Es läuft wie am Schnürchen – wie die Volleyballer des STV St.Gallen den neuen Anforderungen in der NLB gerecht werden

Innerhalb von nur zwei Jahren haben sich die Anforderungen grundlegend geändert – sowohl für die Spieler als auch für den Verein. Nun führt der STV St.Gallen auch in der NLB die Tabelle an.

Patricia Loher
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Spielertrainer Adrian Schläpfer (Mitte) hat das Team um Christoph Renn (links) in die NLB geführt. Bild: Urs Bucher

Spielertrainer Adrian Schläpfer (Mitte) hat das Team um Christoph Renn (links) in die NLB geführt. Bild: Urs Bucher

Urs Bucher

Es war ein Kunststück: Unter dem neuen Spielertrainer Adrian Schläpfer marschierten die Volleyballer des STV St.Gallen von der 2. Liga in die NLB durch. Und selbst in der zweithöchsten Liga läuft es den Ostschweizern wie am Schnürchen. Nach zehn Spielen führen sie die Tabelle mit 27 Punkten an. Am Samstag trifft das Team zu Hause auf das drittklassierte Züri Unterland.

Innerhalb von nur zwei Jahren haben sich die Anforderungen grundlegend geändert – sowohl für die Spieler als auch für den Verein. Zwischen der 2. Liga und der NLB liegen Welten. Nicht nur sportlich. Es ist für einen Club wie den STV St.Gallen ein Kraftakt, all den Regularien des Volleyballverbandes ­gerecht zu werden. Schläpfer sagt:

«Natürlich haben wir uns überlegt, ob wir den Aufstieg überhaupt annehmen sollen.»

Präsident Claudio Rageth gesteht, sich lange den Kopf zerbrochen zu haben, als sich abzeichnete, dass der Mannschaft gleich auch noch der Sprung in die zweithöchste Liga gelingen würde. «Es war mir wichtig, dass der Entscheid, in die Nationalliga B aufzusteigen, vom ganzen Verein getragen wird. Wir wollen nachhaltig arbeiten.»

Die Zugreise nach Genf finanzierten die Spieler

Schläpfer war lange Teamstütze des Serienmeisters Amriswil und Schweizer Nationalspieler. Der Thurgauer Club ist dank seiner Nachwuchsarbeit und den professionellen Strukturen ein Aushängeschild des Schweizer Volleyballs.

Beim STV St.Gallen ist alles mindestens zwei Nummern kleiner. Doch der Verein und auch Schläpfer, der erstmals als Spielertrainer fungiert, haben sich entschieden, das Wagnis NLB einzugehen. Im Bewusstsein, dass es einen Spagat zu verkraften gilt. Die Anforderungen an die Infrastrukturen sind höher, aber Geld ist wenig vorhanden. Die Spieler bezahlen Mitgliederbeiträge, Lizenzen und die Reisen an Auswärtspartien selber. Vor wenigen Tagen fuhr das Team mit dem Zug ans Cupspiel nach Genf, was jeden Akteur 50 Franken gekostet hat.

Die E-Scorerin (rechts) ist für die Liveberichterstattung im Internet zuständig. Links eine Schiedsrichterin.

Die E-Scorerin (rechts) ist für die Liveberichterstattung im Internet zuständig. Links eine Schiedsrichterin.

Urs Bucher

Zudem müssen Team und andere Vereinsmitglieder Freizeit in den Club investieren. Nach dem Aufstieg in die NLB übernahm jeder Akteur ein zusätzliches Ämtli in der Mannschaft. «Wir haben nun sogar einen Verantwortlichen für das Sponsoring im Team», sagt Schläpfer. Einen grossen Teil der Neuorganisation hat der 32-jährige Ausserrhoder, der zu 100 Prozent als Maschinenbauingenieur arbeitet, aufgegleist. Die Clubverantwortlichen sind froh, auf einen erfahrenen Mann wie Schläpfer zählen zu können. Der Präsident sagt:

«Ohne Adrian Schläpfer wäre es schwierig geworden.»

«Aber wir sind auch beeindruckt, wie sehr sich das Team und viele andere aus unserem Verein im Spielbetrieb engagieren», so der 63-jährige Rageth. Schläpfer rekrutierte aus dem Verein vier E-Scorer, Frauen und Männer, die während des Spiels für das Livescoring und den Matchreport zuständig sind. Auch das ist eine Anforderung des Verbandes an ein Team aus der NLB. Zudem müssen neu die Spiele aufgezeichnet und innerhalb von 36 Stunden im Internet aufgeschaltet werden, damit die Gegner die Auftritte studieren können. Für diese Videos sind die Spieler verantwortlich.

Eine Busse würde der Verein kaum verkraften

Falls die Frist verpasst wird, sind die Konsequenten drastisch: Es drohen Bussen von bis zu 2000 Franken. Eine solche Strafe würde der St.Galler Verein kaum verkraften. Nicht ganz verstehen kann Schläpfer, weshalb ein Club wie der STV St.Gallen in der Alten Kreuzbleichehalle, wo er seine Heimspiele austrägt, Ballmädchen und Ballbuben stellen muss. «Das ist in dieser kleinen Halle einfach nur übertrieben.» Auch die Mädchen und Buben hat die Mannschaft selbst aus dem eigenen Nachwuchs rekrutiert.

Der STV zählt rund 200 Mitglieder und stellt 16 Teams, dar­unter auch eine erfolgreiche Frauenequipe in der 1. Liga. Man sei noch immer dabei, Aufgaben zu lösen, sagt der Präsident, der sein Amt nach fünf Jahren an der nächsten Hauptversammlung abgeben wird. So wurden die Verantwortlichen zuletzt von den vielen Anfragen von Juniorinnen und Junioren überrascht. «Unsere Möglichkeiten bezüglich der Hallen sind begrenzt», so Rageth. «Wir mussten einige Mädchen und Knaben im Moment vertrösten.»