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EIDGENÖSSISCHES 2016: Schwingen von A wie Arbeit bis Z wie Zwilchhose

Am Samstag und Sonntag findet in Estavayer das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest statt. In acht Gängen küren die Schwinger ihren König. Wir haben alles zum Schweizer Nationalsport in unserem Schwinger-ABC zusammengefasst.
Christof Krapf
Die besten Schwinger jedes Festes erhalten einen Kranz. (Bild: Keystone)

Die besten Schwinger jedes Festes erhalten einen Kranz. (Bild: Keystone)

Arbeit:"Manne, a d'Arbet", heisst es zu Beginn jedes Schwingfestes. Ihre Sportart nennen die Bösen Arbeit. Diese beginnt am Morgen mit dem Anschwingen, danach folgen Ausschwingen und der Ausstich.

Bergfest:Jährlich findet auf der Schwägalp (Nordostschweiz), dem Brünig (Bern/Innerschweiz), der Rigi (Innerschweiz), dem Schwarzsee (Südwestschweiz) und dem Weissenstein (Nordwestschweiz) in jedem Teilverband ein Bergfest statt. Nach den Festen mit "Eidgenössischem Charakter" (Eidgenössisches, Unspunnen, Kilchberger) sind die Bergfeste die prestigeträchtigsten Wettkämpfe.

Churz:Der wohl am meisten angewandte Schwung - er wird deshalb Jungschwingern als erster beigebracht. Dabei wird der Gegner mit einer Drehung des Oberkörpers aus dem Gleichgewicht gebracht und zu Boden geworden. "Dä Churz" ist die Spezialität von Schwingerkönig Matthias Sempach.

Doping: Ist im Schwingen wie in jeder anderen Sportart verboten. Dennoch wurden Böse in den vergangenen Jahren positiv getestet. Erster prominenter Fall war Beat Abderhalden, der Bruder von Schwingerkönig Jörg Abderhalden. Bei ihm wurde 2001 ein erhöhter Testosteronwert festgestellt. Abderhalden sagte 2014 in einem Tagblatt-Interview: "Ich habe nie wissentlich gedopt." Dennoch trat er zurück und ist heute als Technischer Leiter des Nordostschweizer Verbandes tätig.

Einteilung: An einem Schwingfest treffen Athleten von verschiedener Grösse, Gewicht und Qualität aufeinander. Vom Hobbyschwinger, der einmal pro Woche zum Spass trainiert, bis zu den ambitionierten Bösen ist alles dabei. Um diese Unterschiede auszugleichen und weil es keine Gewichtsklassen gibt, teilt das Kampfgericht den Schwingern möglichst gleich starke Gegner zu. Weil mit dieser Methode immer Athleten aus der gleichen Region der Rangliste aufeinander treffen, sind über das ganze Fest hinweg spannende Gänge gewährleistet.


Frauen: Geht es nach alteingesessenen Schwingern, haben Frauen - ausser als Ehrendamen und Zuschauerinnen - im Sägemehl nichts zu suchen. Zwar existiert seit 1992 der Schweizerische Frauenschwingverband. Die Vereinigung mit etwa 130 Aktivschwingerinnen wird jedoch vom Eidgenössischen Schwingverband nicht offiziell anerkannt. Anders als die Männer küren die Frauen jedes Jahr ihre Königin - im vergangenen Jahr gewann die Innerschweizerin Sonia Kälin den Titel.

Gestellt:Schafft es keiner der Kontrahenten, seinen Gegner auf den Rücken zu legen, endet ein Gang unentschieden - die Schwinger nennen dies gestellt.

Hauptschwünge:Das Schwingerlehrbuch führt etwa 100 verschiedene Schwünge auf - die meisten Spitzenschwinger beherrschen davon etwa fünf oder sechs. Zu den Hauptschwüngen zählen der Churz, der Brienzer, der Bur, der Übersprung sowie der Hüfter.

Innerschweizer:Schwingen hat in der Innerschweiz Tradition. Am letzten Eidgenössischen 2013 in Burgdorf holten die Bösen aus Luzern, Zug, Ob- und Nidwalden, Schwyz und Uri mit 17 die meisten Kränze. Weniger erfolgreich waren die Zentralschweizer allerdings bei den Siegen am Eidgenössischen: Sie warten seit 30 Jahren und dem Triumph von Heinrich Knüsel in Sitten auf einen Königstitel.

Jungschwinger: So werden Nachwuchsathleten im Alter von 8 bis 15 Jahren bezeichnet. Nebst 3000 Aktivschwingern zählt der Eidgenössische Schwingverband (ESV) ebenso viele Jungschwinger in seinen Reihen.

Kranz:Das Eichenlaub ist bei den Schwingern begehrt. Die 15 bis 18 Prozent der besten Schwinger erhalten an Festen einen Kranz. Wer am Eidgenössischen einen Kranz holt, darf sich fortan Eidgenosse nennen. Hinter seinem Namen werden auf den Startlisten in Zukunft drei Sterne (***) aufgeführt. Böse, die an einem Teilverbands- oder Bergfest Eichenlaub holen, erhalten zwei Sterne (**), Kränze an einem Kantonalfest werden mit einem Stern (*) belohnt. Am meisten Kränze der Geschichte hat bisher der Toggenburger Schwingerkönig Arnold Forrer mit 142 geholt.

Die besten Schwinger jedes Festes erhalten einen Kranz. (Bild: Keystone)

Die besten Schwinger jedes Festes erhalten einen Kranz. (Bild: Keystone)

Lutz:Das Elixier des Schwingerfans, um ein langes Fest durchzuhalten. Der Kaffee mit Schnaps fehlt an keinem Schwingfest im Getränkeangebot. Manchmal wird der Lutz auch von fleissigen Helfern direkt an den Platz geliefert - gezapft aus Militär-Thermosbehältern, die auf dem Rücken getragen werden.

Muni: Die besten Schwinger eines Festes erhalten einen Lebendpreis - der Sieger traditionellerweise einen Muni. Am Eidgenössischen in Estavayer wartet Stier Mazot de Cremo auf den Schwingerkönig, zudem werden sechs Rinder und drei Pferde vergeben. Weil heute die wenigsten Schwinger einen Landwirtschaftsbetrieb besitzen, ist es üblich, dass ein Gewinner seinen Muni an den Züchter zurückgibt und dafür den Gegenwert des Tieres ausbezahlt bekommt.

Der Schwingerkönig von Estavayer bekommt den Siegermuni Mazot de Cremo. Das Tier wird dann gegen 1100 Kilogramm wiegen. (Bild: CHRISTIAN BEUTLER (KEYSTONE))

Der Schwingerkönig von Estavayer bekommt den Siegermuni Mazot de Cremo. Das Tier wird dann gegen 1100 Kilogramm wiegen. (Bild: CHRISTIAN BEUTLER (KEYSTONE))

Noten: Nach jedem Gang werden den Schwingern Noten verliehen. Für einen Sieg sind Noten zwischen 10,00 und 9,75 üblich, für einen Gestellten gibt es bei offensiver Schwingweise ein 9,00 und als Normalbewertung 8,75. Eine Niederlage ergibt entweder ein 8,75 (offensive Schwingweise) oder 8,50.

Orlik:Der Bündner Armon Orlik hat in dieser Saison das Thurgauer, das Glarner-Bündner, das Bündner-Glarner Kantonale sowie den Weissenstein-Schwinget gewonnen. Zudem teilte er sich mit dem punktgleichen Thurgauer Samuel Giger den Sieg beim Schwägalp-Schwinget. Damit ist der 21-Jährige aus Maienfeld der stärkste Schwinger der Saison und der aussichtsreichste Nordostschweizer Anwärter auf den Königstitel in Estavayer.


Profi:Einen Profi gibt es im Schwingen noch nicht. Auch wenn die besten wohl vom Sport leben könnten. Schwingerkönig Matthias Sempach betonte 2015 in einem Tagblatt-Interview, Profitum sei für ihn kein Thema. "Ein Profi wäre in der Schwinger-Szene nicht akzeptiert. Und ich bin froh um den Ausgleich, den mir die Arbeit zum Sport bietet", sagte er.

Quiz: Schon über die Hälfte des Schwinger-ABC ist vorbei. Es ist Zeit, Ihr Wissen über den Volkssport im Quiz zu testen.

Regeln:Für Zuschauer gibt es an Schwingfesten einige ungeschriebene Gesetze. Respekt und Anstand sind den Schwingern im Sägemehl und auf der Tribüne wichtig. So ist es beispielsweise verpönt, einen Athleten auszubuhen oder zu pfeifen. Wer seine Freude zeigen will, soll das mit einem Jauchzer und Applaus machen. Nicht erwünscht sind auch Regenschirme, die einem Teil des Publikums die Sicht nehmen würden. Sollte es dennoch regnen: Eine Militärpelerine ist an Schwingfesten bereits Kult.

Schwingerkönig: In acht - statt wie an normalen Festen sechs - Gängen wird am Eidgenössischen während zwei Tagen der Schwingerkönig erkoren. Der Ehrentitel gilt lebenslang - einen ehemaligen Schwingerkönig gibt es nicht. So ist beispielsweise der Toggenburger Arnold Forrer noch immer König - obwohl er den Titel bereits 2001 in Nyon geholt hat. In den Jahren 1945 und 1950 wurde kein König gekrönt, weil die Kontrahenten im Schlussgang zu passiv kämpften. Die Schwinger erhielten dafür den Titel des Erstgekrönten. Letztmals erhielt der Innerschweizer Eugen Hasler 1989 diese Auszeichnung. Dies, weil er den Schlussgang gegen den damals 18-jährigen Adrian Käser zwar verlor, am Schluss aber die gleiche Gesamtpunktzahl wie sein Gegner aufwies.


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Turner:Schwinger müssen in korrekter Kleidung antreten, so will es das Technische Regulativ des ESV. Turnerschwinger sind auf dem Schwingplatz an ihren weissen Hosen und T-Shirts zu erkennen. Sie sind Mitglied in der Schwingsektion eines Turnvereines. Anders die Sennenschwinger: Sie gehören einem reinen Schwingclub an und tragen meistens Sennenhemden und dunkle Hosen. Mode- und Fantasiehemden oder zu grelle Kleidungsstücke sind vom ESV aus verboten.


Unspunnen:Das Alphirtenfest in Interlaken im Berner Oberland gilt als Geburtsort des Schwingens. 1805 wurde der Wettkampf zum ersten Mal ausgetragen. Letztmals fand der Unspunnen-Schwinget 2011 statt - gewonnen hat der St.Galler Daniel Bösch. Seinen Titel kann der Toggenburger im kommenden Jahr verteidigen.

Verdanken: An Schwingfesten erhält fast jeder Athlet einen Preis aus dem Gabentempel. Diese Naturalien sind Spenden von Sponsoren. Von den Schwingern wird erwartet, dass sie jede Gabe beim Spender persönlich verdanken. "Es ist Ehrensache eines jeden, seine Gabe zu verdanken", steht beispielsweise in den Weisungen des diesjährigen Seeländischen Schwingfestes.

Werbung: Auf dem Schwingplatz ist Werbung immer noch verboten. Je nachdem wie pingelig ein Kampfgericht ist, müssen Schwinger gar Markenlogos auf den Hosen abkleben. Seit 2010 dürfen sich die Athleten aber sponsoren lassen. Wegbereiter dafür war der Toggenburger Jörg Abderhalden, der auch einen Konflikt mit seinem Götti, dem damaligen ESV-Obmann Ernst Schläpfer, nicht scheute. Die Schwinger müssen allerdings dem ESV einen prozentualen Anteil ihrer Einnahmen abliefern.

Xundheit: Bei Jörg Abderhalden riss es - bei Arnold Forrer auch. Ein Kreuzbandriss ist die wohl häufigste schwere Verletzung im Schwingen. Dies weil bei gewissen Schwüngen Kräfte von gegen 300 kg auf das Knie wirken. 1960 brach sich Beat Thöni im Schlussgang auf dem Brünig gegen den Winterthurer König Karl Meli das Genick und sass fortan im Rollstuhl. Solche Unfälle sind allerdings selten geworden - auch weil gefährliche Situationen vom Kampfrichter viel früher unterbunden werden.

Youngsters:Die arrivierten Schwinger wie Matthias Sempach, Christian Stucki, Daniel Bösch oder Arnold Forrer bekommen am Eidgenössischen in Estavayer Konkurrenz von einigen talentierten und jungen Bösen. Experten trauen dem 19-jährigen Thurgauer Samuel Giger, dem 21-jährigen Bündner Armo Orlik oder dem 19-jährigen Berner Remo Käser bereits den Königstitel zu. Fehlen wird in den Reihen der jungen Wilden der Luzerner Joël Wicki. Er brach sich Mitte August am Schwägalp-Schwinget im Gang gegen Daniel Bösch den Unterschenkel.

Zwilchhose:Die Schwinger greifen sich in den Gängen an den Zwilchhosen. Diese sind von Hand gefertigt und werden vom Veranstalter eines Festes gestellt. Seit 2010 trägt je ein Kontrahent eine dunkle und eine helle Hose. Wer in welchen Hosen schwingt, entscheidet das Alphabet. Der erste im ABC trägt hell, der zweite dunkel.

Arnold Forrer (oben). - Alter: 37. - Wohnort: Stein SG. - Status: Eidgenosse. - Erfolge: Schwingerkönig 2001 in Nyon. Sechs Eidgenössische Kränze (1998/2001/2004/2007/2010/2013). Rekordsieger auf der Schwägalp (2001/2004/2009/2013). Rekordkranzgewinner mit 142. (Bild: Keystone)
Daniel Bösch (oben). - Alter: 28. - Wohnort: Zuzwil. - Status: Eidgenosse. - Erfolge: Sieg am Unspunnen-Schwinget 2011, Kranz am Eidgenössischen 2007 in Aarau, zwei Siege am Nordostschweizer (2012 und 2014), Sieg am Schwägalp-Schwinget (2015). (Bild: Keystone)
Armon Orlik (links). - Alter: 21. - Wohnort: Maienfeld. - Status: Teilverbandskranzer. - Erfolge: Siege auf der Schwägalp, Weissenstein, Nordostschweizer, Thurgauer, Glarner-Bündner, Bündner-Glarner (alle 2016) sowie am Zürcher (2015). (Bild: Keystone)
Samuel Giger (links). - Alter: 19. - Wohnort: Ottoberg. - Status: Teilverbandskranzer. - Erfolge: Sieg am Schwägalp-Schwinget 2016, dem Zürcher (2016) und dem Schaffhauser (2015). Sieger Eidgenössischer Nachwuchsschwinger Tag 2015 in Aarburg. (Bild: Keystone)
Michael Bless. - Alter: 30. - Wohnort: Gais. - Status: Eidgenosse. - Erfolge: Eidgenössische Kränze 2010 und 2013 in Burgdorf und Frauenfeld. Siege am Appenzeller (2011/2014), Luzerner (2011), Schaffhauser (2011), Thurgauer (2013) und Bern-Jurassier (2016). (Bild: Keystone)
Beat Clopath (oben). - Alter: 31. - Wohnort: Bonaduz. - Status: Eidgenosse. - Erfolge: Eidgenössischer Kranz 2010 und 2013 in Frauenfeld und Burgdorf. Fünf Siege am Bündner-Glarner (2006/2008/2011/2013/2014) sowie je einer am Appenzeller (2012), dem St.Galler (2016), Schaffhauser (2006) und Zürcher (2010). (Bild: Keystone)
Raphael Zwyissig. - Alter: 29. - Wohnort: Gais. - Status: Eidgenosse. - Erfolge: Kranz am Eidgenössischen 2013 in Burgdorf. Zwei Siege am Appenzeller Kantonalen (2015/2016). (Bild: Keystone)
Stefan Burkhalter. - Alter: 42. - Wohnort: Homburg. - Status: Eidgenosse. - Erfolge: Eidgenössischer Kranz in Nyon 2001 und Frauenfeld 2010. Zwei Siege am Schwägalp-Schwinget (2006/2010) sowie je ein Sieg am Stoos-Schwinget 2004 und am Appenzeller 2001. (Bild: Keystone)
Martin Glaus (links). - Alter: 34. - Wohnort: Schänis. - Status: Eidgenosse. - Erfolge: Kranz am Eidgenössischen 2010 in Frauenfeld. Sieg am St.Galler Kantonalen 2001. (Bild: Keystone)
Fabian Kindlimann (rechts). - Alter: 26. Wohnort: Dürnten ZH. - Status: Eidgenosse. - Erfolge: Kranz am Eidgenössischen 2013 in Burgdorf. (Bild: Keystone)
Mike Peng (hinten). - Alter: 35. - Wohnort: Malix GR. - Status: Eidgenosse. - Erfolge: Kranz am Eidgenössischen 2010 in Frauenfeld. (Bild: Keystone)
Beni Notz (oben). - Alter: 32. - Wohnort: Güttingen. - Status: Eidgenosse. - Erfolge: Kranz am Eidgenössischen 2010 in Frauenfeld, Sieg am Schaffhauser 2011. (Bild: Keystone)
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Die stärksten Nordostschweizer am Eidgenössischen

Für das Eidgenössische wird jeweils die weltgrösste temporäre Arena mit über 50'000 Plätzen aufgestellt. (Bild: Keystone/Archiv)

Für das Eidgenössische wird jeweils die weltgrösste temporäre Arena mit über 50'000 Plätzen aufgestellt. (Bild: Keystone/Archiv)

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