Kommentar

Ein tückischer Titel für den FC Basel

 Mit dem hart erkämpften Cupsieg über Thun konnte der FCB doch noch einen Titel nach  Basel holen. Doch der Erfolg darf nicht über die Probleme der Mannschaft von Marcel Koller und des Trainers selbst hinwegtäuschen.

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Cupsieg hin oder her: Euphorie wäre in Basel fehl am Platz. Dafür hat zu vieles nicht gestimmt beim FCB. Und darüber darf dieser Titel nicht hinwegtäuschen. Zuerst die Entlassung von Raphael Wicky nach bloss zwei Spielen, dann nach 15 Jahren mit internationalen Spielen in Basel das Ausscheiden aus der Europa League unter Nachfolger Marcel Koller. Man hatte das Ziel «Rückeroberung der Meisterschaft» ausgerufen – und dann tauchte man im Herbst in Bern mit 1:7. Ein Debakel.

Vieles hat man in Basel seit dem Umbruch falsch eingeschätzt. Zuallererst das Ausmass an Veränderung. Das war wohl nicht nur ein Fehler der aktuellen Führung rund um Präsident Bernhard Burgener, die in der Anfangseuphorie auch Coach Urs Fischer mit Neuling Raphael Wicky ersetzte und im Winter nach einer ersten Aufholjagd mit Manuel Akanji und Renato Steffen zwei wichtige Teamstützen ziehen liess. Nein, vermutlich hat auch die alte Führung um Bernhard Heusler dem Verein mit ihrem geschlossenen Rücktritt etwas gar viel zugemutet.

Zwar hat Marcel Koller den FCB in der zweiten Saisonhälfte stabilisieren können. Aber schon vor der Winterpause hat er die Mannschaft gegen sich aufgebracht. Der Kulturwechsel vom lockeren Wicky zum strengen Koller war für das Team eher ein Kulturschock. Dieser scheint überwunden. Dafür sprechen die Resultate. Dafür spricht auch der Cupsieg. Die Mannschaft spielt wenigstens nicht gegen den Trainer. Doch die Distanz zu YB ist noch immer gewaltig. Das zeigte das 1:3 vor einer Woche in Bern. Da hat der FCB zwar vier Tore weniger kassiert als im Herbst, war aber – so die Statistiken – ähnlich unterlegen. Auch der Cupsieg gegen Thun, ein ersatzgeschwächtes Team praktisch ohne Finalerfahrung, war wenig berauschend.

Wie weiter also? Mit oder ohne Koller? Er habe noch ein Jahr Vertrag, sagte der Trainer selbst. Aber: «Was im Sommer passiert, weiss ich nicht.» Sein Stuhl wackelt, sonst würde er kaum so reagieren. Strellers Ausweichen, wenn er auf den Trainer angesprochen wird, stützt diese Theorie. Überhaupt ist der Sportchef zurückhaltender geworden. Er kündet nicht die Rückeroberung des Meistertitels an, sondern will die Distanz zu YB verkürzen. Schwierig genug, wenn man bei den Löhnen sparen muss. Über 20 Millionen Franken. Das könnte Koller helfen, im Amt zu bleiben.