenburger, ist ein Kandidat für Tokio. Gesetzt im starken Schweizer Team dürften Steve Guerdat und Martin Fuchs sein. Gesucht wird der dritte Mann, respektive das dritte Paar, das die Schweiz in Japan vertreten soll. Balsiger, der Europameister der Jungen Reiter von 2017, hat sich in der Elite etabliert.

Mit dem sechsten Platz im GP im Dezember in Genf und vor allem mit seinem Sieg im Weltcupspringen im Herbst in Oslo auf Clouzot de Lassus und dem zweiten Platz auf Twentytwo des Biches im letzten Weltcup-Qualifikationsturnier in Göteborg hat sich der Romand für den Weltcupfinal in Las Vegas qualifiziert. Der Final, der für den 15. bis 19. April vorgesehen gewesen wäre, wurde abgesagt. «Ich bedaure dies, aber die Gesundheit der Menschen hat Vorrang. Den Schutzmassnahmen haben wir uns alle unterzuordnen – auch wenn der CSIO St.Gallen, auf den ich mich sehr freuen würde, ebenfalls ausfallen würde.»