Ein Ort der Begegnung

MÜNSTERLINGEN. Die Psychiatrische Klinik Münsterlingen hat Erfolg damit, Kultur mit vertiefenden Gesprächen zu verbinden. Und macht weiter.

Dieter Langhart
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Seraina Perini Allemann und Gerhard Dammann bringen Kultur in die Klinik Münsterlingen. (Bild: Dieter Langhart)

Seraina Perini Allemann und Gerhard Dammann bringen Kultur in die Klinik Münsterlingen. (Bild: Dieter Langhart)

«Wir tauchen wieder auf – Kultur in der Klinik», hiess es vor einem Jahr, als die Psychiatrische Klinik nach einer Kunstpause wieder Kunst und Kultur anbot. «Der Neustart ist gelungen», sagt der Ärztliche Direktor Gerhard Dammann, «der Effort hat sich gelohnt.» Vorgestern haben er und die Kulturbeauftragte Seraina Perini Allemann das neue Programm vorgestellt.

Sehr gut besucht und teils ausverkauft seien die vier Anlässe 2013 gewesen. Was sind die Gründe? «Wir haben unser Profil gefunden», sagt Dammann.

«Nicht zu didaktisch»

Er meint die Verbindung von Kultur und fachlichem Input, die eine Brücke schlägt zwischen Psychiatrie und Kultur. Einleitende Referate oder Nachgespräche leuchten das Thema einer Veranstaltung aus und ergänzen es. «Nicht zu didaktisch», betont Gerhard Dammann.

Das Programm setzt auf Anlässe mit Wiedererkennungseffekt, etwa interaktives Theater, also Forumtheater: 2013 zum Thema Demenz, 2014 zum Umgang mit Alkohol. Das Theater Knotenpunkt setzt sich in seinem neuen Stück «Zum Wohl!» mit einem Tabuthema auseinander: dem Alkoholkonsum Erwachsener. «Wie viel ist zu viel?» wird Herbert Leherr, Bereichsleiter Abhängigkeitserkrankungen, eingangs fragen (21. Mai).

Bottighofer singt bei Bliss

Die Saison beginnt allerdings weniger ernst – und mit einem Bottighofer auf der Bühne: am 8. März mit den fünf Sängern von Bliss und ihrer A-cappella-Comedy über die Rettung einer Konzertpremiere, die zu scheitern droht. Mit dem Publikum diskutiert Gerhard Dammann hernach über Lampenfieber.

Eine «unglaubliche Energie» stecke im grenzüberschreitenden Chorprojekt Popchor & Band60plus Bodensee, sagt Seraina Perini. Seit ihrer Jugend seien Musik und Lieder ein Lebenselixier für die gut 120 Mitwirkenden unter der Leitung von Martin Rodler und Jürgen Waidele. Darum geht es auch im Gespräch zwischen Heidi Schänzle-Geiger und Silvia Abegg von der Memory-Klinik vor dem ersten Auftritt des Ensembles in der Schweiz (30.4.).

Hinaus zu tanzfremden Orten

Aus 150 Bewerbern mit klassischer Ausbildung sind acht Tänzer aus acht Nationen ausgewählt worden für das Bundesjugendballett aus Hamburg. Sie verbringen eine Woche als Artists in Residence im Personalhaus, gehen ins Heilpädagogische Zentrum in Romanshorn, in eine Kreuzlinger Schule, leiten in Münsterlingen Workshops mit Patienten und Mitarbeiterinnen – und treten schliesslich öffentlich auf (30.10.). Um Askese in der Jugend, um Chancen und Gefahren von Disziplin geht es im Nach(t)gespräch.

Auch der Räuber Hotzenplotz ist einmal ein Kind gewesen. Das Programm beschliesst ein Jugendmusical nach Otfried Preusslers Klassiker (30.11.). Und auch beim Gartenfest am 17.8. sind Kinder willkommen.

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