Ein Student war der Beste

St. Otmar ist auch im zweiten Playoff-Halbfinalspiel gegen Kadetten Schaffhausen chancenlos. Die St. Galler unterliegen dem Titelverteidiger trotz des Heimrechts vor 1500 Zuschauern 24:35.

Daniel Good
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HANDBALL. St. Otmar beschäftigt ein halbes Dutzend Profis aus dem Ausland. Der beste Spieler der St. Galler NLA-Mannschaft war aber auch gestern – wie schon im Auswärtsspiel am Donnerstag – ein Einheimischer. Der 22jährige Tobias Wetzel rackerte in der Verteidigung und erzielte am Kreis vier Treffer. Aber auch der ETH-Student konnte nicht verhindern, dass St. Otmar ähnlich hoch verlor wie auswärts. Mit 35:24 setzte sich der Serienmeister aus Schaffhausen in der Kreuzbleiche durch, nachdem die Kadetten daheim 35:23 gewonnen hatten. Der Titelverteidiger führt in der Playoff-Serie nun mit 2:0 Siegen und ist auf dem besten Weg, den Final zu erreichen. Mit einem Sieg in der dritten Partie der Halbfinalserie gegen St. Otmar am Donnerstag sind die Schaffhauser weiter.

St. Otmar blieb auch gestern nicht der Hauch einer Chance. Schon nach acht Minuten führte Schaffhausen 7:2. Zur Halbzeit lagen die St. Galler 10:20 zurück. St. Otmars Abwehr liess den Kadetten zu viel Raum, im Angriff agierten die St. Galler mit zu wenig Druck und Präzision. Die Verteidigung der Kadetten war zwar stark, aber selbst Gegenstossmöglichkeiten liessen St. Otmars Spieler mehr als einmal aus. Zudem wog der verletzungsbedingte Ausfall des St. Galler Stammgoalies Martin Galia schwer. Jonas Kindler, der Stellvertreter des Tschechen mit Länderspielerfahrung, hielt vor der Pause keinen Ball. Zu einem Kurzeinsatz kam auch der 20jährige Marco Appert, der Goalie der Espoirs St. Otmars.

Playoff und Bachelorarbeit

Nebst Wetzel genügte in den Reihen St. Otmars gestern einzig noch Topskorer Tomas Babak höheren Ansprüchen. Der Tscheche verbuchte aus neun Versuchen sieben Treffer und war einmal mehr der beste Torschütze seiner Equipe. «Ich will niemandem einen Vorwurf machen. Kämpferisch war unsere Leistung sicher in Ordnung», sagte Wetzel, der ab heute wieder drei Tage an die ETH geht. «Auch ich hatte den Kreis nicht immer im Griff.»

Wetzel ist angehender Umweltingenieur und neben dem NLA-Playoff mit der Bachelorarbeit beschäftigt. Er ist eigentlich der zweite Kreisläufer St. Otmars. Weil Benjamin Geisser, die Nummer eins, verletzt ist, kommt der St. Galler auch im Playoff jeweils während fast der gesamten Spielzeit zum Einsatz. «Vor der Partie glaubte ich schon, dass wir eine Chance haben. Aber wir haben die Startviertelstunde verschlafen. Später fanden wir uns als Mannschaft, aber es war natürlich zu spät», so Wetzel.

Dankbares Publikum

Ähnlich stark wie die Schaffhauser war in der Kreuzbleichehalle bloss das Publikum. Es applaudierte jede erfolgreiche Aktion St. Otmars – auch als das Heimteam schon längst aussichtslos in Rücklage geraten war. «Das ist schier unglaublich», sagte Wetzel. Er war am Sonntag vor einer Woche auch beim Fussballspiel, das der FC St. Gallen gegen Basel zu Hause 0:7 verloren hatte. «Jeder Fehlpass der St. Galler Mannschaft hatte ein Pfeifkonzert zur Folge.»

Die St. Galler Handballfreunde müssen nun sehr wahrscheinlich aber wieder ein Jahr warten, bis ihnen das nächste Mal Playoff-Kost geboten wird.

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