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Der Schwinger mit dem gottgegebenen Talent

Joel Wickis Gegner wissen um seinen gefährlichsten Schwung bestens Bescheid. Dennoch sind sie oft machtlos dagegen. Warum eigentlich?
Claudio Zanini
Joel Wicki in der Jubelpose - vielleicht auch am Sonntag beim Luzerner Kantonalen? (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Stoos, 11. Juni 2017))

Joel Wicki in der Jubelpose - vielleicht auch am Sonntag beim Luzerner Kantonalen? (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Stoos, 11. Juni 2017))

Joel Wicki will eines Tages Schwingerkönig werden. Doch diesen Wunsch diktiert er nicht in den erstbesten Notizblock. Es käme vielleicht weniger gut an in einem Land, in dem ambitiöses Getue schnell einmal suspekt wirkt. Aber irgendwo auf seiner Website steht es dennoch geschrieben. «Mein Lebenstraum ist, einmal Schwingerkönig zu werden.» Um dem Ganzen ein wenig die Schärfe zu nehmen, folgt dann: «Selbstverständlich liegt dieses Ziel in weiter Ferne.»

Spätestens seit der letzten Saison wissen wir aber: Das ist alles gar nicht so grossmäulig, denn Wicki hat die Anlagen, um an den ganz grossen Festen zu bestehen. Der Unspunnen-Schwinget 2017 lieferte den Beweis. Wicki musste gegen gestandene Eidgenossen antreten, einen nach dem andern: Kilian Wenger, Willy Graber, Bernhard Kämpf, Armon Orlik, Michael Bless. Der eine König, der andere im Schlussgang am Eidgenössischen, der dritte Brünig-Sieger. Mit Wenger musste er die Punkte teilen, doch die andern besiegte er alle.

Wie ein Formel-1-Motor

Auch heute noch schaut er sich die Videos dieser Gänge an und staunt selbst. «Es war fast unheimlich. Ich konnte an diesem wichtigen Tag meine Bestleistung zeigen», sagt er. Am Ende lag Wicki auf dem zweiten Rang. Hätten die beiden Berner im Schlussgang, Christian Stucki und Curdin Orlik, gestellt, Wicki wäre Sieger geworden. Gefuchst habe ihn der verpasste Coup zwar schon, aber Stucki sei eben der verdiente Sieger gewesen, meint Wicki rückblickend. «Er war in der gesamten Saison der Konstanteste von allen.»

In dieser Saison hat Wicki bisher ein Kranzfest bestritten, das Schwyzer Kantonale. Er landete wieder auf dem zweiten Platz, mit fünf Siegen und einem Gestellten. Doch erstaunlicher als diese Klassierung war die Art und Weise, wie Wicki seine Gänge gewann. Denn obschon die Gegner seinen effizientesten Schwung, den Kurz, kennen und um dessen Explosivität Bescheid wissen, bleiben sie oftmals machtlos. Wicki kann dies zwar recht sein, überrascht ist er dennoch: «Es erstaunt mich selbst, dass viele immer noch auf diesen Kurz reinfallen.»

Doch der Entlebucher ist mehr als ein kräftiger 21-Jähriger mit diesem einen Super-Schwung. Das weiss auch Daniel Hüsler, ehemaliger Spitzenschwinger, dreifacher Eidgenosse, Rigi-Sieger, Innerschweizer Sieger, ein Mann vom Fach eben. Er betreut Wicki, seit dieser 14 Jahre alt ist. «Zum einen ist da einmal sein gottgegebenes Talent. Das ist angeboren, das kannst du nicht lernen», sagt Hüsler. «Hinzu kommt dieser riesige Wille, den er mitbringt. Ausserdem leistet der Entlebucher Schwingerverband seit Jahren hervorragende Arbeit. Und Joel ist in allen Belangen ein Profi.»

Ein wichtiger Bestandteil im Training von Joel Wicki: Krafttraining im Sport Rock in Willisau. (Bild: Dominik Wunderli (Willisau, 8. April 2015))

Ein wichtiger Bestandteil im Training von Joel Wicki: Krafttraining im Sport Rock in Willisau. (Bild: Dominik Wunderli (Willisau, 8. April 2015))

Hüsler ist Mitbesitzer der Firma Sport Rock in Willisau, zu dem auch ein Fitness-Center gehört, in dem Wicki mehrmals wöchentlich trainiert. Er stellt ihm Trainings- und Ernährungspläne zusammen, justiert dort, wo es sein muss. Dass wir es bei Wicki mit einem Hochleistungs-Apparat zu tun haben, unterstreicht auch ein Vergleich, den Hüsler macht. «Es gibt viele gute Schwinger. Doch von gut zu sehr gut ist nochmals ein grosser Schritt. Das ist wie ein Formel-1-Motor, den man versucht zu frisieren.»

«Es kann nichts schiefgehen»

Auch Hüsler hat erkannt, dass das Repertoire von Wicki noch umfangreicher, noch unberechenbarer werden muss, trotz des unwiderstehlichen Kurz. «Wichtig ist, dass man auf beiden Seiten gut schwingen kann. Was dann noch folgt, ist der Bodenkampf.» Nebst dem technischen Aspekt gilt es, die Schnellkraft zu pflegen, um die Explosivität, die so matchentscheidend ist, beizubehalten. «Im Kampfsport gilt generell: Lieber gar kein Krafttraining machen als falsches», sagt Hüsler.

Im Hinblick auf das Luzerner Kantonale habe er sehr gut trainiert, sagt Joel Wicki. Am Sonntag in Hohenrain gehört er zum engsten Favoritenkreis. Er startet im Anschwingen gegen den arrivierten Eidgenossen Benji von Ah. Doch die Zuversicht ist riesig bei Wicki. Er sagt: «Es kann nichts schiefgehen.»

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