EHRGEIZIG: Erdins schwierigste Mission

Heute um 17.30 Uhr empfängt Fortitudo Gossau in der NLA-Abstiegsrunde St. Otmar zum St. Galler Handball-Derby. Für Gossaus Trainer Rolf Erdin zählt nur der Sieg.

Ives Bruggmann
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Rolf Erdin ist seit 2012 als Trainer für Fortitudo Gossau verantwortlich. (Bild: Michel Canonica)

Rolf Erdin ist seit 2012 als Trainer für Fortitudo Gossau verantwortlich. (Bild: Michel Canonica)

Ives Bruggmann

Früher war Rolf Erdin das Siegen gewohnt. Als zweimaliger Na­tionalspieler und Captain von St. Otmar gehörte der gebürtige ­Zürcher meist zu den Gewinnern ­ auf dem Handballspielfeld. Und auch heute sagt Erdin: «Ich verliere immer noch nicht gerne.» Bei Fortitudo Gossau, dessen erste Mannschaft Erdin seit fünf Jahren erfolgreich in der NLA hält, sind Siege deutlich weniger häufig. Gossaus Ziel ist Jahr für Jahr der Nichtabstieg. Bislang hat ­Erdin diese Vorgabe immer erreicht. Und dennoch musste der als Spieler erfolgsverwöhnte Erdin bei Fortitudo lernen, mit Niederlagen umzugehen. In dieser Saison stehen 18 Niederlagen aus 24 Spielen zu Buche. «Nach jeder Niederlage brauche ich meine ­Erholungszeit», sagt Erdin. Als Trainer hinterfrage man sich immer. Deswegen seien die Nächte nach Niederlagen jeweils auch kürzer als gewöhnlich.

Fortitudo Gossau hat sich in den neun Jahren in der NLA auch dank Erdin den Ruf als Spezialist für die Abstiegsrunde erarbeitet. Und auch in dieser Saison haben die Fürstenländer den Rückstand auf den Barrageplatz bereits wieder verkürzt. Drei Punkte liegen sie noch hinter dem RTV Basel. Der Klassenerhalt ist weiterhin möglich. Vor den letzten sechs Spielen der Abstiegsrunde sagt der Trainer: «Zwei Siege in den Direktbegegnungen mit Basel sind Pflicht. Dazu benötigen wir wohl noch weitere Siege gegen St. Otmar oder GC Amicitia.»

Tritt auf die Euphoriebremse

Die Stimmung in seiner Mannschaft sei derzeit hervorragend. Wie eigentlich immer in der ­Abstiegsrunde. «Das ist ein Phänomen, das sich nicht erklären lässt», sagt Erdin. Nach dem glücklichen Sieg in Basel in der vergangenen Woche musste er im Training sogar ein wenig auf die Euphoriebremse treten. Nach vier Niederlagen in den vier bisherigen Derbys will Fortitudo im fünften Vergleich der Saison nun auch gegen den grossen Nachbarn St. Otmar gewinnen. «Wir brauchen den Sieg», sagt Erdin. Deswegen sei es auch das Ziel, zu gewinnen.

Bei beiden Mannschaften hat sich in der Abstiegsrunde einiges getan. St. Otmar hat viele Verletzte zu beklagen und tritt derzeit mit einem deutlich verjüngten Team an. Gossau musste den Abschied von Torhüter Simon Kindle hinnehemen. Und auch der Iraner Afshin Sadeghi kehrte bereits vor der Abstiegsrunde in seine Heimat zurück. «Wir arbeiten mit den Spielern, die wir haben», sagt Erdin, betont aber, dass Kindle und Sadeghi der Mannschaft natürlich gut zu Gesicht stehen würden.

Auch in der NLB am Spielfeldrand

Andere müssen in die Bresche springen. Lucius Graf überzeugt im Rückraum mit konstant guten Leistungen. Und auch das neuformierte Goalie-Duo mit Philipp Jochum und Gabor Busa ergänzt sich. «Um zwei Punkte zu ergattern, müssen bei uns alle gute Leistungen zeigen», sagt Erdin. Der Trainer von Fortitudo ­besitzt einen ligaunabhängigen Vertrag bis 2018. Aber würde der selbstständige Elektroplaner auch in der NLB bleiben? «Ja», sagt ­Erdin. Das Szenario NLB gibt es also. Aber solange der Abstieg nicht feststeht, so lange kämpft er dagegen. «Wir gehen jedes Spiel einzeln an.» Auch wenn es ein spezielles ist, so wie das Derby heute gegen St. Otmar in der Gossauer Buechenwaldhalle.