Ein erstes Rennen der Wahrheit

Der GP von Spanien in Barcelona ist nach vier Übersee-Rennen unterschiedlicher Art nicht nur für Nico Rossberg ein Gradmesser mit vorentscheidendem Charakter. Wer auf dem Circuit de Catalunya gut abschneidet, hat auf fast allen Strecken gute Karten.

Peter Lattmann/Barcelona
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AUTOMOBIL. Der eine sass beim «Boxkampf des Jahrhunderts» zwischen Floyd Mayweather und Manny Pacquiao ganz vorne am Ring in Las Vegas. Der andere hat die dreiwöchige Formel-1-Pause genutzt, um bei der Familie in Monte Carlo aufzutanken, intensives Fitnesstraining zu betreiben und neuen Mut zu fassen.

Die Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg trennen Welten. Der mit dem Showbusiness gleich gut wie mit seinem Rennwagen vertraute Hamilton strotzt vor Selbstvertrauen und scheut sich auch nicht, den Arbeitgeber im Vertragspoker hinzuhalten.

Der nach vier aufeinanderfolgenden Niederlagen gegen den Teamkollegen völlig aus dem Gleichgewicht geratene Rosberg muss bei der Rückkehr nach Europa eine Reaktion zeigen. Andernfalls kann er die bereits arg kompromittierten Titelchancen – er weist 27 Punkte Rückstand auf den britischen Widersacher auf – bereits vorzeitig abschreiben.

Pole-Position als grosser Vorteil

Der schwer abstimmbare Circuit de Catalunya mit dem ständig wechselnden Wind gilt als wegweisend für den weiteren Verlauf der Saison. Wer hier keine Probleme bekundet, kann normalerweise überall schnell sein. Erste Voraussetzung, um auf der Piste nördlich von Barcelona erfolgreich zu sein, ist die Pole-Position. In den letzten 14 Jahren hat mit Ausnahme von Fernando Alonso 2013 und Sebastian Vettel 2011 immer der Mann auf dem ersten Startplatz gewonnen. Dass beim Heimsieg Alonsos vor zwei Jahren ausgerechnet bei Rosberg die Serie der Pole-Position-Siege nicht griff, trägt sicher nicht zur Beruhigung des Deutschen bei.

«Unser Saisonstart war unglaublich gut, aber jetzt sind wir in Barcelona – das ist etwas ganz anderes. Diese Piste stellt nicht nur das Auto auf den Prüfstand, sondern auch den Fahrer. Der Kurs ist wahnsinnig anstrengend», sagt Hamilton, der im Vorjahr hier gewonnen hat.

Trendwende bei Rosberg?

Rosberg erkennt den Ernst der Lage, und geht dennoch mit Kampfparolen in den fünften WM-Lauf der Saison. Ewig will er sich nicht von Hamilton demütigen und dazu von Vettel im zuletzt immer stärkeren Ferrari bedrohen lassen. «Bahrain war für mich so etwas wie eine Trendwende, obwohl ich nur Dritter geworden bin», sagt er. «Erstmals habe ich mich richtig wohl gefühlt im Auto. Schon da wäre mehr möglich gewesen. Das will ich nun nachholen.»

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