Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Dominique Aegerter: Ein gutgläubiger Töff-Rock-’n’-Roller in der Eitelkeitsfalle

Profi-Motorradfahrer Dominique Aegerter ist halt nicht DJ Bobo. Er fährt in der Moto2 hinterher und muss wieder einmal um die Fortsetzung seiner Karriere bangen.
Klaus Zaugg/watson.ch
Der Schweizer GP2 Motorradrennfahrer Dominique Aegerter vom MV Agusta Forward Racing Team. Marcel Bieri/Keys (Jerez, 22. Februar 2019)

Der Schweizer GP2 Motorradrennfahrer Dominique Aegerter vom MV Agusta Forward Racing Team. Marcel Bieri/Keys (Jerez, 22. Februar 2019)

Rumpelstilzchen. Ja, er mahnt ein wenig an Rumpelstilzchen. Dominique Aegerter (28) wird gefragt, ob er sich vorstellen könne, seine Karriere notfalls bei den Superbikes fortzusetzen. Er sagt trotzig: «Nein, nein, sicher nicht. Ich will im GP-Fahrerlager bleiben.» Zur Erklärung: ins GP-Fahrerlager wollen sie alle. Der GP-Zirkus ist die grosse Bühne. Erst recht für Schweizer. Unser staatstragendes Fernsehen überträgt alle Rennen in Echtzeit.

Also gilt: «Ich bin im GP-Fahrerlager, also bin ich.» Dominique Aegerter fährt diese Saison in der Moto2-Klasse zwar hinterher. Erst eine Rangierung in den Top 10 und bloss WM-19. Aber er hat im Quadrat mehr Medienpräsenz als Randy Krummenacher. Der Zürcher hat seinen Platz im GP-Zirkus im Herbst 2015 verloren. Seither fährt er in der Super­bike-Szene, hat dort Starstatus und kann Super-Sport-Weltmeister werden. Er verdient gut (die Töff-Industrie mag diese Klasse). Aber praktisch unter Ausschluss der Sportöffentlichkeit. Verständlich, dass Dominique Aegerter im GP-Fahrerlager bleiben will. Und dort inzwischen bezahlt, damit er einen Platz in einem Team (MV Agusta) hat. Der freundliche Rock’n’Roller ist in die TV-Eitelkeitsfalle geraten. Lieber hinterherfahren und im Fernsehen kommen als siegen und keiner merkt’s.

Aegerters Manager Oliver Imfeld hat keinen Plan B

So kommt es, dass sich vor ersten Moto2-Rennen nach der Sommerpause in Brünn (Sonntag, 12.30 Uhr, live SRF2) die zwei Schweizer auf verschiedenen Zeitebenen bewegen. Tom Lüthis Ziel ist der WM-Titel. Er lebt vollständig in der Gegenwart. Beschäftigt sich mit Fahrwerks- und sonstigen Einstellungen, um mit einer optimal präparierten Höllenmaschine um den Sieg zu fahren. Die nächste Saison kümmert ihn nicht. Er hat ja in seinem Team bereits einen Vertrag für das Jahr 2020.

Dominique Aegerter hingegen lebt nicht nur in der Gegenwart. Seine Gedanken kreisen auch um die Zukunft. Hat er 2020 noch einen Platz im grossen Töff-Zirkus? Er ist optimistisch. «Mein Manager schaut für mich und macht seine Sache gut.» Der Manager heisst seit diesem Jahr Oliver Imfeld. Wäre doch gelacht, wenn einer, der eine Weltkarriere im Musikgeschäft (DJ Bobo) gemanagt hat, nicht auch einem Töff-Hinterbänkler weiterhelfen könnte. Der Luzerner sagt: «Ich bin zuversichtlich. Wenn erst einmal klar ist, ob MV Agusta die beiden Plätze auch für nächste Saison hat, können wir konkret verhandeln. Wir haben eine Verlängerungsoption in unserem Vertrag und stehen im ständigen Kontakt. Es ist möglich, dass wir eine zweite Saison bei MV Agusta fahren können.» Einen Plan B habe er nicht. Die Superbikes seien kein Thema.

Weiterbeschäftigung liegt bei «eher nein als ja»

Was der rührige, im Musikgeschäft so erfolgreiche Macher nicht weiss: längst ist entschieden, dass MV Agusta auch nächste Saison dabei sein wird. Aber Carlo Pernat, der legendäre Töff-Machiavelli, der alles hört und weiss, sagt auf die Frage, ob Dominique Aegerter auch nächste Saison die Farben von MV Agusta tragen wird, sibyllinisch: «Eher nein als ja...»

So steht Dominique Aegerter vor seinem dritten sorgenvollen Herbst. Bereits 2017 und 2018 bangte er bis weit in den Winter hinein um die Fortsetzung seiner GP-Karriere. Die Chancen, das Oliver Imfeld auf der Liste der SVP im Herbst vom Luzerner Stimmvolk in den Nationalrat entsandt wird, sind inzwischen grösser als die Chancen seines Klienten, auch 2020 in der Moto2-WM zu fahren.

GP von Tschechien

Brünn (CZE). Erster Trainingstag (kombinierte Zeiten). MotoGP: Quartararo (FRA), Yamaha, 1:55,802 (167,9 km/h). 2. Marc Marquez (ESP), Honda, 0,023 Sekunden zurück. 3. Miller (AUS), Ducati, 0,269. 4. Dovizioso (ITA), Ducati, 0,269. Ferner: 9. Rossi (ITA), 0,725. – 23 Fahrer im Training.

Moto2: 1. Di Giannantonio (ITA), Speed Up, 2:01,695 (159,8 km/h). 2. Bulega (ITA), Kalex, 0,035. 3. Nagashima (JPN), Kalex, 0,063. – Ferner: 6. Tom Lüthi (SUI), Kalex, 0,207. 7. Alex Marquez (ESP), Kalex, 0,268. 23. Dominique Aegerter (SUI), MV Agusta, 1,154. – 32 Fahrer im Training.

Moto3: 1. Rodrigo (ARG), Honda, 2:08,125 (151,8 km). 2. Arbolino (ITA), Honda, 0,200. 3. Suzuki (JPN), Honda, 0,308. – 31 Fahrer im Training.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.