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Ein Helfer in der Chefrolle

Geraint Thomas müsste eigentlich seinem Teamkollegen Chris Froome zudienen. Doch Thomas führt das Gesamtklassement der Tour de France an und scheint plötzlich eigene Ambitionen zu haben.
Tom Mustroph
Geraint Thomas (in Gelb) vor Chris Froome (ganz rechts): Gibt es einen Chef-Wechsel?Bild: Christophe Ena/Keystone (Valence, 20. Juli 2018)

Geraint Thomas (in Gelb) vor Chris Froome (ganz rechts): Gibt es einen Chef-Wechsel?Bild: Christophe Ena/Keystone (Valence, 20. Juli 2018)

Die Tour de France bietet ausgangs der Alpen und vor den Pyrenäen eine interessante Konstellation. An der Klassement-Spitze steht mit Geraint Thomas ein etatmässiger Helfer. Ihm am nächsten auf den Fersen sind zwei Männer, die bereits den Giro d’Italia in den Beinen haben: Chris Froome und Tom Dumoulin. Die Erfahrung spricht für diese beiden. Denn Froome wie Dumoulin wissen, wie man Grand Tours gewinnt.

Thomas muss erst lernen, wie man bei grossen Rundfahrten siegen kann. Er muss auch lernen, dem Druck standzuhalten, den ein Maillot jaune so produziert: Siegerehrung, Pressekonferenzen, Dopingkontrollen. Hinzu kommt die Herausforderung: Ist er nun ein Helfer, hält den Platz gewissermassen frei für Froome? Oder will er jetzt, im Alter von auch schon 32 Jahren, die grosse Gelegenheit zur Krönung der Karriere ergreifen?

Michael Schär wird nicht belohnt

Weltmeister Peter Sagan hat die 13. Etappe im Sprint für sich entschieden und damit seinen dritten Tagessieg im Rahmen der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt gefeiert. Sagan setzte sich nach 169 Kilometern von Bourg d’Oisans nach Valence um wenige Zentimeter vor dem Norweger Alexander Kristoff und dem Franzosen Arnaud Démare durch. Zusammen mit dem Neuseeländer Thomas Scully sowie den beiden Belgiern Dimitri Claeys und Thomas de Gendt bildete der Luzerner Michael Schär die vierköpfige Fluchtgruppe des Tages. Das Feld liess das Quartett aber nur bedingt gewähren, der Vorsprung der Flüchtlinge betrug nie wirklich mehr als zwei Minuten. Als das Unterfangen aussichtslos wurde, setzte Schär 24 Kilometer vor dem Ziel noch zu einem Angriff an. Als letzter der vier Angreifer wurde der 31-Jährige knapp sechs Kilometer vor dem Ziel vom heranbrausenden Feld gestellt. Für seinen Effort wurde Schär als kämpferischster Fahrer des Tages ausgezeichnet. (sda)

Ressourcen für Froome einsetzen

Dies sorgt bei Team Sky für eine Stimmung, die an 2012 erinnert. Damals war Froome von Platz 1 fast so weit entfernt wie jetzt. Sein damaliger Captain Bradley Wiggins hatte nach den Alpen 2:05 Minuten Vorsprung. Wiggins war seinerzeit als Chef gesetzt. Leutnant Froome allerdings hatte den Chef auch attackiert und war mühsam nur von der Teamleitung zurückgeholt worden. Jetzt liegt er bei 1:39 Minuten hinter Thomas. Wechselt deshalb die Chefrolle? «Es ist interessant, dass Thomas zwei Mal Zeit auf Froome herausgefahren hat, eine bemerkenswerte Taktik», meinte Iwan Spekenbrink. Der Chef des Dumoulin-Rennstalls Sunweb glaubt aber nicht, dass Sky die Rollen neu verteilt. «Sie sind Profis. Sie kennen ihre Prioritäten. Und die erste ist, dass sie als Team die Tour gewinnen», meint der Niederländer.

Auch Sky betont, dass die alte Rollenverteilung noch gelte. «Wir haben abgesprochen, dass wir unsere Ressourcen Froome zur Verfügung stellen», sagte Nicolas Portal, sportlicher Leiter von Sky. Der brave Thomas demonstrierte schliesslich auf den Kehren von l’Alpe-d’Huez seine Helferrolle. Im Gelben Trikot spannte er sich vor Froome, um das Tempo hochzuhalten und die Attacke des Chefs zu ermöglichen.

Egan Bernal, der dritte starke Sky-Mann auf der Alpe, sprach allerdings von «zwei Captains», die er unterstütze. Gibt es doch einen Chef-Wechsel bei Sky? «Falls es tatsächlich zu Rivalitäten kommt, dann wird es für uns Konkurrenten nicht unbedingt einfacher, denn es sind ja weiter zwei sehr starke Fahrer. Aber es wird weniger optimal für Sky», prognostiziert Spekenbrink.

Dumoulin will das Sky-Duo fordern

Der Schützling von Spekenbrink, Tom Dumoulin, ist derzeit auf Position 3 platziert. Er setzte Sky bisher am meisten zu. Und will dies auch weiter tun, auch in den Pyrenäen. Das ist so ehrenwert wie auch verblüffend. Denn Dumoulin hat ja den Giro in den Beinen. Er wurde dort Zweiter hinter Froome. Mit Kampfansagen ist Rennstallchef Spekenbrink dann auch vorsichtig. «Es ist ein kleines Experiment, das wir hier angehen. Wir wollen einerseits absolute Top-Leistungen liefern. Aber wir wollen auch für die Zukunft lernen», erzählt er. Erst in der Zukunft will er mit Dumoulin, der jetzt überhaupt das erste Mal die Tour als echter Klassementfahrer angeht, zum Sturm auf das Podest in Paris blasen. «Wir wissen selbst nicht, wie stark er in der dritten Woche sein wird», meint er.

Weil hinter Dumoulin ein Fragezeichen bleibt, Ex-Tour-Sieger Vincenzo Nibali nach Sturzverletzung abgereist ist und vom mit viel Vorschusslorbeeren bedachten Movistar-Trio nur Mikel Landa überzeugte, liegt die Aufgabe, das Rennen zu beleben, vor allem beim Franzosen Romain Bardet und dem überraschend starken Duo von LottoNL Jumbo, dem Gesamt-Vierten Primoz Roglic und dem Siebenten Steven Kruijswijk.

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