Ein Spiel wie eine Zusammenfassung

Fussball ist langweilig. Zumindest, wenn man zu keinem Team, das gerade spielt, eine emotionale Bindung hat. Wenn man nicht jubelnd aufspringen, sich vor lauter Wut die Haare raufen oder den Fernseher anbrüllen kann. Wenn es einem egal ist, wer gewinnt. Wenn man nur unterhalten werden will.

Christof Krapf
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Fussball ist langweilig. Zumindest, wenn man zu keinem Team, das gerade spielt, eine emotionale Bindung hat. Wenn man nicht jubelnd aufspringen, sich vor lauter Wut die Haare raufen oder den Fernseher anbrüllen kann. Wenn es einem egal ist, wer gewinnt. Wenn man nur unterhalten werden will. In solchen Fällen – und solche Spiele gibt es zuhauf –, reicht die Zusammenfassung. Man kriegt jedes Tor, jede Schlüsselsituation, jedes grobe Foul und jede strittige Schiedsrichterentscheidung pfannenfertig serviert. Das Ballgeschiebe, die Reklamationen und die technischen Fehler dazwischen spart man sich.

Die diebische Freude von 1999

Zusammenfassungen sind praktisch. Ohne Emotionen tendiert die Schmerztoleranz beim Fussball schauen sowieso gegen null. Wer tut sich am Feierabend schon Fehlpässe und Abschlüsse an, die meterweit übers Tor segeln? Eben. Eigentlich würde viel Zeit bleiben, um seine Zeit mit anderem zu verbringen als mit Fussball vor dem TV. Das Problem ist, dass es Bayern München gibt. Das Team von Josep Guardiola wirft die Theorie der Spiel-Zusammenfassungen über den Haufen. Auch wenn man den Münchnern mehr oder weniger neutral gegenübersteht. Sich zwar 1999 diebisch über den verlorenen Final der Bayern gegen Manchester United gefreut hat, es aber nicht übers Herz bringt, den Verein wirklich zu verabscheuen.

Von Costa und Coman zerzaust

Das Problem mit den Bayern ist ihr Spiel. Es ist ein Fussball, der auch neutrale Zuschauer vor dem TV-Gerät gefangen hält. Schnell ist er und technisch hochstehend. Es ist Fussball, der mit dem Kopf durch die Wand will und dies auch schafft – dabei aber trotzdem leicht aussieht. Das haben die Bayern in der vergangenen Woche beim 3:1 im Cup gegen Wolfsburg ebenso bewiesen wie beim 5:1 gegen Arsenal in der Champions League – also nicht gegen irgendwen. Die Gegner wurden von Ballzauberern wie Douglas Costa oder Kingsley Coman zerzaust. Der TV-Zuschauer traut sich nicht, umzuschalten und auf die Zusammenfassung zu warten. Denn der Bayern-Fussball ist so spektakulär, dass Emotionen ins Spiel kommen. Vielleicht aber eher Liebe zu gutem Fussball als Liebe zu Bayern München.