«Ein Teil eines Mosaiks»

Fussball. Der FC St. Gallen befindet sich in einer sportlich kritischen Lage. Nun spiele die Psychologie eine grosse Rolle, sagt Trainer Krassimir Balakov. Ein Gespräch mit Daniel Lopars Mentaltrainer Daniel Frischknecht.

Markus Scherrer
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Daniel Frischknecht interessiert sich für den Menschen hinter dem Sportler. (Bild: Reto Martin)

Daniel Frischknecht interessiert sich für den Menschen hinter dem Sportler. (Bild: Reto Martin)

Nicht erst seit er beim FC St. Gallen Stefano Razzetti als Nummer eins abgelöst hat, arbeitet Torhüter Daniel Lopar mit dem Bischofszeller Mentaltrainer Daniel Frischknecht. Er tut dies bereits seit vier Monaten, weil «sich gerade auch im Fussball immer mehr im Kopf abspielt», wie der 23jährige sagt. Lopar, der sich als ungeduldiger Mensch bezeichnet, wollte «stärker werden im Kopf». Und nun schwärmt er von den Sitzungen mit Frischknecht, die der Goalie aus seinem eigenen Sack bezahlt.

In der jetzigen sportlichen Situation wäre für den einen oder anderen Spieler des FC St. Gallen ein Mentaltrainer wohl nicht das schlechteste. Doch der 34jährige Daniel Frischknecht, der in St. Gallen aufgewachsen ist und im vergangenen Jahr im Rahmen einer Ausbildung der Swiss Coaching Association eine Diplomarbeit unter dem Titel «Leistungssteigerung durch Coaching im professionellen Fussballsport» verfasst hat, sagt, dass nicht jeder Spieler dies benötige. «Zudem: Nur mit jenen, die so etwas auch wollen, kann man arbeiten.»

«Verborgenes Potenzial»

Frischknecht ist weit davon entfernt, zu sagen, dass man mit einem Mentaltrainer am Ende in der Meisterschaft auch vorne dabei sei. «Auch ein Mentalcoach ist nur ein Teil eines Mosaiks.» Doch in seiner täglichen Arbeit als Jugendbeauftragter der evangelischen Kirchgemeinde Bischofszell hat Frischknecht festgestellt, «dass im gezielten Coachen von Menschen ein grosses verborgenes Potenzial besteht». Er habe sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen die Erfahrungen gemacht, dass durch regelmässigen Austausch verschiedene verborgene Ressourcen entdeckt und geschult werden können. Das motivierte ihn, weiterhin und auf professioneller Ebene in Menschen zu investieren. Seit 2000 befasst er sich – aus persönlichem Interesse – auch mit den Spielern des FC St. Gallen. Er hat sie über all die Jahre in Trainings und Partien studiert und dabei unter anderem gezielt auch deren Körpersprache studiert. Wie beispielsweise eine Mannschaft vor dem Spiel auf den Platz laufe, sage schon vieles über deren Befindlichkeit aus. Frischknecht erwähnt aber noch ein anderes Beispiel. Jenes von Roger Federer, den er am ATP-Turnier in Basel im Final beobachtete. Wie der Weltranglisten-Erste zu Beginn des Spiels aufgeschlagen habe, da sei für ihn schon festgestanden, dass Federer gewinnen würde.

Vertrauensbasis aufbauen

Was würden Sie, Daniel Frischknecht, jetzt beim FC St. Gallen als Mentaltrainer genau tun? Das sei schwierig zu sagen, weil er die Dinge nur aus der Ferne verfolge und auch zu wenig Informationen besitze. «Zuerst würde ich aber eine Vertrauensbasis zu den Spielern aufbauen, damit diese auch wirklich sagen könnten, was sie belastet, was ihr Problem ist», sagt Frischknecht und fügt bei: «Bei einer aussenstehenden Person ist es einfacher, den Frust oder Belastendes von der Seele zu reden.» Bereits das könne sehr befreiend sein. Wichtig sei, auf den Fussballer bezogen, dass private oder andere Probleme während 90 Minuten ausgeblendet werden könnten. «Sonst kommt er immer einen oder zwei Schritte zu spät.»

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