«Effort ist keine Frage des Lohns»

Heute dürfte Jason Spezza, NHL-Star der Ottawa Senators, sein Début im Dress von Rapperswil-Jona geben. Im Interview spricht der Kanadier über die Herausforderung NLA und den Imageschaden, den der Lockout hinterlässt.

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Schon von Kopf bis Fuss ein Rapperswiler: NHL-Stürmer Jason Spezza bei der gestrigen Vorstellung. (Bild: ky/Alessandro Della Bella)

Schon von Kopf bis Fuss ein Rapperswiler: NHL-Stürmer Jason Spezza bei der gestrigen Vorstellung. (Bild: ky/Alessandro Della Bella)

Herr Spezza, Sie waren vergangene Saison einer der besten Skorer der NHL. Warum haben Sie sich für die Zeit während des Lockouts für die Schweiz entschieden?

Jason Spezza: Hier habe ich die Möglichkeit, Eishockey auf hohem Niveau zu spielen, und dies in einem schönen Land. Ich bin ein Eishockeyspieler. Ich will spielen. Ich wollte nicht zu Hause herumsitzen und abwarten. Ich habe nun die Gelegenheit, aus einer schlechten Situation das Beste zu machen.

Sie sind nicht der einzige NHL-Star in der NLA. Warum kommen so viele Lockout-Spieler ausgerechnet in die Schweiz?

Spezza: Viele Spieler hatten beim letzten Lockout vor acht Jahren eine grossartige Erfahrung gemacht. Und wir reden untereinander. Die Liga hier hat einen guten Ruf, genauso wie das Land. Die Schweiz steht für freundliche Leute, einen sehr sicheren Ort für Familien und eine Destination, wo du gerne deine Zeit verbringst. Auch für mich war klar, dass ich bei einem Lockout nur in der Schweiz spielen würde.

Russland und die KHL waren keine Option?

Spezza: Nicht für mich. Nein. Ich fühle mich in der Schweiz viel wohler. Hier ist für mich die ganze Situation besser.

Hatten Sie zuvor je etwas von einer Stadt namens Rapperswil gehört?

Spezza: Nicht wirklich. Ich wusste ein wenig Bescheid über die Schweizer Liga, da schon während des Lockouts 2004/05 einige Spieler aus der NHL hier waren. Ich habe mich bei diesen informiert – besonders bei Joe Thornton und Rick Nash.

Die Erwartungen der Rapperswiler Anhänger sind gross. In welcher Rolle sehen Sie sich in Ihrem vorübergehenden Team?

Spezza: Ich bin ein Offensivspieler und hatte in der Offensive immer viel Erfolg. Ich möchte so schnell wie möglich ein Teil des Teams werden. Ich erwarte keine besondere Behandlung. Ich will auf die beste Art und Weise dem Team helfen, Spiele zu gewinnen.

Wie würden Sie sich als Spieler beschreiben? Sind Sie ein zweiter Joe Thornton?

Spezza: Wir sind sicher ähnliche Spielertypen, beide eher Spielmacher und grosse Jungs auf der Center-Position, die gerne den Puck haben. Ich schiesse wohl etwas öfter als Joe. Im ersten Training mit Rapperswil-Jona habe ich neben sehr schnellen Flügeln gespielt. Ich werde versuchen, mit dem Puck das Spiel zu verlangsamen, um sie dann mit ihrem Tempo für plötzliche Gegenstösse auf den Aussenbahnen zu lancieren. Auf dem grossen europäischen Eis kannst du zudem noch geduldiger sein mit dem Puck, da du mehr Zeit hast.

Joe Thornton spielt in Davos nicht wie in der NHL als Center, sondern als Flügelstürmer. Wäre das auch etwas für Sie?

Spezza: Das wusste ich gar nicht von Joe. Ich selbst habe so gut wie noch nie als Flügel gespielt. An diversen Weltmeisterschaften wurde ich teilweise als Flügel eingesetzt, da auf dem grossen europäischen Eisfeld auf dieser Position die defensive Verantwortung kleiner ist als jene des Centers. Ich bin aber offen für alles. Ausser Goalie oder Verteidiger (lacht). Es kommt auch darauf an, wie ein Coach seine Center spielen lassen will. Wir werden darüber reden, müssen aber nicht all unsere Geheimnisse hier schon preisgeben.

Macht es für Sie zu etwas Besonderem, dass Sie in der Schweiz auf andere bekannte Stars aus der NHL treffen werden?

Spezza: Nur ein wenig, wenn überhaupt. Die grösste Freude habe ich an der Herausforderung hier. Es ist alles neu für mich. Neue Liga, neues Team. Ich werde als Person herausgefordert, wie ich diese Situation akzeptieren kann und wie ich spielen werde.

Sie kamen auch auf Anraten von Doug Gilmour, der 1994 als Lockout-Spieler zu Rapperswil-Jona stiess. Was waren die wichtigsten Dinge, die Sie von ihm wissen wollten?

Spezza: Ich wollte einfach seine Meinung über die Stadt und seine Erfahrungen hier kennen. Da ich Frau und Kinder mitgebracht habe, wollte ich sicher sein, dass wir an einen Ort kommen, wo sie sich ebenfalls wohl fühlen würden. Nun ist aber alles schöner, als ich es mir erhofft habe. Mir gefällt die Stadt, der See und eine Eishockey-Arena im alten Stil, wo die Fans über uns sind. Ich mag auch, dass Rapperswil-Jona eine kleine Stadt ist. Zum einen werden wir uns schneller zurechtfinden. Zum anderen ist es oft so, dass Teamkollegen in einer Kleinstadt öfter Sachen zusammen unternehmen und so die Integration für mich noch einfacher sein wird.

Wie wurden Sie aufgenommen?

Spezza: Im Eishockey ist das nie ein Problem. Da ist es normal, dass du gleich zwanzig Freunde hast. Wenn du in die Garderobe läufst, sind die Witze fast überall die gleichen.

Wie lange dauert der Lockout?

Spezza: Das ist eine schwierig zu beantwortende Frage. Sie müssen die Leute fragen, die momentan am Verhandeln sind. Es wäre reine Spekulation, wenn ich jetzt ein Datum oder eine Zahl nennen würde. Wegen dieser Ungewissheit wollte ich sichergehen, dass ich irgendwo auf hohem Niveau spielen kann.

Sie waren als Spieler in die Gespräche mit den Clubbesitzern involviert. Wie war es, an all diese Meetings zu gehen und dennoch nie einen Fortschritt im Streit zwischen Teambesitzern und Spielern mitzuerleben?

Spezza: Es ist frustrierend. Wir wollen ja eine Einigung und eine gesunde Liga. Aber wir sind momentan nicht einmal in der Nähe davon. Die Clubbesitzer haben uns bislang nichts angeboten, das es überhaupt wert wäre, angeschaut zu werden. Das ist frustrierend, da wir auf keinen Fall eine ganze Saison verlieren wollen. Aber das ist wohl die Politik dieses Spiels. Ich hoffe, dass wir uns so schnell als möglich einigen.

Wie sehr schadet der Lockout dem Eishockey in Nordamerika?

Spezza: Das ist eine Unbekannte. Vor acht Jahren erholte sich unser Sport sehr gut. NHL-Eishockey hat aktuell einen guten Stand. Ich hoffe, dass es auch dieses Mal der Fall sein wird und die Fans nicht beeinflusst werden, wie sie über das Spiel denken.

In der NHL verdienen Sie sieben Millionen Dollar pro Jahr. Rapperswil-Jona bezahlt zwar die Versicherung für Ihren NHL-Lohn und kommt für Kost und Logis auf. Sie erhalten in Rapperswil-Jona aber weder Lohn noch Prämien. Warum machen Sie das?

Spezza: Ich will auch während des Lockouts Eishockey spielen. Ich will an einem guten Ort in Form bleiben und dem Team zu Siegen verhelfen. Egal, wie viel man verdient: Niemand will sich blossstellen. Mein Effort wird hier der gleiche sein, wie er in Ottawa wäre. Interview: Kristian Kapp