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Ein grosser Reiter und ein noch besserer Mensch

Nachruf
Sonja Grob
Willi Melliger und sein Schimmel Calvaro nach dem Gewinn der Silbermedaille an den Olympischen Spielen 2000 in Sydney. (Bild: KEY)

Willi Melliger und sein Schimmel Calvaro nach dem Gewinn der Silbermedaille an den Olympischen Spielen 2000 in Sydney. (Bild: KEY)

In der Nacht auf gestern erlag einer der berühmtesten Springreiter der Schweiz einem schweren Hirnschlag. Willi Melliger, der vor allem mit dem Schimmel Calvaro grosse Erfolge feierte, hat im Alter von 64 Jahren seine letzte Reise angetreten. Am 13. Dezember 2017 erlitt der Vater von drei Kindern einen schweren Hirnschlag. Seither lag Willi Melliger im Koma, aus dem er nicht mehr erwachte. Die Trauer ist nicht nur bei seinen vielen Reiterfreunden gross, denn mit Calvaro war er auch bei vielen «Nicht-Rösselern» ein Begriff. Und dieser Mythos wird weiterleben. Die beiden schrieben Reitsportgeschichte und waren überall die Publikumslieblinge.

Neben zwei olympischen Silbermedaillen 1996 in Atlanta im Einzel und im Jahr 2000 mit der Schweizer Equipe in Sydney ergatterte Willi Melliger viele weitere Auszeichnungen. Insgesamt gewann er 13 EM-Medaillen, darunter vier goldene und ist somit der erfolgreichste Schweizer Reiter an Europameisterschaften. Unvergessen bleibt sein letzter Auftritt mit Calvaro am CSI Zürich 2003. Mit Tränen in den Augen verabschiedete er im Hallenstadion den weissen Riesen aus dem Springsport. Kurze Zeit später musste sich Willi Melliger endgültig vom damals 17-jährigen Calvaro verabschieden. Willi Melliger verlor nicht nur das beste Pferd, das er je geritten hatte: «Ich habe einen engen Freund verloren und bin sehr traurig.»

2010 beendete der Solothurner seine aktive Reitkarriere. Aber er blieb dem Pferdesport verbunden und setzte sich neben dem Handel für den Nachwuchs ein. Als Coach der Jungen Reiter und Junioren reiste er mit seinen Schützlingen an internationale Anlässe, wo sie dank ihm beachtliche Erfolge feierten. In dieser Funktion habe ich persönliche Erinnerungen an ihn, die für immer bleiben werden. Im Sommer 2016 begleitete ich die Schweizer Teams ins irische Millstreet an die EM, wo Willi Melliger nach elf Jahren in seiner Funktion als Verantwortlicher des Nachwuchses zum letzten Mal im Einsatz war. Die guten Resultate kommentierte er damals mit den Worten «das ist das Resultat unseres jahrelangen Aufbaus. International stehen wir gut da und peilen jetzt eine Medaille an», was mit der Bronze-Auszeichnung auch gelang.

Offen, wie er immer zu mir war, gab er mir zahlreiche Tipps für meinen Bericht, konnte aber auch Kritik anbringen. «Ich hätte noch was, dass du schreiben kannst, wenn du Mut hast» – diesen Satz werde ich nie vergessen. Was er mir erzählte, habe ich dann doch nicht geschrieben, es hätte einige Leute zu sehr verletzt. Aber das trübte unser Verhältnis nie, er hatte auch danach immer Zeit für ein paar freundschaftliche Worte. Diese Begegnungen werde ich vermissen.

Seine Kollegen aus dem Reitsport reagieren alle mit Erschütterung und Trauer. Für Paul Estermann war die Nachricht ein Schlag. «Auch wenn er nicht mehr aktiv ritt, wird er fehlen», sind seine Worte. Mehrere Male war Paul Estermann im Schweizer Team an Nationenpreisen mit Willi Melliger im Einsatz. «Er gab mir immer Sicherheit und hat mich unterstützt. Ich konnte ihn jederzeit um Rat fragen. Er war sehr hilfsbereit.» Seine internationalen hervorragend organisierten Concours, die er jahrelang im solothurnischen Neuendorf organisierte, waren auch für Paul Estermann immer ein Höhepunkt.

Während sechs Jahren war der internationale Reiter Niklaus Schurtenberger bei Willi Melliger im Stall, bevor er vor etwa zehn Jahren auf seine eigene Anlage in Lyss zog. Schurtenberger reitet noch heute Pferde von Melliger.

Auch Niklaus Schurtenberger ist erschüttert, dass sein Freund Willi Melliger verstorben ist. «Ich hatte alle meine guten Pferde durch ihn», sagte er, «wie auch mein früheres Spitzenpferd Cantus, das mir meine Sponsoren Paul und Priska Erni, die ihn von Willi Melliger kauften, zur Verfügung stellten.»

Sonja Grob

Seit zwölf Jahren Präsidentin des Verbandes Schweizer Concours Reiter

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