Ein nachbarschaftliches 2:2

FUSSBALL. Der FC St. Gallen hat die Talsohle nicht durchschritten. In der ersten Super-League-Partie gegen Vaduz trennt er sich mit dem Aufsteiger im ausverkauften Rheinpark-Stadion 2:2 unentschieden und wartet seit drei Runden auf einen Sieg.

Christian Brägger/Vaduz
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Torschützen im Zweikampf: St. Gallens Yannis Tafer (vorne) und der Vaduzer Simone Grippo. (Bild: Nicolas Senn)

Torschützen im Zweikampf: St. Gallens Yannis Tafer (vorne) und der Vaduzer Simone Grippo. (Bild: Nicolas Senn)

In der 57. Minute trat ein, was der verunsichert wirkende FC St. Gallen tunlichst hatte vermeiden wollen. Er lag im Fürstentum gegen den Aufsteiger 1:2 zurück. Die grosse Überraschung in der im Vorfeld hochstilisierten Partie zwischen den beiden Nachbarn lag in der Luft. Weil sie schliesslich gerechterweise 2:2 endete, sagte St. Gallens Trainer Jeff Saibene nach dem Spiel: «Wir sind spielerisch definitiv nicht dort, wo wir sein möchten. Ich spüre eine gewisse Angst im Team, es ist nach den Niederlagen in Thun und gegen Zürich verunsichert. Es gibt viel zu tun.»

In der Tat hatte der Auftritt St. Gallens vor der mit 6733 Zuschauern für Vaduz imposanten Kulisse nachdenklich gestimmt. Es fehlte das Feuer, die Mannschaft wirkte wie gelähmt. Und es war der Vaduzer Steven Lang, der ehemalige Spieler Saibenes aus gemeinsamen Aarauer Zeiten und bester Mann der Partie, der in der 57. Minute dem schwachen Auftritt der Gäste einen weiteren Nadelstich versetzte. Seinen schönen Freistoss aus knapp 20 Metern in die tiefe Torecke musste St. Gallens Goalie Marcel Herzog machtlos passieren lassen.

Premiere für starken Tafer

Nichts hatte zu Beginn der Partie auf diesen aus St. Galler Sicht schlechten Verlauf hingewiesen. Zumal das Team von Saibene mit der ersten Möglichkeit nach 19 Minuten durch Yannis Tafers ersten Saisontreffer noch 1:0 in Führung gegangen war. Der offensive Mittelfeldspieler, der auf diese Saison hin für den rechten Korridor verpflichtet worden war, bedankte sich für Saibenes erstmalige Nomination für die Startformation auf seine Weise: eiskalt hob er den langen Ball seines französischen Landsmannes Stéphane Besle über den herauseilenden Goalie Peter Jehle.

Die Führung war zu jenem Zeitpunkt glücklich, da das Heimteam mit zwei Möglichkeiten durch Simone Grippo und Manuel Sutter den Tritt in die Partie besser gefunden hatte. Spätestens nach dem Ausgleichstreffer durch Grippo zehn Minuten später – er reagierte mit einem Abschluss aus der Drehung nach Langs Freistossflanke in der allgemeinen Verwirrung am schnellsten – hätten die St. Galler kurz vor der Pause das Spiel in die für sie richtigen Bahnen lenken müssen.

Nach einer Intervention Franz Burgmeiers an Tafer, dem stärksten St. Galler, pfiff der Schiedsrichter einen strengen Penalty. Nur nahm Albert Bunjaku das Geschenk nicht an und scheiterte am liechtensteinischen Nationalgoalie. «Im Training versenkt Bunjaku bei fünfzig Versuchen fünfzig Penalties», sagte Saibene. Der Kosovare selber wusste nicht, wie ihm geschehen war: «Ich kann mich nicht erinnern, letztmals einen Penalty vergeben zu haben. Der Ball muss einfach rein, dann läuft das Spiel anders.» Immerhin glückte Innenverteidiger Daniele Russo fünf Minuten nach Langs Tor der Ausgleich. Das 2:2 lockerte zwar den grossen Druck auf das Nervenkostüm, verfehlte aber eine positive Wirkung auf St. Gallens Sicherheit und Spielkultur.

Contini: «Ein guter Punkt»

So endete die Partie im Rheinpark mit dem gerechten Unentschieden, das wohl keine Partei richtig glücklich machte. Der frühere St. Galler Philipp Muntwiler sagte: «Wir müssen den Punkt so nehmen, einen Gewinner hätte die Partie ohnehin nicht verdient gehabt.» Giorgio Contini, der Coach des FC Vaduz, fügte an: «Für uns ist es ein guter Punkt.»

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