Ein sanfter Übergang

Mickaël Facchinetti gehört heute beim Rückrundenstart zu Hause gegen den FC Zürich St. Gallens Startformation an. Wichtigste Bezugsperson des bald 24-Jährigen ist sein Grossvater, der frühere Xamax-Präsident Gilbert Facchinetti.

Patricia Loher
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FUSSBALL. Rückblickend war der Schachzug clever. In sechs von sieben Partien vor der Winterpause hatte St. Gallens Trainer Jeff Saibene auf Mickaël Facchinetti gesetzt. Als schliesslich der Wechsel von Ermir Lenjani zu Rennes in die Ligue 1 immer konkreter wurde, bekümmerte das die Anhänger des FC St. Gallen kaum noch. Es war ein sanfter Übergang ohne Nebengeräusche, denn es war offensichtlich geworden: Ermir Lenjanis Nachfolger auf der Position des linken Verteidigers steht bereit.

Facchinetti, zu Beginn der Saison hinter Lenjani die Nummer zwei, hatte überzeugt und im Heimspiel gegen Thun einen Penalty herausgeholt, den Roberto Rodriguez zum 1:0 verwertete. Laut Saibene setzte Facchinetti auch in der Vorbereitung Ausrufezeichen. Der Romand erzielte in den Testpartien zwei Tore. Gegenüber der Ostschweiz am Sonntag sagte der Trainer: «Lenjani hätte in dieser Rückrunde einen schwierigen Stand, wenn ich sehe, wie Facchinetti trainiert und wie er spielt. Er hat sich unglaublich entwickelt.»

«Das macht er nun gut»

Also wird Saibene heute zu Beginn dieser Rückrunde auf Facchinetti setzen. Dem Neuzugang Daniel Dziwniel sei er doch noch ein bisschen voraus, sagt der Trainer. Facchinetti ist grösser und kräftiger als sein Vorgänger Lenjani. «Ich forderte von ihm, dass er sich offensiv noch mehr einbringt. Das macht er nun gut», sagt Saibene.

Facchinetti kam im Sommer nach St. Gallen. Der bald 24jährige Neuenburger spielt, nach einem halbjährigen Abstecher nach Italien zu Chievo Verona, zum zweitenmal ausserhalb der Romandie. Er strebte diesen Wechsel an. «Ich wollte eine neue Mentalität kennenlernen. Zudem versprach ich mir mehr Professionalität.» Facchinetti sagt, der Wechsel nach St. Gallen sei für ihn ein Schritt nach vorne gewesen. Alles sei bestens organisiert, die Spieler würden gut betreut. Auch die Sprache bereitet ihm keine Mühe. Facchinetti, der die Matura absolvierte, beherrscht neben Französisch und Deutsch auch Englisch, Italienisch und Spanisch. Wie einige seiner Teamkollegen, wohnt er in Herisau.

In der Romandie hatte Facchinetti einiges mitgemacht; den Konkurs von Xamax nach den Machenschaften von Bulat Tschagajew, in der vergangenen Saison den Abstieg mit Lausanne-Sport in die Challenge League. Ihm, dem Enkel von Gilbert Facchinetti, ging vor allem Xamax' Niedergang nahe. Mickaël Facchinetti war gross geworden mit dem Traditionsclub. Er wuchs bei seinen Grosseltern auf, Spieler und Trainer von Xamax gingen bei den Facchinettis ein und aus. Xamax war ein Teil im Leben des jungen Mannes, noch immer verfolgt er die Entwicklung und besucht, wenn möglich, die Heimspiele des Clubs, der Leader in der Promotion League ist. Er hoffe, sagt Facchinetti, auf den Aufstieg in die Challenge League.

Der Name ist keine Belastung

Mickaël Facchinetti wählte nicht den Weg über Xamax in den Spitzensport. Über den Dorfclub Bas-Lac ging es für ihn vorerst in die Nachwuchsabteilung von Lausanne. Sein Ziel war stets der Profifussball, aber «ich wollte nicht, dass man sagte, ich hätte es nur wegen meines Namens geschafft». St. Gallens Aussenverteidiger sagt, der Name sei für ihn keine Belastung. Er sei stolz auf seine Grosseltern, auf seinen Grossvater, der ein grosses Stück Schweizer Fussballgeschichte mitgeprägt habe. Der unterdessen 79jährige Gilbert Facchinetti und seine Frau sind noch immer die wichtigsten Bezugspersonen im Leben des Aussenverteidigers. Lange sei der Grossvater an jedem Spiel dabei gewesen. Auch nach St. Gallen kommt der frühere Xamax-Präsident oft. «Wir analysieren jedes Spiel gemeinsam. Seine Meinung ist mir enorm wichtig.»

Mickaël Facchinetti, dessen Vater der frühere St. Gallen-Spieler Stéphane de Siebenthal ist, verlor seine Mutter, als er 18jährig war. Es sei die schlimmste Zeit seines Lebens gewesen, sagt Mickaël Facchinetti, der unterdessen selber Vater ist: «Aber jene Zeit hat mich gelehrt, immer wieder aufzustehen.»

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