Ein glänzender Abschluss

Die Schweizer Kunstturner kehren mit fünf EM-Medaillen aus Montpellier zurück. Die erfolgreichste Athletin der Titelkämpfe ist Giulia Steingruber. Nach Mehrkampf-Gold und Sprung-Silber holt sie noch Bronze am Boden.

Raya Badraun/Montpellier
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TURNEN. Ganz zufrieden war Giulia Steingruber gestern nach dem Boden-Final nicht. Die 21jährige Gossauerin zeigte eine extrem saubere Übung. «Es war die beste, die ich an dieser EM gezeigt habe», sagte Steingruber später. Ihre Landungen waren schöner, die Bewegungen leichter. Und doch blieb ihre Note unter derjenigen im Mehrkampf. «Ich habe ein bisschen mehr erwartet», sagte die erfolgreiche Turnerin. «Aber am Ende bin ich zufrieden mit meiner Leistung – und der Bronzemedaille.» Es war bereits ihre dritte Auszeichnung an diesen Titelkämpfen. Am Freitag holte sie Gold im Mehrkampf, am Samstag Silber im Sprung. Auch dort hatte sie im Vorfeld auf den Titel gehofft. Doch die Russin Maria Paseka schnappte ihr diesen vor der Nase weg. Die Olympiadritte von London turnte den Cheng und den Amanar zwar nicht so sauber wie Steingruber, ihre beiden Sprünge waren jedoch deutlich schwieriger.

Mit ihren drei Medaillen ist Steingruber die erfolgreichste Athletin an der EM in Montpellier. Besonders die Medaille im Mehrkampf freute sie. Immerhin war es die erste für eine Schweizer Turnerin überhaupt. «Es ist ein unglaubliches Gefühl», sagte Steingruber. «Die Medaillen an den Geräten waren dann noch ein Zusatz.» Nun könne sie mit einem positiven Gefühl nach Hause reisen.

Glück und Pech bei Brägger

Weniger erfolgreich lief es gestern dem Qualifikationssieger Pablo Brägger. Seine Übung am Reck war die deutlich schwierigste aller Teilnehmer. Die Goldmedaille lag für ihn damit im Final sozusagen auf dem Präsentierteller. «Vielleicht wollte ich einfach zu viel», sagte Brägger nach dem Wettkampf. «Vielleicht hatte ich zu viel Energie.» Dies bremste ihn früh. Bereits bei seinem ersten Flugelement bekam er die Reckstange nicht mehr in den Griff und musste zu Boden. Es waren nur Zentimeter zwischen Sieg und Niederlage. Nach dem Sturz war die Nervosität dann zu gross, das Zittern zu stark. «Nichts war mehr möglich», sagte Brägger. Damit beendete er den Reckfinal auf dem achten Rang.

Die Enttäuschung über die verpasste Goldmedaille am Reck, seinem Lieblingsgerät, hielt sich gestern dennoch in Grenzen. «Ich ziehe ein positives Fazit von dieser EM», sagte der 22jährige Oberbürer. Denn mit leeren Händen reist er aus Montpellier nicht in die Ostschweiz zurück. Am Samstag holte der St. Galler mit Bronze die erste Boden-Medaille der Männer an einer EM. Dies war für ihn eine ziemliche Überraschung. «Es ist ein schönes Gefühl, wenn man eine Medaille gewinnen und Geschichte schreiben kann», sagte Brägger.

Überraschendes Silber

Während für Brägger die Nervosität am Ende zu gross war, sah man diese dem jungen Kunstturner Christian Baumann überhaupt nicht an. Wie ein Routinier trat er gestern zu seiner Barrenübung an. Diese absolvierte er extrem sauber und in einem Fluss. Damit holte der 20jährigen Aargauer am Ende mit 15,300 Punkten zusammen mit dem Rumänen Marius Berbecar die Silbermedaille. «Es ist eine unglaubliche Überraschung», sagte Baumann nach dem Wettkampf und fand fast keine Worte für sein Glück. «Das hätte ich mir im Vorfeld nie erträumt.»

Bereits am Freitag im Mehrkampf hatte Baumann, der in Montpellier zu seiner ersten EM antrat, mit Rang acht überzeugt und ein Diplom gewonnen. Nun steigerte er sich im Gerätefinal noch einmal. So entspannt, wie er bei seiner Übung wirkte, war Baumann dabei jedoch nicht. Vor seinem Auftritt beobachtete er, wie seine Konkurrenten Fehler begingen. Er wusste, dass mit einer sauberen Übung eine Medaille in Reichweite liegen würde. «Vor und nach der Übung war ich ziemlich am Zittern», sagte Baumann. «Doch dazwischen ging es mir gut.» Das sah man ihm an. Und dafür erhielt Baumann am Ende verdient eine Silbermedaille.