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Ein Entscheid, der bindet

Es ist eine gute Nachricht für die Sportwelt: Der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) unter Präsident Sebastian Coe verzichtet darauf, die Sperre der russischen Athletinnen und Athleten hinsichtlich der Olympischen Spiele aufzuheben.
Ralf Streule

Es ist eine gute Nachricht für die Sportwelt: Der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) unter Präsident Sebastian Coe verzichtet darauf, die Sperre der russischen Athletinnen und Athleten hinsichtlich der Olympischen Spiele aufzuheben. Der Entscheid liegt auf der Hand: Die von der Welt-Anti-Doping-Agentur vorgelegten Beweise für systematisches Doping in Russland waren schlicht zu stichhaltig, die russischen Bemühungen, in gegebener Zeit für Ordnung zu sorgen, eine Farce.

Natürlich dürften nicht nur hehre ideologische Überlegungen zum Entscheid geführt haben, schliesslich stand der Ruf des IAAF auf dem Spiel. Seit 2009 soll Coes Vorgänger, der Senegalese Lamine Diack, von den Dopingpraktiken in Russland Kenntnis gehabt haben. Auch wenn Coe selbst als damaliger Vize kein Mitwisser gewesen sein soll – das Image des Verbands wäre mit einem gegenteiligen Entscheid längerfristig verspielt gewesen.

Dennoch war die konsequente Haltung des IAAF unter Coe nicht voraussehbar – und sie ist dem Verband hoch anzurechnen. Er brauchte Mut, weil es um eine Kollektivstrafe geht, die einzelne Sportler hart treffen wird. Mut, weil der Entscheid sich nicht nur gegen einen Landesverband, sondern gegen den offensichtlich in die Machenschaften verwickelten Staat und dessen Führung richtet – und damit politisch brisant ist. Mut brauchte es weiter, da sich das IOC unter dem Putin-nahen Thomas Bach nicht direkt hinter den Leichtathletikverband gestellt hatte. Der IAAF hat damit Eigenständigkeit bewiesen – und das IOC gleichzeitig in Zugzwang gebracht. Forderungen an das internationale Olympische Komitee, russische Sportler anderer Sportarten zu suspendieren, werden folgen.

Nicht zuletzt hat der IAAF Mut gezeigt, weil er sich damit eine grosse Verantwortung für die Zukunft auferlegt hat. Mit dem Entscheid muss er auch bereit sein, bei anderen latent unter Dopingverdacht stehenden Nationen wie Kenia genauer hinzuschauen und im Verdachtsfall zu handeln – wohl unter russischen Argusaugen.

Vielleicht ist das ja die beste Nachricht für den Sport: Dass sich kein Landesverband mehr sicher sein kann, unbehelligt zu bleiben. Voraussetzung ist aber, dass der IAAF den eingeschlagenen Weg weitergeht. Das wird schwer genug. Denn das Interesse, Spektakel zu bieten, wird auch in Zukunft mindestens so gross sein wie jenes an einem sauberen Sport.

ralf.streule@tagblatt.ch

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