Ein letzter Spannungsaufbau

FUSSBALL. Fussball statt Ferien. Morgen beenden die Schweizer Nationalspieler mit dem EM-Qualifikationsspiel gegen Litauen ihre lange Saison. Im Baltikum müssen sie noch einmal ihre Müdigkeit abstreifen. Ab 20.45 Uhr zählt allein der Schweizer Sieg.

Christian Brägger/Vilnius
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Fabian Frei, Fabian Schär, Johan Djourou und Gelson Fernandes (von vorne) steigen in Vilnius aus dem Flugzeug - die Gedanken schon beim Spiel gegen Litauen. (Bild: Keystone)

Fabian Frei, Fabian Schär, Johan Djourou und Gelson Fernandes (von vorne) steigen in Vilnius aus dem Flugzeug - die Gedanken schon beim Spiel gegen Litauen. (Bild: Keystone)

Manche Dinge sind einfach so und müssen – wenn vielleicht auch widerwillig – befolgt werden. Wie das Spieldatum der sechsten EM-Qualifikationsrunde, das die Uefa auf dieses Wochenende angesetzt hat. Der Terminplan des europäischen Verbandes ist so dichtgedrängt, dass sich erst vor Wochenfrist Juventus und Barcelona im Final der Champions League in Berlin gegenüber standen. Also müssen mögliche Länderspieltermine des Kontinents in die Sommerpause weichen, will die Uefa bis zum Jahresende die Qualifikationsphase für die Euro 2016 beendet wissen.

Feriengefühle vertreiben

Für den Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic war es eine grosse Herausforderung, seine heterogene Truppe trotz Feriengelüsten und etwaiger Fussballmüdigkeit bei Laune zu halten. Noch ein letztes Mal vor dem definitiven Saisonende galt und gilt es, Anspannung zu halten und Spannung aufzubauen. Dies, während viele Teamkameraden der Schweizer Internationalen längst in den Ferien weilen oder die Super-League-Clubs schon in wenigen Tagen die Vorbereitung für die kommende Saison in Angriff nehmen.

Ausserdem musste der Nationaltrainer den Umstand auffangen, dass die nationalen Meisterschaften seiner Spieler unterschiedlich zu Ende gingen und teilweise bereits längere Sommerpausen hinter ihnen liegen würden. Dass vom 23 Spieler umfassenden Kader, das die Saison verlängert hat, fast die Hälfte in den sauren Apfel beissen muss und in Litauen nicht zum Einsatz kommt, macht die Chose nicht einfacher. Also doch lieber jetzt schon in die Ferien verreisen?

Hinzu kommt die nicht alltägliche Begleiterscheinung, dass der morgige Gegner seine Heimspiele auf Kunstrasen austrägt. Petkovic sagt: «Die Vorbereitung auf das Spiel in Litauen war in der Tat speziell.» Der 51-Jährige reagierte auf all die Begebenheiten professionell und berief in Thun/Spiez zwei dreitägige Trainingslager auf Kunstrasen für die zur Verfügung stehenden Spieler ein. «Meine Disposition mit einem Mix aus Erholung und gezielter Arbeit bewährte sich. Wir nutzten die Möglichkeiten optimal, physisch und mental. Wer Erfolge hatte in der Saison, konnte von der Euphorie ein wenig herunterkommen. Wer nicht Erfolg hatte, konnte zu anderen Gedanken finden, zu positiven Gedanken.»

Keine Probleme mit Kunstrasen

Petkovic sieht denn auch im Kunstrasen-Belag des LFF-Stadions keine Nachteile, weil er weiss, wie technisch versiert seine Mannschaft ist und der Plastik-Untergrund solche Mannschaften im Prinzip bevorteilt. Xherdan Shaqiri, die zentrale Figur im Schweizer Spiel, erkennt im Belag nur Vorteile: «Der Kunstrasen passt mir als Unterlage sehr gut, weil er den Fähigkeiten und Qualitäten des Teams entgegenkommt.»

Kein Spieler musste oder wollte Petkovic so nahe dem Saisonende absagen, sogar der zuletzt bei Hamburg lange als verletzt geltende Valon Behrami trainierte dosiert im Trainingscamp mit. «Mit dem Resultat, dass er für den Sonntag voll einsatzfähig ist. Obwohl das Arbeiten auf Kunstrasen spezielle Belastungen mit sich bringt.» Kunstrasen hin, schwüle Temperaturen, die in Vilnius erwartet werden, her. Petkovics Zielsetzung bleibt die selbe wie damals vor dem 4:0 zu Hause im vergangen Herbst in St. Gallen: «Wir können, wollen und werden in Litauen drei Punkte holen und einen Schritt Richtung Frankreich machen.»

Ein weiterer Vorteil wird sein, dass einige Spieler die Zeit nutzten, ihren vertraglichen Angelegenheiten einen Schub zu verpassen. Admir Mehmedi, der jüngst seinen Wechsel zu Leverkusen offizialisierte, gehört zu diesen Spielern. Er sagt: «Allzu viele Gedanken mache ich mir aber nicht. Jetzt ist die Nationalmannschaft dran und nicht etwas anderes.» Auch Stephan Lichtsteiner, vor sieben Tagen für Juventus und vier Tage später gegen Liechtenstein im Einsatz, sagt: «Ich bin frisch. Logisch, wenn die Ferien so nahe vor der Türe sind, ist eine gewisse Vorfreude da. Aber an sie denken werde ich erst nach dem Spiel.»

Fokussiert und angespannt

Der Fokus ist also bei allen da, Spannung und Anspannung auch. Bleibt abzuwarten, was der Gegner dazu zu sagen hat.