«Ein Kranz ist nahezu unmöglich»

Holt Schwingerkönig Arnold Forrer morgen am Bergfest auf der Schwägalp den 136. Kranz seiner Karriere, egalisiert er den Rekord des Freiburgers Hans-Peter Pellet. Den 36jährigen Toggenburger plagt jedoch eine Adduktorenzerrung.

Christof Krapf
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Keiner hat auf der Schwägalp mehr Festsiege und Kränze gesammelt als Schwingerkönig Arnold Forrer (oben). (Bild: ky/Peter Klaunzer)

Keiner hat auf der Schwägalp mehr Festsiege und Kränze gesammelt als Schwingerkönig Arnold Forrer (oben). (Bild: ky/Peter Klaunzer)

SCHWINGEN. Auf der Schwägalp kann Arnold Forrer nur eine Verletzung stoppen. Immer wenn er das Bergkranzfest in den vergangenen 15 Jahren beendet hat, ging er mit einem Kranz nach Hause. Neunmal war dies der Fall – kein anderer hat auf dem Pass zwischen dem Appenzellerland und dem Toggenburg mehr Auszeichnungen gewonnen als Forrer. Am diesjährigen Schwägalp-Schwinget kann der 36-Jährige die nächste Bestmarke knacken: Holt er sein 136. Eichenlaub, egalisiert er den Rekord des Freiburgers Hans-Peter Pellet.

Doch ausgerechnet vor dem für den Nordostschweizer Verband (NOSV) wichtigsten Fest des Jahres, schlägt sich Forrer aber mit einer Verletzung herum. Im Anschwingen des Schaffhauser Kantonalen vor einer Woche zwickte es ihn in den Adduktoren. Trotzdem beendete er das Fest und holte einen Kranz. «Ich habe gedacht, dass ich auf der Schwägalp sowieso nicht antreten kann. Deshalb habe ich weitergemacht, um wenigstens am Schaffhauser den Kranz zu holen», sagt Forrer.

Der Schwingerkönig hatte die Rechnung allerdings ohne Josef Savary gemacht. Dreimal besuchte Forrer den mittlerweile 95jährigen Arzt aus Montlingen, der ihn schon am Eidgenössischen 2001 in Nyon behandelt hatte, als der Toggenburger König wurde. Dessen Neuraltherapie zeigte Wirkung: «Ich bin so gut wie schmerzfrei. Ich war bereits wieder mit dem Mountainbike unterwegs», so Forrer.

«Der Druck ist weg»

Trotz Behandlung durch den «Wunderdoktor» wird Forrers Adduktorenzerrung nicht vollständig heilen. Der vierfache Schwägalp-Sieger – auch das ist Rekord – wird morgen ab 8.30 Uhr nicht im Vollbesitz seiner Kräfte ins Sägemehl steigen. «Ich werde sicher antreten und schauen, wie es geht.» Pellets Rekord, der ihm «sehr viel bedeuten würde», ist nicht mehr Forrers oberstes Ziel. Er sagt: «Der Druck ist weg. Eigentlich ist es mit einer solchen Verletzung nahezu unmöglich, einen Kranz zu gewinnen.» Forrer wäre allerdings nicht Forrer, wenn er nicht trotzdem an seine Chance glauben würde. «Komme ich gut ins Fest hinein, ist vieles möglich.»

«Rekord ist eine Frage der Zeit»

Forrers Hauptziel ist es, den Schwägalp-Sieg in den Reihen der Nordostschweizer zu halten. Dazu will er sich in den Dienst des Teams stellen: Unspunnensieger Daniel Bösch oder das Thurgauer Talent Samuel Giger gehören morgen zu den Mitfavoriten. Welche Rolle Rekordsieger Forrer auf der Schwägalp spielen kann, hängt von seiner Verletzung ab. «Ich werde frisch von der Leber weg schwingen.» Er wird es mit der Gewissheit tun, dass es «nur eine Frage der Zeit ist», bis er Pellets Rekord knacken wird. Und dass die Statistik auf der Schwägalp für ihn spricht – wenn er das Fest denn beendet.