Einst warf Christian Leite mit Winterthur den FCSG und YB aus dem Cup: Ein brasilianischer Penaltyspezialist für das Brühler Tor

Knapp 150 Spiele absolvierte Christian Leite in der Challenge League. Nun soll er beim SC Brühl in der Promotion League ein Leader in der jungen Equipe sein.

Ives Bruggmann
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Künftig für den SC Brühl in der Promotion League am Ball: Christian Leite.

Künftig für den SC Brühl in der Promotion League am Ball: Christian Leite.

Bild: Michel Canonica

Brasilien und Fussball. Bei dieser Kombination denkt der Sportbegeisterte wohl zuerst an das zauberhafte Spiel Ronaldos, Neymars oder Romarios. Dass es auch anders geht, beweist Christian Leite, der neue Goalie des SC Brühl. Bei ihm lösten trotz seiner brasilianischen Herkunft seit jeher die Torhüter am meisten Faszination aus.

Geblieben ist ihm ein Schlüsselerlebnis als Kind in Brasilien, wo er 1985 in Rio de Janeiro zur Welt kam. Am 21. Juni 1989 schaute er mit seinem Stiefvater das Länderspiel zwischen der Schweiz und Brasilien im Fernsehen. Nachdem die krassen Aussenseiter aus der Schweiz die Partie mit 1:0 gewonnen hatten, schwor sich der kleine Christian:

«Ich werde einmal Goalie der brasilianischen Nationalmannschaft, damit wir nicht mehr gegen die Schweiz verlieren.»

Soweit kam es zwar nicht, aber die Faszination für die Position zwischen den Pfosten war bei Leite geweckt. Später, als die Familie nach St.Margrethen übersiedelte, stieg der Brasilianer im örtlichen Fussballverein bei den F-Junioren als Goalie ein. Früh bewies er sein Talent, nicht nur als Goalie im Spiel, sondern darüber hinaus vor allem als Penaltyspezialist.

Erst im Cuphalbfinal ist mit Winterthur Endstation

Schweizweit Furore machte Leite in dieser Disziplin viele Jahre später, als er im November 2011 mit dem FC Winterthur aus der Challenge League gegen die Young Boys im Cup gleich vier Penaltys abwehrte:

Und auch gegen den FC St.Gallen gewann Winterthur nach Penaltys. Alberto Regazzoni scheiterte als einziger Schütze, weil er den Ball gegen Leite an den Pfosten setzte:

Die Zürcher scheiterten daraufhin erst im Halbfinal etwas unglücklich am FC Basel. «An diese Zeit erinnere ich mich gerne zurück. Speziell an die abgewehrten Penaltys gegen die Young Boys», sagt der 1,84 m grosse Torhüter heute.

Aber Leite, der nach der Oberstufe voll auf die Karte Fussball setzte, erlebte auch die harten Seiten des Geschäfts. «Die Plätze sind begrenzt. Das ist der Nachteil eines Goalies.» Nicht immer werde man daher für den Aufwand belohnt. In Thun beispielsweise absolvierte Leite zwar vier Partien in der Super League. Der Durchbruch auf höchster Stufe blieb ihm aber verwehrt. «Ich muss mich wohl fühlen, um meine Leistungen abrufen zu können», sagt der 34-Jährige.

Er bringt viel Routine in die junge Equipe

Nach rund einem Dutzend Stationen – die meisten Partien absolvierte er mit 148 in der Challenge League – kehrt Leite in die Ostschweiz zurück, nachdem er einst als 16-Jähriger von St.Margrethen zu den Grasshoppers wechselte.

«Bei mir ist es zwar gut gegangen, aber ich empfehle allen Jugendlichen, eine Lehre zu absolvieren.»

Derzeit ist Leite daran, auch im Berufsleben Fuss zu fassen. Eine weitere Möglichkeit sei für ihn das Amt des Goalietrainers bei einem Profiklub. «Das reizt mich. Ich werde die nötigen Kurse möglichst bald belegen.»

Der SC Brühl verpflichtete mit Leite bewusst einen routinierten Goalie. «Er soll eine Leaderrolle übernehmen in der jungen Equipe», sagt Sportchef Roger Jäger. «Ich spüre das Vertrauen und fühle mich wohl», sagt Leite. Beste Voraussetzungen also für ein neues Cup-Abenteuer.

Grosser Umbruch beim SC Brühl: 14 Abgänge und ein schmaleres Kader

Für Brühls Sportchef Roger Jäger war die Phase zwischen Coronaunterbruch und Saisonstart «intensiv, aber spannend», wie er sagt. Seine Aufgabe – in Zusammenarbeit mit Trainer Heris Stefanachi – war es, das Kader den neuen finanziellen Gegebenheiten anzupassen und darüber hinaus zu verkleinern. Nicht weniger als 14 Abgänge hat der Stadtklub gemäss Jäger zu verzeichnen. Mit den Neuzugängen soll das Kader künftig nicht mehr als 22 Feldspieler und 3 Goalies umfassen. Verlassen haben Brühl unter anderem langjährige Stammspieler wie Alessandro Riedle, Nico Abegglen, Raphael Huber oder Marco Franin. Währenddessen wurden die Verträge mit dem Trainerduo Stefanachi/Alex de Freitas und Sportchef Jäger um ein weiteres Jahr bis Ende Saison 2020/21 verlängert. Die erste Partie bestreitet der SC Brühl am Samstag um 16 Uhr in der ersten Qualifikationsrunde des Cups auswärts beim Ligakonkurrenten Köniz. (ibr)

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