Ein Teenager mischt Basel auf

Schon viele Karrieren haben an den Swiss Indoors in Basel ihren Ursprung genommen. Dasselbe könnte für den 17jährigen Kroaten Borna Coric gelten, der gestern in die Viertelfinals stürmte – und dort heute auf Rafael Nadal trifft.

Ralf Streule/Basel
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Der Kroate Borna Coric ist zwar erst 17 Jahre alt, überzeugt aber wie ein Routinier an den Swiss Indoors. (Bild: ky/Georgios Kefalas)

Der Kroate Borna Coric ist zwar erst 17 Jahre alt, überzeugt aber wie ein Routinier an den Swiss Indoors. (Bild: ky/Georgios Kefalas)

TENNIS. John McEnroe 1978, Mats Wilander 1982, Rafael Nadal 2002: Viele grosse Tennisspieler haben in ihren Teenagerjahren bei den Swiss Indoors in Basel den Grundstein zu ihren Karrieren gelegt. Wie bereits damals hat Turnierdirektor Roger Brennwald auch in diesem Jahr ein gutes Händchen bei der Auswahl junger Spieler gezeigt: Mit Borna Coric hat er einem 17-Jährigen das Vertrauen und eine Wild Card geschenkt, der das Zeug dazu hat, die kommende Tennis-Ära mitzuprägen. Der Kroate bezwang am Mittwoch den aufstrebenden Letten Ernest Gulbis (ATP 13), und gestern doppelte er gegen den Kasachen Andrey Golubjew (ATP 66) nach.

In beiden Spielen gewann Coric in zwei Sätzen. «Er ist eine potenzielle künftige Nummer eins», sagt Brennwald – wobei hier wohl eine grosse Portion Wunschdenken mitschwingt. Nur zu gern würde der 68jährige Turnierdirektor ein weiteres Mal am Ursprung einer steilen Karriere stehen.

Abgeklärt wie ein Routinier

Ein ganz unbeschriebenes Blatt ist das kroatische Talent, in der Weltrangliste derzeit auf dem 124. Platz klassiert, jedoch bereits nicht mehr. Schon an den US Open in diesem Jahr schaffte er den Einzug ins Haupttableau und dort den überraschenden Sieg gegen den Tschechen Lukas Rosol (ATP 27). Dennoch kann der Erfolg, den Coric am Mittwoch in der St. Jakobs-Halle errang, als der grösste in seiner jungen Karriere bezeichnet werden. Dabei fiel er vor allem mit seiner taktisch sehr abgeklärten Spielweise und seiner Athletik auf. Dies sind beides Dinge, die jungen Spielern oft abgehen, wie Experten betonen. Für Coric spricht zudem, dass er sich trotz durchschnittlicher Grösse von 185 Zentimetern bereits der Weltspitze angenähert hat.

Abgeklärt gibt sich der junge Kroate auch auf die Fragen nach seinen Vorbildern. Ja, Rafael Nadal und Roger Federer seien Idole, sagt er einerseits. Aber er wolle weder Nadal noch Federer sein – «sondern Borna Coric». Als solcher will er an grosse kroatische Tenniszeiten anknüpfen. An die Erfolge Goran Ivanisevics zum Beispiel, der in den 1990er-Jahren 22 Titel gewann und eine Zeitlang die Nummer zwei der Welt war. Da war zudem der Daviscup-Sieg Kroatiens 2005 mit Ivan Ljubicic und Mario Ancic. Da mit Marin Cilic (ATP 8) derzeit noch ein Kroate der Weltspitze angehört, sind weitere rosige kroatische Daviscup-Zeiten in näherer Zukunft nicht ausgeschlossen.

Jung gegen Alt im Final?

Heute wartet im Viertelfinal Rafael Nadal auf Coric. Der Spanier, der zu Beginn des Turniers wegen einer Blinddarmentzündung noch Antibiotika zu sich nehmen musste, machte in seiner zweiten Runde am Mittwoch einen erstarkten Eindruck – Coric dürfte ihm normalerweise nicht sehr gefährlich werden. Turnierdirektor Brennwald ist jedoch nicht ganz gleicher Meinung. «Momentan ist Nadal zu schlagen.» Sollte das gelingen, liege ein Finaleinzug durchaus drin. Dort würde der Kroate womöglich auf Roger Federer treffen, womit es zum Vergleich zwischen Jung und Alt kommen könnte. Brennwald dürfte dies gefallen – auch wenn er und das Publikum einen Final zwischen Nadal und Federer sicherlich vorziehen.

Zweites Talent am Start

Ein weiterer 17-Jähriger, auf den Brennwald grosse Stücke hält, ist hingegen in Basel in der ersten Runde ausgeschieden: Der Deutsche Alexander Zverev scheiterte am Bulgaren Grigor Dimitrov (ATP 11). Für einen Durchbruch à la Doric hat das Talent aber noch ein paar Monate Zeit: Er ist ein halbes Jahr jünger als der Kroate.

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