Ein kleiner Club zieht die Reissleine

Die Verantwortlichen des FC Gossau verzichten nach ihrer Lageanalyse darauf, für die Saison 2010/2011 eine Lizenz für die Challenge League zu beantragen. Damit steigt der Verein Ende Saison freiwillig in die 1. Liga ab. Zudem ist Trainer Alex Kern per sofort zurückgetreten.

Markus Scherrer
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Fussball. Der FC Gossau sieht in der Challenge League keine Zukunft mehr – aus sportlichen, wirtschaftlichen, sportpolitischen und infrastrukturellen Gründen. Und deshalb haben sich die Verantwortlichen nach einer detaillierten Analyse entschieden, für die kommende Saison bei der Swiss Football League keine Lizenz mehr zu beantragen. Das heisst: Die Fürstenländer steigen im Sommer freiwillig in die 1. Liga ab. Damit kommen die Gossauer dem sportlichen Verdikt zuvor.

Denn nach 20 Runden belegen sie in der zweithöchsten Liga mit lediglich 10 Punkten den letzten Tabellenplatz.

Wenn Roland Gnägi, der Präsident des FC Gossau, den Entscheid, aus freien Stücken in die oberste Amateurklasse abzusteigen, begründet, fällt dies kurz und prägnant aus. «Das Sportliche stimmt nicht, das Wirtschaftliche stimmt nicht, aus sportpolitischer Sicht hat Gossau in einer dereinst reduzierten Challenge League nichts mehr zu suchen, und bezüglich Infrastruktur waren wir stets auf Ausnahmebewilligungen angewiesen.»

Finanzielle Probleme

Gnägi spricht von «sportlich völlig unbefriedigenden Resultaten». Im Jahr 2009 habe der FC Gossau, der in den Wettskandal verwickelt ist, in 30 Challenge-League-Spielen nur 15 Punkte geholt. Und wenn sich die Bilanz nur auf diese Saison beschränkt, liest sie sich so: zwei Siege, vier Unentschieden und vierzehn Niederlagen. Ausserdem habe man den Ligaerhalt im vergangenen Sommer lediglich am grünen Tisch geschafft.

Schon damals machte sich Gnägi ernsthafte Gedanken über die Zukunft des Vereins, bei dem sich zuletzt auch noch finanzielle Probleme einstellten. Die Liquidität sei angespannt, der halbprofessionelle Betrieb decke sich nicht mehr mit den finanziellen Möglichkeiten, sagt der Präsident. Diese Gründe und die Tatsache, dass sich bei der Swiss Football League inzwischen eine Arbeitsgruppe mit einer Reduktion der Challenge League beschäftigt, haben die Gossauer Verantwortlichen

dazu bewogen, den Verein wieder in der höchsten Amateurklasse zu positionieren, wo er ihrer Meinung nach auch hingehört.

«Es wäre fahrlässig gewesen, die grossen und erfolgreichen Abteilungen im Nachwuchs und Breitensport zu gefährden», sagt Gnägi und fügt an: «Die Förderung der eigenen Junioren soll nach wie vor ein Hauptaugenmerk sein.»

Assistent wird Interimscoach

Noch bleiben den Gossauern zehn Spiele, um sich ehrenvoll aus der Challenge League zu verabschieden. Auf dieser Abschiedstournée werden sie nicht mehr vom bisherigen Trainer Alex Kern betreut. Er ist von seinem Amt zurückgetreten. Oder wie Gnägi sagt: «Aufgrund der sportlich unbefriedigenden Situation hat Kern seinen Rücktritt angeboten. Wir haben ihn akzeptiert und den Vertrag im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst.

» Für Kern, der Mitte Mai 2009 überraschend Gossau-Trainer wurde, geht eine turbulente Zeit zu Ende. Er spricht von einer «wahnsinnigen Transferzeit» im Sommer, von insgesamt 24 neuen Spielern, welche der Club verpflichtet habe, wovon zehn bereits wieder gegangen seien. Er erwähnt den Wettskandal und findet dafür nur die Bezeichnung «Cabaret». Aber er sagt auch, dass er «mit einem grossen Erfahrungsschatz» gehe. «Ich habe viel gelernt.

» Deshalb will er die Zeit in Gossau nicht missen. Er habe sich stets sehr wohl gefühlt, sagt Kern, dessen Vertrag auch in der 1. Liga gültig gewesen wäre. Bis Ende Saison wird die Mannschaft nun vom bisherigen Assistenten Neno Kuruzovic geführt. Danach wird ein neuer Cheftrainer kommen.

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