Ein stilvoller Engländer fürs Bergholz

Der FC Wil verpflichtet als Nachfolger des entlassenen Trainers Fuat Capa wie erwartet Kevin Cooper. Der 40jährige Engländer war zuletzt mit dem FC Servette sportlich erfolgreich – und punktet an der Seitenlinie mit Stil und englischer Correctness.

Ralf Streule
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Kevin Cooper, einst Flügelspieler in der zweithöchsten englischen Liga, machte im walisischen Cardiff seine ersten Erfahrungen als Trainer. (Bild: ky/Salvatore Di Nolfi)

Kevin Cooper, einst Flügelspieler in der zweithöchsten englischen Liga, machte im walisischen Cardiff seine ersten Erfahrungen als Trainer. (Bild: ky/Salvatore Di Nolfi)

FUSSBALL. Kevin Cooper ist ein Trainer der Marke englischer Gentleman. Der 40-Jährige aus Derby steht meist mit Anzug und Krawatte am Spielfeldrand. So war es zum Beispiel, als er im März dieses Jahres mit Servette in der IGP Arena bei Wil zu Gast war. 0:0 hiess das Ergebnis damals – und Cooper sprach nach dem Spiel mit seinem Derbyshire-Akzent vom weiterhin möglichen Aufstieg der Genfer. Inzwischen ist ein halbes Jahr vergangen – und Cooper steht wieder in Wil, wieder mit Aufstiegsambitionen. Diesmal als neuer Cheftrainer der Ostschweizer. Bei Servette, das im Sommer nicht aufstieg, sondern in die Promotion League zwangsrelegiert wurde, hatte er am Dienstag seinen Vertrag aufgelöst. Gestern hat der FC Wil die Verpflichtung offiziell bekannt gegeben, nachdem der Name bereits am Montag in den Medien gefallen war. Schon im gestrigen Nachmittagstraining war Cooper im Bergholz mit dabei.

Cooper bringt Cantaluppi mit

Cooper übernimmt in Wil die Nachfolge von Fuat Capa. Dieser hatte den FC Wil samt seinem Trainerteam vor gut zwei Wochen verlassen müssen, nachdem er in türkischen Medien offenbar undifferenzierte Aussagen über die Verfahren Schweizer Behörden gemacht hatte. Cooper bringt seinen Co-Trainer Mario Cantaluppi sowie Assistenz- und Konditionstrainer Gordon Dunlop mit.

Mit Cooper gewinne man einen profunden Kenner des Fussballs, schreibt der FC Wil. Cooper kam als Aktivspieler zu einem Kurzeinsatz in der Premier League mit Wolverhampton, spielte meist in der zweithöchsten englischen Liga, unter anderem beim walisischen Club Cardiff. Dort übernahm er später die U21-Auswahl und machte Bekanntschaft mit Julian Jenkins, der später CEO von Servette wurde und Cooper dort im Sommer 2014 zum Trainer machte. In Genf wurde ihm gute Arbeit attestiert. Er erreichte in der Challenge League, trotz Unruhen im Verein, den zweiten Rang. Und in der Promotion League liegt das Team an der Spitze.

FC-Wil-Vizepräsident Roger Bigger betont den Vorteil, dass Cooper die Challenge-League und den Schweizer Fussball inzwischen gut kenne. Ablöse sei Servette nicht zu bezahlen gewesen, da Cooper dort um eine Auflösung des Vertrags gebeten hat. Gut möglich, dass Servette darüber nicht unglücklich war: Möglicherweise war der Vertrag mit Cooper – in ambitiösen Zeiten unterzeichnet – höher dotiert, als es für Promotion-League-Clubs üblich ist. Der FC Wil bedankt sich in der Medienmitteilung offiziell beim Genfer Club für die Freigabe.

Vierter Sieg in Folge gefordert

Drei weitere Trainer waren beim FC Wil gemäss Bigger im Rennen gestanden. Wils Investor Mehmet Nazif Günal habe sich selber ein Bild machen wollen und hat mit allen Kandidaten persönlich gesprochen und verhandelt, so der Vizepräsident.

Cooper dürfte am Samstag ab 17.45 Uhr zu Hause gegen Le Mont bereits an der Seitenlinie stehen. Dabei ist er gefordert: Zuletzt gewann Wil dreimal, zweimal mit Interimstrainer Philipp Dux, der das Team an die zweite Position führte. Cooper selbst gab beim gestrigen Training noch keine Auskunft, da noch Details zu klären seien. «To be correct», hiess das bei ihm. Ein Gentlemen, eben.