Ein Verrückter in Reihe zwei

Kreuzlingen gewinnt in der 2. Liga interregional das Derby gegen Frauenfeld mit 2:1 und überwintert an der Spitze. Trainerassistent Andi Böhm ist für das «Wir-Gefühl» verantwortlich.

Beni Bruggmann
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Kreuzlingens Assistenztrainer Andi Böhm gestaltet das spezielle Einlaufen der Thurgauer. (Bild: Mario Gaccioli)

Kreuzlingens Assistenztrainer Andi Böhm gestaltet das spezielle Einlaufen der Thurgauer. (Bild: Mario Gaccioli)

FUSSBALL. «Er ist ein Fussball-Verrückter. Er gibt 120 Prozent.» So charakterisiert Kreuzlingens Trainer René Benz seinen Assistenten. Für den 49jährigen Deutschen Andi Böhm, Trainer mit Uefa-C-Diplom, zählt neben dem Beruf – er führt in Konstanz ein Sportgeschäft – nur der Fussball. Da ist eine Partnerschaft schwierig. «Ich habe zwei Ehen hinter mir», sagt Böhm.

Hinter sich hat er auch eine erfolgreiche Vergangenheit als Trainer: Mit Rielasingen, Dettingen und Wollmatingen, allesamt Vereine aus der näheren Umgebung von Konstanz, ist er aufgestiegen. Jetzt ist er beim FC Kreuzlingen nur noch Assistent. Ein Rückschritt? «Nein, im Gegenteil», sagt Böhm, «wir haben eine tolle Mannschaft, ein gutes Umfeld – und Erfolg. Es geht vorwärts.» Er könne gut in der zweiten Reihe stehen, sagt er.

Alles perfekt vorbereitet

Das Einlaufen vor den Partien zu leiten ist eine von Böhms Aufgaben. Bevor die Spieler auf den Platz kommen, ist alles perfekt vorbereitet: Die pinkfarbenen Überzieh-Leibchen hängen geordnet auf der Abschrankung, die gelben und blauen Hütchen markieren die Positionen für koordinative Übungen und kurze Sprints, und mit den weissen hat er einen weiten Kreis markiert. Darin beginnt das Programm. Immer wieder laufen die Spieler gegen die Mitte und treffen sich zum engen Knäuel. «Wir sind eine Einheit», sagt Böhm, «wir gehören zusammen und wir sind auf die Mitte fixiert.» Mit der ersten Einlauf-Sequenz fördert er das «Wir-Gefühl». In den kurzen Pausen gibt es hier ein paar aufmunternde Worte und dort einen Klaps auf den Rücken: So beruhigt er, so macht er Mut, und so zeigt er Zuversicht. Es folgen kurze Sprints. Zum Schluss geht es beim Spiel mit zwei Fünferteams intensiv zur Sache. Dann sind alle für die Partie bereit.

In den vorangegangenen Spielen hat Kreuzlingen jeweils in den letzten Minuten entscheidende Tore erzielt, so gegen Bazenheid in der 91., gegen Altstätten in der 90., gegen Chur in der 89. und gegen Linth in der 91. Minute. Das ist auch ein Kompliment an Konditionstrainer Böhm: Die Mannschaft kann das Tempo bis zum Schluss durchziehen. «Ich habe bei den Handballern der HSG Konstanz in der zweiten Bundesliga drei Jahre lang das Konditionstraining geleitet», sagt Böhm, «und das hat mir viel gebracht.»

Freude auf die Türkei

Während sich die Mannschaften aufstellen, nimmt Böhm auf der Spielerbank Platz. Im Hintergrund, in der zweiten Reihe. Vorne steht René Benz, der Chef. «Wir zwei verstehen uns sehr gut», sagt der Assistent. Dann beginnt das Spiel. Die Frauenfelder Führung durch Labinot Musaj bringt Böhm nicht aus der Fassung, zumal Stephan Oergel schon drei Minuten später ausgleicht. Kurz vor Schluss fällt das Siegtor durch Ingo Backerts Penalty. Zwölf Minuten später beginnt die Winterpause – und Andi Böhm freut sich schon aufs Trainingslager in der Türkei: Fussball vom Morgen bis zum Abend.