Ein Leben fernab des Thurgaus

Vier Thurgauerinnen hat das Fernweh gepackt: In Spanien, England und auf den Philippinen unterrichten sie, besuchen eine Sprachschule oder lernen tauchen. Heimweh haben sie nicht, nur ihre Liebsten und das gewohnte Essen vermissen sie.

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Ramona Stelzner (Bilder: pd)

Ramona Stelzner (Bilder: pd)

Nach ihrem Abschluss an der Kantonsschule wollte Ramona Stelzner aus Lippoldswilen vor allem eines: weg von zu Hause und selbständig werden. Also entschied sich die 18-Jährige, eine Ausbildung zur Tauchlehrerin zu absolvieren. Aus diesem Grund reiste sie auf die Philippinen, genauer gesagt auf die Insel Mindoro in den Ort Sabang. Ramona plante ihre Reise selbst und verzichtete auf die Hilfe einer Organisation.

Rund vier Monate dauert ihre Ausbildung zur Tauchlehrerin. «Mir gefällt es unheimlich gut hier», sagt Ramona, die ihre Entscheidung nicht bereut. «Mir wurde gesagt, dass man hier schnell in einen Freundes- beziehungsweise Familienkreis aufgenommen wird. Es wurde mir viel einfacher gemacht, mich zu Hause zu fühlen als erwartet», freut sich Ramona. Ausserdem sei sie auch überrascht gewesen, in welch ärmlichen Verhältnissen die Menschen zum Teil leben und was sie aus dem Wenigen machen, das sie besitzen. Zudem werde alles miteinander geteilt. «Die Menschen auf den Philippinen haben einen viel stärkeren Zusammenhalt als die Menschen in der Schweiz», stellt Ramona fest.

Abgesehen vom Flug und der Unterkunft hat Ramona nichts im voraus geplant, sondern liess alles auf sich zukommen. Dies rät sie auch allen, die selbst ins Ausland möchten. «Klar hat man eine gewisse Vorstellung vom Zielort, doch die Einwohner machen die Reise erst spannend», findet Ramona.

Englisch perfektionieren

«Es gefällt mir sehr hier in London, die Familie ist grossartig und die Schule toll», sagt die 19jährige Isabelle Mayer. Die Weinfelderin lebt für einen Monat bei einer britischen Gastfamilie und besucht die Sprachschule «Shane Global School», um ihr Englisch zu perfektionieren, zumal sie an der Universität in Zürich Englisch studiert. In der Schule hatte sie beim Einstufungstest so gut abgeschnitten, dass sie Privatstunden statt Klassenunterricht erhält.

Heimweh habe sie nicht, aber sie vermisse ihre Familie, ihre Freunde und ihren Hund. «Das Wichtigste, das ich während meines Aufenthalts gelernt habe, ist, dass nichts und niemand die eigene Familie ersetzen kann», sagt die Studentin.

Isabelle erzählt, dass die Briten wirklich grossartige, freundliche Menschen seien und darüber hinaus noch überraschend hilfsbereit. So ein Aufenthalt sei eine grossartige Möglichkeit, junge Menschen aus der ganzen Welt kennenzulernen und internationale Freundschaften zu schliessen. «Jeder ist in der gleichen Situation und möchte auch Freunde

finden», erklärt Isabelle: «Man muss also keine Angst haben, allein zu sein.»

Eine Stadt für Junge

Während sechs Monaten nennt Deborah Soccal aus Mauren das britische Bristol ihr Zuhause. Dort besucht sie die EF Sprachschule. Am Ende ihres Aufenthalts möchte sie die Proficiency-Prüfung meistern.

Die 19-Jährige lebt bei einem Ehepaar mit zwei erwachsenen Töchtern. «Die Familie ist wahnsinnig nett», sagt Deborah. Und auch die Stadt sei spannend: «Von den circa 430 000 Einwohnern sind gut 30 000 Studenten. Somit sind auch die Angebote und das Leben in der Stadt auf Junge ausgerichtet», erklärt Deborah. Heimweh habe sie nicht, denn es sei immer etwas los. Entweder gehe sie mit Freunden in den Ausgang, erkunde die Stadt oder gehe einfach mit jemandem einen Kaffee trinken. Diverse Wochenendausflüge standen auch auf ihrem Programm: Cardiff, Bath, London. In Grossbritannien und dessen Vielseitigkeit hat sie sich verliebt. «Das einzige, das ich vermisse, ist das gute und gesunde Essen», sagt sie.

«Ins Ausland zu gehen und da für eine gewisse Zeit zu bleiben ist immer etwas, das einem persönlich viel nützt», findet Deborah. Man lerne, selbständig zu sein und ganz von vorne anzufangen. «Wenn man gewillt ist, sich anzupassen, entstehen schnell Kontakte – und auch Freundschaften.» Sobald man offen auf andere zugehe, seien diese kontaktfreudig und nett. Aber man müsse bereit sein, sich auf etwas Neues einzulassen. Man könne nicht erwarten, dass es überall wie zu Hause ist. Dank dieser Einstellung habe sie gelernt, dass man sich überall auf der Welt zu Hause fühlen kann.

Einen Wunsch erfüllt

Als Lehrerin im Ausland zu arbeiten, davon träumte Nadia Brülisauer seit langem. Nun hat sich die 23-Jährige aus Berg diesen Wunsch erfüllt. Nadia ist Lehrerin an der Schweizerschule in Madrid. «Ich wollte schon immer für eine gewisse Zeit an einer Schule im Ausland unterrichten», sagt sie. Nadia spricht fliessend Spanisch, da sie auch schon für längere Zeit in Chile gelebt hat. «Ich bin glücklich, dass ich meine Leidenschaft, das Spanisch, zum Beruf machen konnte», erklärt sie.

Nadia hat ein Pensum an der Sekundarschule und gibt einige Lektionen am Gymnasium. Vorerst bleibt sie für ein Jahr dort. Zahlen muss sie dafür nichts. «Mir wurde sogar eine Umzugspauschale bezahlt», erklärt Nadia. Voraussetzungen für diese Stelle seien das Lehrerdiplom, eine gewisse Portion Flexibilität und gute Spanischkenntnisse.

«Madrid gefällt mir sehr. Ich habe hier eine Traumstelle», sagt sie. Dennoch vermisse sie ab und zu die Schweiz und vor allem ihren Freund. «Mir fehlt das vertraute Umfeld, meine Familie, meine Freunde, das Wetter und vor allem der Schnee», sagt Nadia. Und ausserdem vermisse sie es, beim Einkaufen die Produkte zu kennen. Salome Merz

Deborah Soccal

Deborah Soccal

Nadia Brülisauer

Nadia Brülisauer

Isabelle Mayer

Isabelle Mayer

welt - weltkarte - globus - bild: fotolia

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