Ein Geständnis mit Kalkül

Lance Armstrong versucht zu retten, was noch zu retten ist. Mit einer medialen Inszenierung, wie sie nur in den USA möglich ist, erlangt der frühere amerikanische Radprofi nochmals weltweit Aufmerksamkeit.

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Lance Armstrong versucht zu retten, was noch zu retten ist. Mit einer medialen Inszenierung, wie sie nur in den USA möglich ist, erlangt der frühere amerikanische Radprofi nochmals weltweit Aufmerksamkeit. In der Show der populären Talkmasterin Oprah Winfrey gesteht der siebenfache Tour-de-France-Sieger erstmals, dass er gedopt habe. Überraschen wird das niemanden. Die Frage ist, warum Armstrong gerade jetzt auspackt und wen er mit in die Tiefe reissen wird.

Der beschädigte Ruf, die aberkannten Tour-de-France-Siege und das Dopen an sich sind in diesem Fall nicht das Thema. Für Armstrong geht es primär um Geld – und das Weiterleben seiner Krebsstiftung «Livestrong». Der Amerikaner, dessen Vermögen auf fast 100 Millionen Franken geschätzt wird, sieht sich mit diversen Entschädigungsforderungen früherer Sponsoren konfrontiert. Im Zuge dessen prüft sogar das US-Justizministerium, gegen Armstrong gerichtlich vorzugehen. Weil der einstige Profi sechs seiner sieben Siege an der Tour de France mit dem Team eingefahren hat, das von der amerikanischen Post gesponsert wurde, steht der Vorwurf im Raum, Armstrong habe staatliche Gelder für Dopingzwecke missbraucht, also veruntreut.

Aus diesem Schlamassel findet Armstrong nur noch heraus, wenn er auspackt, was in der Oprah-Winfrey-Show zu erwarten ist. Denn in den USA werden Kronzeugen per Gesetz belohnt. Der Weg ins Gefängnis bleibt dem 41-Jährigen wohl auch erspart. Denn Experten gehen davon aus, dass sein Meineid – im Jahr 2005 schwor er vor Gericht, nie gedopt zu haben – inzwischen strafrechtlich verjährt ist. Also werden sich nun jene warm anziehen müssen, die den Amerikaner beim Dopen unterstützt und jahrelang gedeckt haben. Matthias Hafen

matthias.hafen@tagblatt.ch

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