Ein Fehlgriff kostet die Super Bowl

Die Green Bay Packers vergeben im Playoff-Halbfinal gegen die Seattle Seahawks innert zwei Minuten die Qualifikation für die Super Bowl. Spielentscheidend sind für einmal die Special Teams, die ansonsten ein Schattendasein fristen.

Christof Krapf
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Der Fehler, der die Green Bay Packers die Super Bowl kostet: Brandon Bostick (Mitte) flutscht der Ball durch die Hände und die Seattle Seahawks erhalten Gelegenheit zum Angriff. (Bild: ap/David J. Phillip)

Der Fehler, der die Green Bay Packers die Super Bowl kostet: Brandon Bostick (Mitte) flutscht der Ball durch die Hände und die Seattle Seahawks erhalten Gelegenheit zum Angriff. (Bild: ap/David J. Phillip)

AMERICAN FOOTBALL. Sie sind nicht fürs Spektakel zuständig, die Special Teams. Nur bei Field Goals, dort wird der Ball zwischen zwei Torpfosten gekickt, oder Anspielen steht diese Formation auf dem Feld. Trotzdem entscheiden die Special Teams manchmal Spiele oder kosten ein Team gar die Super Bowl.

Letztere Erfahrung haben die Green Bay Packers im Playoff-Halbfinal gegen die Seattle Seahawks gemacht. Zwei Minuten fehlten der Mannschaft aus dem Bundesstaat Wisconsin zum Finaleinzug; Seattle hingegen blieben lumpige 120 Sekunden, um ein 14:19 aufzuholen. Seahawks-Coach Pete Carroll entschied sich, alles auf eine Karte zu setzen. Sein As im Ärmel war die Special-Teams-Formation: Anstatt den Ball – wie beim Anspiel üblich – weit in die gegnerische Hälfte zu kicken, liess Carroll ein kurzes Anspiel durchführen – in der Hoffnung, sein Team käme wieder in Ballbesitz. Va banque auf dem Rasen.

Wilsons schwache Halbzeit

Ein sogenannter Onside-Kick funktioniert selten. Carroll aber hatte Glück und ungewollte Unterstützung von Green Bay: Packers-Spieler Brandon Bostick sprang nach dem Anspiel in die Luft, reckte sich zum Ball, griff zu, das Spiel schien gelaufen. Doch Bostick landete mit leeren Händen, der Football war ihm durch die Hände geflutscht. Seattle erhielt die Chance zum Angriff, nutzte diese und führte Sekunden vor dem Ende 22:19. Green Bay glich zwar aus, verlor aber in der Verlängerung 22:28. «Ich fühlte den Ball, konnte ihn jedoch nicht festhalten. Ich habe mein Team im Stich gelassen», sagte Bostick.

Vergeben hatte Green Bay den Sieg aber schon zuvor. Der Fehlgriff war einfach jener Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Die Packers erwischten zwar in der Defensive einen Start nach Mass. In der ersten Halbzeit fingen sie drei Pässe von Russell Wilson ab – zuvor hatte Seattles Quarterback in 16 Spielen nur sieben Interceptions geworfen. Die Packers-Offensive münzte die Defensivarbeit aber nicht in genügend Punkte um. Sie brachte nur einen Touchdown zustande und musste sich dreimal mit einem Field Goal, das mit drei statt sechs Punkten belohnt wird, begnügen. 16:0 führte Green Bay zur Pause; nur 16:0.

«This is football»

In der zweiten Halbzeit setzte der Titelhalter aus Seattle zur Aufholjagd an. Ausgerechnet die Special Teams spielten dabei eine entscheidende Rolle. Bei einem Field-Goal-Versuch täuschten die Seahawks den Gegner und warfen einen Pass, statt den Ball zu kicken: Touchdown, Seattle war im Spiel und gewann. Dank des Sieges haben die Seahawks die Chance, den Titel gegen New England zu verteidigen. Green Bays Saison hingegen ist zu Ende. Trainer Mike McCarthy blieb nichts anderes übrig, als in seiner Enttäuschung zu einem geflügelten Wort zu greifen: «This is football».