Ein Stück Schaffhausen

Kultursommer in Schaffhausen: Das sind zwanzig Auftritte von Musikern, Schauspielern, Zauberern, Autoren in einem Zirkuszelt. Und das ist ein Theaterstück in einem Hotel, in dem die Zeit stehengeblieben ist. Regie führt eine Thurgauerin.

Dieter Langhart
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Es war einmal: Katharina Furrer und Katrin Sauter vor Schaffhausens Hotel Tanne. (Bild: Dieter Langhart)

Es war einmal: Katharina Furrer und Katrin Sauter vor Schaffhausens Hotel Tanne. (Bild: Dieter Langhart)

SCHAFFHAUSEN. «Die schönste Gaststube der Alpennordseite» hat ein Stammgast die «Tanne» genannt. Viele gingen da ein und aus: Peter Hartmeier, früherer «Tagi»- und TZ-Chefredaktor, oder der Porträtfotograf Rolf Wessendorf. Über drei Jahrzehnte hat er Gäste und Stube aufgenommen und die Bilder 2006 in ein Buch gebunden: «Die Tanne. Ein Stück Schaffhausen».

Seit 1997 war das Hotel-Restaurant offiziell geschlossen, doch bis vor wenigen Jahren hatte Margrit Zimmermann die Stube noch am Samstagvormittag für Stammgäste geöffnet, dann ging sie ins Altersheim – nicht ohne die Stadt Schaffhausen zu verpflichten, «das unverwechselbare Cachet und die historischen Einrichtungen der Gaststube zu erhalten».

Eine vergangene Welt

Und jetzt entsteht in der «Tanne» wieder ein Stück Schaffhausen – ein Theaterstück, das von der «Tanne» handelt und in der «Tanne» spielt, in der die Zeit stehengeblieben ist seit der letzten Renovation vor hundert Jahren, in der die jüngste Zeitung aus dem Jahr 1996 stammt. Katrin Sauter hat eine Familiengeschichte erfunden, die drei Generationen umspannt.

Die Thurgauer Theaterpädagogin, die in Schaffhausen aufgewachsen ist, hatte mit Schauspieler Benno Muheim und Szenographin Karin Bucher einen Spielort für das neue Sommertheater gesucht, war von Präsidentin Katharina Furrer in einen Innenhof geführt worden – und stand in einer anderen Welt, einer anderen Zeit – «und am Anfang unseres Stücks».

«Der Ort hat uns angesprungen», sagt Katrin Sauter, «und die Räume erzählen bereits eine Geschichte.» Die Zuschauer sollen die Atmosphäre von Hotel und Restaurant erleben und in deren Vergangenheit eintauchen können. Deshalb sitzen sie nicht fest in Theatersesseln, sondern bewegen sich durch das Haus, von der Wirtsstube in den Innenhof und ins Fasslager, zwei Stockwerke hoch zu den Zimmern, zurück in die Wirtsstube.

Vorstellungen überlagern sich

«Nicht alle werden die gleiche Geschichte erleben», sagt Katrin Sauter, die «Hotel Tanne» mit neunzehn Laienspielern einstudiert. Zwei Gruppen zu vierzig Zuschauern, von Spielerinnen gelotst, folgen ihnen; Beginn ist um halb acht und um acht. Und werden, wo es eng wird in den Zimmern, nochmals aufgeteilt. Gewisse Szenen der Geschichte, die 1969 und 1944 spielt, werden also – akustisch und mit Installationen überlagert – parallel ablaufen.

Und parallel zum Stück lockt nebenan auf dem Herrenacker der Kultursommer mit einem reichen Programm ins Zirkuszelt.

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