Hallenmeeting in St. Gallen: Ein Vorgeschmack auf mehr

Beim Auftakt zur Hallensaison im Athletik Zentrum präsentierten sich viele Athletinnen und Athleten in Frühform. Die Ausbeute: vier EM-Limiten.

Jörg Greb
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Mehrkämpfer Simon Ehammer überzeugte vor allem im Hürdensprint – er verpasste seine Bestmarke nur knapp.

Mehrkämpfer Simon Ehammer überzeugte vor allem im Hürdensprint – er verpasste seine Bestmarke nur knapp.

Bild: Urs Siegwart

Die Hallenleichtathletik lebt von der Nähe, der Stimmung, der Dynamik. Gestern beim Stadtwerke-Hallenmeeting war davon wenig zu spüren. Pandemiebedingt fehlte das Publikum. Und der Zeitplan war so gestreckt, dass die verschiedenen kleinen Disziplingruppen weitgehend unter sich blieben. Folge davon: Es blieb oft derart still im St.Galler Athletik Zentrum, dass jedes einzelne Klatschen, jedes Wort, jeder Fotografenklick zu hören waren.

Nichtsdestotrotz: Auch diese Bedingungen entfachten ein Wettkampffeuer. Beste Beispiele: vier neu erfüllte Limiten für die Hallen-Europameisterschaften von Anfang März in Polen. Annik Kälin und Simon Ehammer im Hürdensprint, Géraldine Frey und Ricarda Dietsche über 60 m zeichneten dafür verantwortlich.

Ehammer schneller und kräftiger

Die Freude des Appenzeller Mehrkampftalents Ehammer konnte auch ein Dämpfer zum Schluss nicht trüben. «Meine Bilanz fällt sehr erfreulich aus», sagte der bald 21-jährige U20-Europameister von 2019. Der Hürdensprint war exzellent. In 7,84 Sekunden gewann er den Finallauf. Lediglich um drei Hundertstel verpasste er beim Saisoneinstand seine persönliche Bestmarke. Seine jüngsten Fortschritte untermauerte er noch eindrücklicher im Kugelstossen. Auf 14,22 m kam er und steigerte sich damit um fast einen halben Meter. Von «einem rechten Schritt» sprach er bescheiden. Um eine Weite handelt es sich, mit der er unter den Mehrkämpfern ins internationale Mittelfeld vorrückt.

Einzig in der Paradedisziplin Weitsprung musste er sich mit einer «Durchschnittsweite» begnügen: 7,63 m. «Voll ok», sagte er dazu. Lediglich zwei Trainings mit vollem Anlauf hatte er im Vorfeld bestritten. «Da fehlt das wohlige Gefühl», so seine Einschätzung. Die Anpassungen in der Technik konnte er noch nicht wunschgemäss umsetzen. Und ein Vergleich zum letzten Winter widerspiegelt das Steigerungspotenzial. Vor zwölf Monaten stieg er mit 7,21 m ein und beendete den Winter mit 7,80 m– und sprang letzten Sommer 8,15 m. Gespannt blickt er in Richtung Mehrkampf-SM am übernächsten Wochenende.

Mit einem Ausrufezeichen lancierte Annik Kälin das lang herbeigesehnte Wettkampfprogramm. Die 20-jährige Bündnerin lief über die 60 m Hürden in 8,19 Sekunden. Um sechs Hundertstel blieb sie unter der Limite für die Hallen-EM. Von «einem doppelten Erfolgserlebnis» sprach sie.

Zum einen sieht sie ihre Anstrengungen im Sprintbereich bewiesen, und zum anderen nimmt sie sich Druck im Hinblick auf die Mehrkampf-Meisterschaften vom übernächsten Wochenende. Im Mehrkampf, so weiss sie, sind die Anforderungen höher, da in den technischen Disziplinen die Teilnehmerfelder kleiner sind.

Annik Kälin: «Die Sicherheit muss sich entwickeln»

Bei der Qualität des Resultats fiel nicht ins Gewicht, dass der Lauf nicht makellos war. Kälin touchierte mit dem Nachziehbein die letzte Hürde und liess etliches an Zeit liegen. Die Absicht, sich nach kurzer Erholung im Final weiter zu steigern, missriet, trotz der Konkurrenz der letztjährigen Aufsteigerin Ditaji Kambundji. Dennoch, auch die 8,22 sind hervorragend und vielversprechend. Kambundji steigerte sich auf 8,28 Sekunden. Und eine Parallele zu Ehammer zeigte sich ebenso: Auch Annik Kälin kam in ihrer Vorzugsdisziplin Weitsprung noch nicht wie gewünscht auf Touren. Nach dem Sprung auf 6,09 m meinte sie: «Das Sprunggefühl, die Sicherheit müssen sich entwickeln.» Und: «Es war schwierig, nach dem Hürden-Topauftakt die Spannung zu halten.»