Ein Fünfliber als Entschädigung für ein Training

Mit Captain und Wunderfussballer Köbi Kuhn erlebte der FC Zürich die beste Phase seiner Geschichte.

Markus Brütsch
Hören
Drucken
Teilen
Captains unter sich: Karl Odermatt (FC Basel, links) und Köbi Kuhn vom FC Zürich begrüssen sich vor dem Rivalenduell (Bild: key).

Captains unter sich: Karl Odermatt (FC Basel, links) und Köbi Kuhn vom FC Zürich begrüssen sich vor dem Rivalenduell (Bild: key).

Köbis letztes Spiel endet mit einem Skandal: Der Platzwart löscht das Licht. Aber nicht, um zu symbolisieren, dass soeben einer der grössten Schweizer Fussballer seine Karriere beendet hat, sondern um die Fans vom Rasen zu jagen. Diese sind nach dem 5:2 gegen Xamax auf den Platz gestürmt, um Köbi Kuhn zu feiern.

Dem Captain zu danken, dass er während mehr als 16 Jahren für den FCZ die Knochen hingehalten und ihn zu sechs Meistertiteln und fünf Cupsiegen geführt hat. Dass aber zu seiner Dernière, dem 396. Spiel in der NLA, lediglich 5000 Zuschauer im Letzigrund erschienen waren, musste für ihn eine Enttäuschung sein.

Gleichwohl liess es sich Kuhn nicht nehmen, den Abend mit seiner Frau Alice sowie Teamkollege Werner Leimgruber und dessen Frau mit ein paar Bierchen ausklingen zu lassen.

Im Halbfinal gegen den FC Liverpool

Zweieinhalb Monate zuvor war die Hütte noch gerammelt voll gewesen. 30 000 Zuschauer hatten im Halbfinal des Meistercups den FC Liverpool und dessen Stars wie Terry McDermott und Kevin Keegan sehen wollen. 1:3 und 0:3 verloren die Zürcher die beiden Spiele gegen die Reds.

Es waren die letzten grossen Partien von Kuhn und bildeten einen würdigen Abschluss einer Laufbahn, die im Frühjahr 1961 begonnen hatte. Als der 17-jährige Kuhn gegen Winterthur debütierte und danach erzählte, wie er beim Einlaufen eine Hühnerhaut gespürt habe.

Zwei Jahre zuvor hatte Edi Nägeli, der legendäre Mann vom Tabakfass, den Tiefdruckätzer-Lehrling zum FCZ gelotst. Der Präsident sass bei jedem Training auf einem Stuhl und zog genüsslich an einer Zigarre. Der erste Vertrag bescherte Kuhn ein monatliches Fixum von 125 Franken, einen Teil davon gab er jeweils zu Hause ab. Dazu gab es pro besuchtes Training 5 Franken, für einen Sieg 40, ein Unentschieden 30 und eine Niederlage 20 Franken. Trainiert wurde dreimal in der Woche am Abend, später, unter Timo Konietzka, um 16 Uhr.

Zu Beginn von Kuhns Laufbahn gingen alle Spieler noch einer Arbeit nach, allmählich aber wurden mehr und mehr von ihnen Halbprofis, und als Kuhn 1977 aufhörte, war es zu spät, um noch Vollprofi zu werden. Er konnte sein rechtes Knie nicht mehr durchbiegen. Kuhn sagte immer, er habe Zeit seiner Karriere neben dem Fussball noch gearbeitet. Weggefährten fragten sich allerdings bisweilen, was genau er denn mache.

Kuhn, der immer mit dem Velo ins Stadion fuhr und den linken Schuh zuerst anzog, war ein hervorragender Mittelfeldstratege, der heute im Ausland bei einem Topklub Karriere machen würde. Auf dem Platz aber konnte die legendäre Nummer 6 nicht nur gegen die Gegner böse sein, sondern er faltete auch seine Mitspieler gnadenlos zusammen. Seine Bestform rief er oft in den Rivalenkämpfen gegen den FC Basel und seinen Antipoden Karl Odermatt ab.

Es gibt Geschichten, die gut beschreiben, wie anders der Fussball damals tickte. 1966 wollte Kuhn zu seinem Lieblingsklub wechseln. Doch der italienische Verband schloss die Grenzen und Kuhns Traum von der AC Milan war ausgeträumt. Und dann gab es noch die Story mit GC.

Der Stadtrivale war bereit, die damalige Unsumme von einer halben Million Franken Ablöse zu bezahlen, um Kuhn in den Hardturm zu locken. Trotz des ungeschriebenen Gesetzes, das einen Wechsel über die Gleise verbot. Nägeli sagte, er lasse Kuhn nur über seine Leiche ziehen. Dieser trainierte indes mit GC und liess sich gar für ein Teamposter ablichten.

Als Nägeli schliesslich Kuhns Salär auf 80'000 Franken anhob, zuzüglich Prämien, blieb der Captain doch im Letzigrund. Der zweimonatige Spuk (heute: Poker) hatte ein Ende.