Ein Trainingslager für jedermann

Vergangene Woche fand im Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil das erste sogenannte «Swiss Silver Bullet Trainingslager» statt. Dabei handelte es sich nicht um ein herkömmliches Trainingslager, sondern um ein ganz besonderes. Der Thurgauer Marcel Hug stellte sich als Vorbild und Motivator zur Verfügung.

Catherine Debrunner
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Die Trainingsgruppe weilte eine Woche zusammen, lernte viel und genoss auch das «untereinander sein». (Bild: pd)

Die Trainingsgruppe weilte eine Woche zusammen, lernte viel und genoss auch das «untereinander sein». (Bild: pd)

ROLLSTUHLSPORT. Das Aushängeschild der Schweizer Rollstuhl-Leichtathletik, Marcel Hug, auch «Swiss Silver Bullet» genannt, stellte erstmals ein internationales Trainingslager auf die Beine. Dies mit dem Ziel, Nachwuchstalente aus der ganzen Welt zu fördern. Das Alter der teilnehmenden Athleten war weit gestreut. Der jüngste Athlet hatte gerade einmal den Jahrgang 2007, der älteste war über 50 Jahre alt.

Erfahrungsaustausch

Nebst den Athleten war ein eingespieltes Helferteam vor Ort. Dieses leistete einigen Athleten bei der alltäglichen Pflege Unterstützung und legte Hand an in den Trainings. Diese waren so aufgebaut, dass zuerst bewusst an den Grundlagen mit Hilfe koordinativer Übungen gearbeitet wurde. Trainiert wurde zweimal täglich, einmal am Morgen und einmal am Nachmittag. Da die Gruppe aus völlig unterschiedlichen Niveaus, das heisst von Anfängern bis hin zu international erfolgreichen Junioren bestand, konnten das Wissen und die bereits gemachten Erfahrungen gut untereinander ausgetauscht werden.

Lähmungshöhen berücksichtigen

Es gilt zu erwähnen, dass es sich bei den Athletinnen und Athleten um viele unterschiedliche Lähmungshöhen, darunter Paraplegiker, Tetraplegiker sowie cerebral Gelähmte handelte. Für eine aussenstehende Person sind diese Unterschiede nicht ganz einfach zu erkennen, doch ist es wichtig, diese im Training zu berücksichtigen und somit individuell auf die Teilnehmer eingehen zu können.

Grosser Zusammenhalt

Paul Odermatt, Nationaltrainer des Leichtathletik-Nachwuchses, übernahm die Leitung der Trainings und integrierte dabei zusätzlich Theorie. Während der ganzen Woche war sowohl im Training wie auch in der Freizeit ein bemerkenswerter Zusammenhalt unter allen Sportlern sowie grosse Motivation (trotz äusserst heisser Temperaturen) zu spüren.

Eindrücklicher Dokumentarfilm

An den Abenden wurde den Teilnehmern jeweils ein attraktives Programm geboten. Unter anderem gab Odermatt sein Know-how über das Equipment weiter. Somit sollten die Athleten einen weiteren Schritt zur Selbständigkeit erlangen. Des Weiteren wurde ein eindrücklicher Dokumentarfilm namens «Gold» gezeigt, in welchem drei Spitzensportler ihre eigene Vorbereitung auf die vergangenen Paralympics in London schilderten.

Ausflug auf den Pilatus

Zu den Highlights der Woche zählten das individuelle Training mit der Weltnummer 1 über 100 m, dem Finnen Leo-Pekka Tähti, sowie die Bekanntschaft mit Marcel Hug und Manuela Schär. Und, nicht zu vergessen – vor allem für die ausländischen Athleten – der gemeinsame Ausflug auf den Pilatus.

Marcel Hug gab in einem Vortrag seine Erfahrungen preis. Er betonte, dass es wichtig sei, bei einem erreichten Ziel inne zu halten und die «Aussicht» zu geniessen. Erst danach sollte man sich die nächsten Ziele stecken und diese in Angriff nehmen.

Aufgrund von Feedbacks der Teilnehmer kann man auf ein sehr gelungenes und erfolgreiches Lager zurückblicken, in dem jeder einzelne seinem persönlichen Ziel mit Sicherheit einen Schritt näher gekommen ist.