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Ein Wald von Figuren in der Stadt

FRAUENFELD. Filigranes Holzskulptur-Werk in 70 Tonnen Holz stellt der Thurgauer Künstler Marcus Messmer im Neuen Shed im Eisenwerk Frauenfeld zur Schau. Am Freitag feiert «Waldfrisch» Vernissage.
Mathias Frei

Er reise seinem Werkstoff nach, erzählt Marcus Messmer. Er arbeitet mit Holz, Eiche aus Ostschweizer Wäldern zwischen Seerücken, Frauenfeld und Fürstenland. Seine Figuren entstehen im Wald, wo das Holz herkommt. Geerdete Skulpturenkunst aus einem Stück. Sobald die Arbeiten transportfähig seien, bringe er sie in ein kleines Wäldchen bei Wolfikon.

«Mein Atelier ist mehr eine Werkstatt», sagt er. Sein Werkzeug ist die handelsübliche Motorsäge. Messmer schneidet das Holz nicht, sondern schleift es mit den Zähnen der Motorsäge. Und dieses Holz ist nun seinem natürlichen Biotop entrissen, in der Stadt, ist zum künstlerischen Moment geworden und damit zum Gegenentwurf zu Natur.

Holzgeruch im Kreuzgang

Die Shedhalle ist visuell und olfaktorisch nicht wiederzuerkennen. Beigen von Meter-Scheiten bilden um drei Ecken eine Art Kreuzgang. Man läuft auf die zweieinhalb Meter hohe Holzwand auf. Der Geruch des Holzes stimmt einen beruhigt. Kindheitserinnerungen nehme er über den Geruch wahr, erklärt Messmer. Damals im hintersten Hinterthurgau habe er praktisch seine ganze Kindheit im Wald verbracht. Der Duft von Buche in der Hauptsache sowie ein wenig Föhre und auch Tanne.

Die 70 Tonnen schwere Installation aus dem Frauenfelder Auenwald ist greifbar, auch haptisch, und bildet so eine organische Bühne der Sinneswahrnehmungen für Messmers Figuren.

Figuren schaffen Raum

Der 39-Jährige ist Künstler mit einer hohen Fertigkeit im Holzhandwerk. Da sind seine drahtigen Figuren. Und es ist kaum zu glauben, dass diese gerade noch als Körper erkennbaren Skulpturen mit einer Motorsäge bearbeitet worden sind. In verschiedenen Grössen stehen sie angeordnet, schaffen für den Betrachter so einen perspektivischen Raum im Raum. Dies ist nicht nur bei den durch Gerbsäure und Eisen geschwärzten Figuren am Ende des Kreuzgangs der Fall.

Am anderen Ende des Sheds stehen rund 60 mannshohe, lasierte Figuren. Mit dem richtigen Einfall will Messmer ihre Schatten auch zum Teil der Formation werden lassen. Eine dritte Dimension zweiten Grades.

Berührende Distanziertheit

Das andere Extrem zu den filigranen, auf das Unzerstörbare reduzierten Figuren findet sich im Hof, den das Holz bildet: fünf wuchtige, grobschlächtige Köpfe. Durch ihre Masse sind sie dem Raum weniger stark ausgesetzt. Gleichwohl haftet auch ihnen eine Distanziertheit an, die man aber allzu gerne berührt. Die schlanken Wächter hingegen sind zu zerbrechlich. Marcus Messmer sagt dazu: «Ich werte es als Kompliment, wenn Besucher die Figuren berühren.»

In stetiger Veränderung

Holz verändert sich stetig. Und Messmer arbeitet immer mit schnittfrischem Material. Er nimmt an, dass er durch den Flüssigkeitsverlust bei Ausstellungsende fünf Tonnen weniger retournieren muss. Mit dem Phänomen der Veränderbarkeit seines Werkstoffs gibt sich Marcus Messmer nicht ab, sondern er forciert es, etwa mit trockenen Räumen. So sind die archaisch anmutenden Figuren nie dieselben.

Vernissage: Fr, 30.3., 19 Uhr, Eisenwerk; Fr 18–21, Sa 16–19 Uhr; Finissage: Sa, 21.4., 20 Uhr, Lesung Susi Wirth, Theater Konstanz

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