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Glosse

Ein Besuch beim White Turf in St. Moritz: Auf einen Champagner mit dem mongolischen Kaiser

Zum 112. Mal werden auf dem gefrorenen St. Moritzersee Pferderennen ausgetragen. Der Anlass strotzt nicht nur von Tradition sondern bietet auch allerlei Kuriositäten.
Philipp Wolf, St. Moritz
Auf dem gefrorenen St. Moritzersee wird vor extravagantem Publikum um Geld und Prestige geritten. (Bild: Giancarlo Cattaneo/KEY)

Auf dem gefrorenen St. Moritzersee wird vor extravagantem Publikum um Geld und Prestige geritten. (Bild: Giancarlo Cattaneo/KEY)

Es ist eine extravagante Welt, die jedes Jahr während dreier Wochenenden im Februar auf dem gefrorenen St. Moritzersee zelebriert wird. Dessen wird sich der Besucher des White Turf bereits Augenblicke nach dem Betreten des Eises bewusst. Während man die Wegweiser zu den VIP-Lounges studiert, drückt einem eine Mitarbeiterin eines Sponsors Casinochips in die Hand und animiert zum Blackjackspielen.

Kaum hat man die Jetons verspielt – und ein Glas Edelchampagner gewonnen – steht der erste sportliche Höhepunkt an: das Trabrennen. Auf der Tribüne herrscht schon emsiges Treiben, und so manch ein Zuschauer im Pelzmantel ist sichtlich angespannt. «Hinsetzen, ich sehe nichts!», tönt es beim Betreten der Sitzreihe bereits bevor man sich überhaupt nach freien Plätzen umschauen konnte.

Sehen und gesehen werden

Eingepfercht zwischen einer jungen Frau in exquisiten Handschuhen, die für ihre Instagram-Story posiert und einem blondierten Mittfünfziger mit halb offener Jacke und Hipsterschal, der dauergrinsend fachsimpelt, wartet der Zuschauer auf den Start. Dankbar belauscht man währenddessen zwei völlig normal angezogene ältere Frauen in der nächsten Reihe, die tatsächlich Fachwissen besitzen. Das Trabrennen selbst ist dann ein interessantes, wenn auch kurzweiliges Spektakel.

Mindestens ebenso sehenswert ist die darauffolgende Siegerehrung; nicht wegen den Reitern, sondern wegen den Zuschauern, die Spalier stehen. Unter all den Fellmützenträgern und Pelzfetischisten sticht ein Mann heraus, der an eine historische Netflix-Serie erinnert: Er trägt eine überdimensionierte, fellige Kopfbedeckung, eine verspiegelte Sonnenbrille, und einen langen, blauen Umhang mit imposanter orangefarbener Schärpe. Abgerundet wird das Kostüm durch verzierte Wildlederstiefel.

Grümpeli-Feeling im Verpflegungszelt

Diesem mongolischen Kaiser folgend betritt man eines der Verpflegungszelte, wo man sich kurz an einem Grümpeliturnier wähnt. Wie in jedem Mehrzweckzelt bilden Festbänke auch in St. Moritz das Herzstück des Inventars. Nur sind sie an diesem traditionsreichen Anlass mit grosszügigen Tischdecken verschleiert. Und anders als an Dorffesten finden sich hier keine «Kafi fertig» auf der Getränkekarte, sondern auserlesene Champagner.

Vor dem nächsten Rennen dann noch ein Abstecher ins Wettbüro. Den Ostschweizer Besucher erinnert das Treiben an die Säulirennen während der Olma. Einfallsreiche Namen und lukrative Quoten, die zum Wetten verleiten. Die meisten Wetten stützen sich dabei wohl auf Einschätzungen aus dem Programmheft und nicht auf Eigenexpertise.

Einen allfälligen Gewinn kann man gleich auf dem Gelände investieren. Dem Durchschnittsbesucher der Pferderennen werden verschiedenste Shoppingmöglichkeiten geboten, um die Rennpausen zu überbrücken. Man hat die Wahl zwischen Luxusuhren, Edelkarossen oder Privatjets. Wer das nötige Kleingeld für so ein Fortbewegungsmittel nicht hat, dem bleibt am Ende des Renntages immerhin noch die Rhätische Bahn für die Reise zurück ins Tal.

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