Ein grosser Tag für Lara Gut

Die Tessinerin Lara Gut gewinnt am Weltcupfinal in Lenzerheide nach der Abfahrt auch den Super-G. Als erste Schweizerin seit Sonja Nef sichert sich Gut damit eine kleine Kristallkugel. Anna Fenninger ist Gesamtweltcupsiegerin.

Jürg Sigel/Lenzerheide
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SKI ALPIN. Minuten nach ihrer Zielankunft wurde zu Ehren von Lara Gut die Schweizer Nationalhymne gespielt – zum siebten Mal in dieser Weltcup-Saison. In beeindruckender Art hatte Gut in Lenzerheide den Super-G gewonnen und damit die Disziplinenwertung für sich entschieden. Die letzte Schweizerin, die eine kleine Kristallkugel gewann, war im Jahr 2002 im Riesenslalom Sonja Nef.

Es war gestern ein grosser Tag für jene Gut, deren Einstieg in den Weltcup verrückter kaum hätte sein können. In ihrem fünften Rennen flog sie am 2. Februar 2008 förmlich in die Herzen der Schweizer Anhänger. In der Abfahrt in St. Moritz stürzte sie im Zielhang, doch sie war so schnell unterwegs gewesen, dass trotz dieses Malheurs der dritte Platz resultierte. Noch im selben Jahr, am 20. Dezember, gewann Gut ihr erstes Weltcuprennen – in St. Moritz. Damals war sie gerade einmal 17 Jahre und acht Monate jung. Doch dann wurde Gut auf dem Weg nach oben vorerst gebremst.

Die schwierigeren Jahre

Es folgten, unter anderem verletzungsbedingt, schwierigere Jahre mit dem Totalausfall 2009/10 sowie der harzigen Saison 2010/11. Danach stellten sich wieder positivere Resultate ein, und in der laufenden Saison trumpfte Gut ganz gross auf. In Lenzerheide liess sie dem Abfahrtssieg vom Mittwoch gestern die nächste Triumphfahrt folgen. «Den letzten Super-G und die kleine Kugel in der Schweiz zu gewinnen ist natürlich schön», sagte Gut.

Gut gewann bisher drei WM-Silbermedaillen und im russischen Sotschi in der Abfahrt Olympiabronze. Nun sicherte sich die Tessinerin «nach einer konstanten Saison» erstmals im Weltcup eine der begehrten Kugeln. Noch ist es «nur» eine kleine. Die grosse Kristallkugel soll folgen. «Das ist logisch. Es könnte bereits in diesem Winter ohne die fünf Ausfälle alles anders aussehen.»

Ein lockerer Saisonschluss

Gut will jene grosse Kugel, die sich gestern Anna Fenninger sicherte. Die am 18. Juni 1989 geborene Österreicherin führte als Super-G-Zweite die Entscheidung herbei. 2011 wurde Fenninger Weltmeisterin in der Superkombination, am 15. Februar Olympiasiegerin im Super-G. In Lenzerheide katapultierte sie sich nun auch im Weltcup ganz nach oben. «Das ist unglaublich», sagte Fenninger. Noch am Montag hatte sie verkündet, dass es für sie sehr schwierig werde, die grosse Kristallkugel zu gewinnen. Doch dann verletzte sich Maria Höfl-Riesch, nachdem zuvor schon Lindsey Vonn und die Liechtensteinerin Tina Weirather die Saison frühzeitig hatten beenden müssen.

Doch allein der Ausfall ihrer grössten Konkurrentinnen begründet Fenningers Erfolg nicht. «Eine Goldmedaille an Olympischen Spielen zu gewinnen ist etwas vom Grössten. Ich konnte danach die Saisonendphase im Weltcup locker angehen.» Die Resultate waren beeindruckend. Vor dem sechsten Abfahrtsrang diese Woche in Lenzerheide war Fenninger nie schlechter als auf dem zweiten Rang klassiert. Deshalb haderte auch Höfl-Riesch nicht mit dem Schicksal. «Wenn Anna Fenninger den Gesamtweltcup holt, ist das hochverdient», sagte sie gestern vor dem Super-G auf ARD.