Ein Fernseher für die Freundin

Es gibt Geschäfte, die überfordern mich, sobald ich sie betrete.

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Es gibt Geschäfte, die überfordern mich, sobald ich sie betrete. Ikea zum Beispiel, weil so gross und voller Pärchen, die sich schmachtend auf die Betten werfen und im Neonlicht von der ersten gemeinsamen Wohnung träumen. Oder Elektronikläden wie Media Markt. Dieses aggressive Rot. Die Regale voller Technik. Radios und Radiowecker, Computer und Laptops, Kabel und Kopfhörer. Und erst die Bildschirme in der Fernsehabteilung: Eine Wand so hoch und lang, dass ich meinen Blick nicht mehr lösen kann.

Genau vor so einer Wand stehe ich nun, weil meine Freundin beschlossen hat, einen Fernseher zu wollen. Keinen allzu grossen, und hyperscharf muss das Bild auch nicht sein, weil Schärfe allein den Schrott im Fernsehen nicht besser macht. Jedenfalls stehe ich nun so hilflos im Laden herum, dass mir bald ein Verkäufer zu Hilfe eilt. «Dieser Samsung 46ES6710», sagt er nun, «verfügt über einen 46-Zoll-Bildschirm, Slim-LED-Design in Gletscherweiss, Micro-Dimming, drei HDMI-1.4-Schnittstellen und einen CI+-Anschluss.»

Ich: «Aha.»

Er: «3D-fähig ist das Gerät natürlich auch.»

Ich: «Aha, aha. Und was ist mit dem dort drüben?»

Er: «Der ist etwas kleiner. Als Zweit- oder Drittfernseher eignet er sich bestens.»

Am Ende kaufe ich einen kleinen Fernseher. So kommt es, dass unser Erst- und Einzigfernseher im Grunde genommen nur ein Zweit- oder Drittfernseher ist, der sich nicht mit dem Internet verbinden lässt und auch keine 3D-Filme zeigen kann. Aber das ist mir egal: Ich will mit dem Fernseher lediglich fernsehen. Und dafür braucht es nur eine Buchse.

Dumm nur, dass wir feststellen, dass die Buchse im Wohnzimmer kaputt ist – und Cablecom für die Reparatur verantwortlich wäre. Die erste Nummer, die mir der Vermieter gibt, ist ungültig. Die zweite führt in die Warteschleife eines Callcenters. «Tippen Sie die Postleitzahl ihres Anschlusses ein», sagt eine Stimme. «Tippen Sie nun Ihre Kundennummer ein.» Weil die aber gefühlte fünfzig Ziffern lang ist, lege ich auf.

Nun haben wir also eine Stube mit einem Fernseher, der nicht läuft. Das Schlimmste daran: Bisher stört uns das gar nicht. Nicht einmal meine Freundin.

Lukas G. Dumelin (25) ist in Frauenfeld aufgewachsen und studiert Deutsch und Geschichte.

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