Ein Diamant als Trostpreis

Die WM war für Asafa Powell und Hürdensprinter Dayron Robles zum Vergessen. Bei Weltklasse Zürich revanchieren sie sich mit dem Gewinn des Diamond Race. Powell aber wird über 100 m von Weltmeister Yohan Blake besiegt.

Rabea Huber/Zürich
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Der kubanische Hürdensprinter Dayron Robles gewinnt im Letzigrund in der Weltklasse-Zeit von 13,01 Sekunden. (Bild: ky/Laurent Gillieron)

Der kubanische Hürdensprinter Dayron Robles gewinnt im Letzigrund in der Weltklasse-Zeit von 13,01 Sekunden. (Bild: ky/Laurent Gillieron)

Leichtathletik. Wenige Meter vor der Ziellinie: Asafa Powell blickt nach links zum neben ihm rennenden Yohan Blake. Es ist ein frustrierter Blick. Denn der jahresschnellste 100-m-Sprinter realisiert, dass er seinen Landsmann nicht besiegen kann. Weltmeister Blake unterbietet mit 9,82 seine persönliche Bestzeit und feiert im Letzigrund mit dem Publikum. Powell hingegen will das Stadion auf direktem Weg verlassen, lässt sich dann aber doch zu den TV-Stationen schleusen.

Bereits zur Pressekonferenz am Vortag erschienen die beiden Jamaikaner nicht gemeinsam. Ein Grund dafür war, dass Blake nach der WM einen Zwischenstop in London eingelegt hatte. Aber auch sonst sind die beiden nicht die besten Freunde. «Wir sind Kollegen im Nationalteam, mehr nicht», sagte Powell. Zu Hause in Kingston gehören die beiden zwei verschiedenen Trainingsgruppen an. Blake trainiert gemeinsam mit Weltrekordhalter Usain Bolt. Und von dessen Fehlstart profitierte der 21-Jährige vor einer Woche an der WM in Daegu, als er überraschend Weltmeister wurde. Bolt und Blake treiben sich im Training zu Höchstleistungen an. Der in Zürich abwesende Weltrekordhalter nennt seinen Kollegen ein Biest und als solches bezeichnete sich Blake gestern auch selber. «Ich bin ein Biest, und so überrascht es mich nicht, dass ich in Zürich gewonnen habe», so Blake. «Usain Bolt sagte mir, ich solle siegen, um meinen WM-Titel zu bestätigen.»

«Nicht Vollgas gegeben»

Gar nicht erst angetreten war an der WM der jahresschnellste Powell. Er musste wegen einer Leistenverletzung Forfait geben. Einen Tag vor Weltklasse Zürich hatte er gesagt, dass er sich noch nicht hundertprozentig fit fühle. Dies bestätigte sich im Rennen: «Ich war etwas besorgt und gab deshalb nicht Vollgas.» Auch wenn die WM-Revanche missglückte, der Gewinn eines Diamanten und 40 000 Dollar waren Motivation genug, in Zürich anzutreten. Denn Powell stand schon vorher als Diamond-Race-Sieger fest – die Teilnahme am Final in Zürich war aber Bedingung für die Ausschüttung des Preisgeldes. «Der Gewinn des Diamond Race war der einzige Grund, weshalb ich überhaupt startete. Nun reise ich nach Hause, um mich zu erholen», sagte Powell.

Robles besiegt Weltmeister

Ein Trostpreis war der Diamant in der Kategorie 110 m Hürden auch für Dayron Robles. Für den Olympiasieger war die WM ebenfalls frustrierend. Robles hatte sich in Daegu schon als Sieger gefühlt, wurde aber disqualifiziert, weil er Liu Xiang zurückgehalten hatte. So gab es mit Jason Richardson wie über 100 m einen Überraschungssieger.

In der gleichen Reihenfolge wie in Daegu kamen Robles und Richardson auch in Zürich ins Ziel. Doch diesmal durfte der Kubaner Platz eins behalten. Das Erlebnis an der WM aber hatte ihn geprägt: Bis er aufstand und jubelte, dauerte es einen Moment. «Dieses Rennen war eine riesige Genugtuung», so Robles. «Ich fühlte mich grossartig. Nach der siebten Hürde kam ich etwas zu nahe, sonst wäre ich unter 13 Sekunden geblieben.» Mit seinem Sieg in 13,01 gewann er auch die Jahreswertung der Diamond League: Eine doppelt geglückte WM-Revanche.

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