Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Ein Rennen fast wie in der Bibel

Am Sonntag findet in Belgien die 100. Flandern-Rundfahrt statt. Topfavorit ist der Berner Fabian Cancellara. Auch zwei Ostschweizer spielen eine interessante Rolle. Stefan Küng, ein möglicher Sieger der Zukunft, startet erstmals. Schon viel erlebt in Flandern hat Reto Hollenstein.
Daniel Good
An der Flandern-Rundfahrt begeistern sich die Anhänger nicht nur für Stars wie Fabian Cancellara. (Bild: epa/John Thys)

An der Flandern-Rundfahrt begeistern sich die Anhänger nicht nur für Stars wie Fabian Cancellara. (Bild: epa/John Thys)

RAD. «Wind, Regen, Nässe, enge Strassen, Kopfsteinpflaster und viele Zuschauer. Das prägt die Rennen in Belgien – und ich liebe sie», sagt Stefan Küng. Derzeit bestreitet der 22jährige Thurgauer in Belgien das Etappenrennen «Drei Tage von De Panne». Am Sonntag ist Küng zum erstenmal an der Flandern-Rundfahrt der Elite über 255 Kilometer im Einsatz. Als U23-Fahrer hätte er das Rennen für den Nachwuchs vor zwei Jahren fast gewonnen, wurde aber kurz vor dem Ziel – auf Rang zwei liegend – zu Boden gerissen und landete auf Platz zwölf.

Der in Wilen bei Wil wohnende Küng hat die Qualitäten, um die Flandern-Rundfahrt dereinst zu gewinnen. Er kommt auf dem Kopfsteinpflaster gut voran und hält in den giftigen Steigungen mit. Am Sonntag aber gilt es für ihn, Erfahrungen zu sammeln und dem Team zu helfen. Mit dem Belgier Greg van Avermaet ist einer der Topfavoriten in der Mannschaft Küngs.

Nach dem Pfeifferschen Drüsenfieber im Dezember ist Küng auch noch nicht so weit, um in einem der schwersten Rennen im Kalender eine führende Rolle zu übernehmen. Diese hat aus Schweizer Sicht Fabian Cancellara inne, der als erster Sieganwärter zur 100. Austragung der Flandern-Rundfahrt antritt.

Die Premiere in einem Kopfstein-Klassiker erlebte Küng vor knapp einem Jahr, als er für Paris–Roubaix aufgeboten wurde. Es war ein unvergessliches Erlebnis für den jungen Schweizer. «Bis jetzt ist es das schönste, aber auch härteste Rennen, das ich bestreiten durfte», sagte Küng im April 2014 über Paris–Roubaix, das wie die Flandern-Rundfahrt über viele Abschnitte mit Kopfsteinpflaster führt.

Applaus auch für den Letzten

Ein anderer Ostschweizer Radprofi steht am Sonntag schon zum viertenmal am Start in Brügge. Der 30jährige Reto Hollenstein aus Sirnach war auch schon 2009, 2012 und im vergangenen Jahr dabei. «Es ist ein unglaubliches Rennen. Allein schon wegen der gewaltigen Publikumsmenge. Die Flandern-Rundfahrt ist ein Monument, von denen es nicht viele gibt», sagt der Thurgauer.

Es hat jeweils weit über eine Million Zuschauer am Strassenrand. Und es ist fast wie in der Bibel, in der steht: Die Letzten werden die Ersten sein. «Die Zuschauer belohnen jeden Teilnehmer mit Applaus, egal aus welchem Land er stammt. Auch den Letzten», sagt Hollenstein.

Oder jene, die schon aufgegeben haben. Im vergangenen Jahr war Hollenstein im Vorfeld des Rennens krank und rechnete nicht mit einer Teilnahme, wurde vom Team dann aber doch aufgeboten. Nach gut 200 Kilometern hatte er als Helfer seine Aufgabe für die Mannschaft erledigt. Als Hollenstein daran dachte, aufzugeben, wollte er noch bis an jenen Ort weiterfahren, wo seine Eltern an der Strecke standen. Er war abgehängt und hatte mit dem Ausgang des Rennens nichts mehr zu tun. Aber die Menge feuerte ihn an, als ob er mit den Favoriten um die Führung kämpfen würde. «Das war schon eindrücklich. Ich werde es sicher nie mehr vergessen.»

Die vielen Unebenheiten führen in der Flandern-Rundfahrt zu vielen Defekten. 2012 brach im Anstieg zum Kwaremont an Hollensteins Velo der Sattel. «Kurze Zeit später verlor ich ihn sogar.» Mit nur noch dem Gestänge in der Hand wartete er auf das Teamfahrzeug. Die Unbill ereignete sich auf einer schmalen Strasse. Kein Mannschaftsauto war in der Nähe. «Ich musste leider lange warten, bis ich mein Ersatzrad bekam. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit. Für mich war das Rennen nach diesem Zwischenfall vorbei.»

Meister der Positionskämpfe

Die Flandern-Rundfahrt ist vor allem auch deshalb so anspruchsvoll, weil die Rennfahrer dauernd Positionskämpfen ausgesetzt sind. «Jeder will auf den engen Strassen zuvorderst sein. Denn wenn du einmal abgehängt wirst, schaffst du es fast nicht mehr nach vorne», sagt Hollenstein.

Ein Meister der Positionskämpfe ist Cancellara. Der 35-Jährige ist in den Rangeleien im Feld besonders gewandt. Auch die Ellbogen kommen zum Einsatz. Heilige haben keine Chance. Der Ende Saison zurücktretende Cancellara könnte als erster Fahrer zum viertenmal triumphieren. Bislang steht er wie der Italiener Fiorenzo Magni sowie die vier Belgier Tom Boonen, Johan Museeuw, Eric Leman und Achiel Buysse mit je drei Siegen zu Buche. Boonen ist am Sonntag auch am Start.

Reto Hollenstein Thurgauer Radprofi (Bild: pd)

Reto Hollenstein Thurgauer Radprofi (Bild: pd)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.