Ein Eishockeyfest nur für Bern

Nach der 1:6-Heimniederlage von gestern steht Fribourg vor dem Halbfinal-Aus. Dass den Freiburgern auf dem Weg zum ersten Meistertitel der Clubgeschichte einmal mehr Bern im Weg steht, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Matthias Hafen/Freiburg
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Kein Durchkommen für Fribourg: Für Christian Dubé ist der Weg zum Berner Tor von Goalie Marco Bührer (rechts) versperrt. (Bild: ky/Lukas Lehmann)

Kein Durchkommen für Fribourg: Für Christian Dubé ist der Weg zum Berner Tor von Goalie Marco Bührer (rechts) versperrt. (Bild: ky/Lukas Lehmann)

EISHOCKEY. «Ausgerechnet Bern» war eine häufige Reaktion, die Fribourgs Clubdirektor Raphaël Berger nach dem Einzug in die Playoff-Halbfinals zu hören bekam. Nach der 1:6-Niederlage von gestern abend – der dritten im dritten Spiel – weiss Berger auch warum. Dabei gab es in Freiburg guten Grund, sich über die Affiche zu freuen. Denn so viel Stimmung und so viel Zündstoff wie in dieser Best-of-7-Serie gab es bislang noch in keiner anderen in diesem Jahr. Gemessen an der Qualifikation waren die Chancen des drittplazierten Fribourg gegen den ungeliebten Rivalen gross. Der SC Bern wurde nur Fünfter und verlor vor den Playoffs alle Spiele in der Patinoire St-Léonard.

Seit gestern abend sieht die Sache etwas anders aus. Das Zähringer Derby scheint in diesem Halbfinal nur für Bern ein Eishockeyfest zu werden. Nach drei Siegen in Folge zweifelt kaum mehr einer an der Finalteilnahme des SC Bern. Zu abgeklärt zeigte sich gestern die Equipe von Trainer Antti Törmänen. Fribourg muss sich erheblich steigern, sonst steht schon morgen das Playoff-Aus fest. Und wieder einmal wären die Freiburger in den Augen des «grossen Nachbarn» die belächelten Träumer.

In jedem Fall zufrieden

Vom ersten Meistertitel träumen sie in Freiburg tatsächlich schon lange. In den 1990er-Jahren kamen sie dem Ziel sehr nahe, als Wiatscheslaw Bykow und Andrej Chomutow die Gegner zerpflückten und damit das Publikum entzückten. Seither floss viel Wasser die Saane hinunter – und Fribourg kämpfte mehrmals gegen den Abstieg. Doch in den vergangenen zwei Jahren hat sich die Equipe am Röstigraben wieder zum Titelanwärter entwickelt. «Wir holen aus unseren Möglichkeiten derzeit so ziemlich das Maximum heraus», sagt Clubdirektor Berger. «Wer von uns den Pokal fordert, versteht nicht, wie wichtig die Erfahrung ist. Die sammeln wir mit solchen Serien wie heuer gegen Bern.» Fribourg schlösse die Saison auch ohne Final zufrieden ab, sagt Berger. Budgetiert gewesen sei das Halbfinal. Und weil Fribourg praktisch die ganze Saison ein ausverkauftes Stadion hatte, wäre ein Aus gegen Bern zumindest finanziell keine grosse Niederlage.

Bern mehrmals Spielverderber

Dass den Freiburgern auf dem Weg zum ersten Titel wieder einmal der SC Bern im Weg steht, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. 1990 massen sich die beiden Teams erstmals in den Playoffs. Der Favorit aus der Hauptstadt setzte sich durch. Doch die Berner verdarben den Freiburgern auch zweimal die Fete, als die Vorzeichen in den Jahren danach wegen Bykow/Chomutow umgekehrt waren. Fribourg konnte sich erst 2008 revanchieren, als es im Viertelfinal den damaligen Qualifikationssieger auf der Strecke liess. Nun scheint die Reihe des Spielverderbers wieder an Bern zu sein.