Edgar Salli hat verstanden

FUSSBALL. Noch in Lugano vor drei Wochen wurde St. Gallens Edgar Salli nach 37 Minuten ausgewechselt, er schien schwierigen Zeiten entgegenzugehen. Nun ist der Kameruner Stammspieler. Morgen ab 13.45 Uhr gastiert er mit St. Gallen in Thun.

Patricia Loher
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Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass Edgar Salli morgen in Thun erneut von Anfang an spielt. Einem wie ihm kommt Kunstrasen entgegen. (Bild: Benjamin Manser)

Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass Edgar Salli morgen in Thun erneut von Anfang an spielt. Einem wie ihm kommt Kunstrasen entgegen. (Bild: Benjamin Manser)

Plötzlich plaudert Edgar Salli. Nach Minuten der Zurückhaltung sprudeln die Worte. «Ich bin jung. Ich kann noch einiges erreichen. Und in St. Gallen erhalte ich die Chance, mich weiterzuentwickeln.» Im kamerunischen Nationalteam ist der 23-Jährige Stammspieler. Es locken der Africa Cup 2017, dann die WM 2018 in Russland und ein Jahr später der kontinentale Wettbewerb in seinem Heimatland. Natürlich denkt Salli an die grossen Bühnen, an die Welt, die sich einem Fussballer nach dem Durchbruch eröffnet. Aber er sagt auch: «Das einzige, was zählt, ist St. Gallen. Ich will mich hier etablieren.» Als das Leihgeschäft zwischen Monaco und St. Gallen im Sommer immer konkreter wurde, stellte Stéphane Mbia, Captain der kamerunischen Nationalmannschaft und Bruder von Franck Etoundi, den Kontakt für Salli zu Etoundi her. Der frühere St. Galler Stürmer habe ihm «nur Gutes» erzählt, so Salli. «Ich wollte den Schritt wagen.»

Sallis Achterbahnfahrt

Mit zwei Toren ist der Afrikaner St. Gallens zweitbester Torschütze, am Sonntag bescherte Sallis Treffer gegen Luzern seinem Team den vierten Saisonsieg. Sallis Spiele unter Trainer Joe Zinnbauer glichen einer Achterbahnfahrt: Noch in Lugano nahm ihn der Coach schon vor der Pause vom Platz, weil sich der Spieler im rechten Mittelfeld nicht an die Vorgaben gehalten hatte. Seither aber gehörte der schnelle Salli in jeder Partie der Startformation an, zwar nicht mehr im Mittelfeld, dafür aber im Sturm. Zinnbauer sagt: «Salli hat verstanden, weshalb ich ihn in Lugano ausgewechselt habe. Nun beschäftigt er den Gegner mit und gegen den Ball. Salli ist immer in Bewegung.» Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass Salli morgen in Thun erneut von Anfang an spielt. Einem wie ihm kommt Kunstrasen entgegen.

Zeitlich ist sein Engagement in St. Gallen begrenzt. Der Leihvertrag läuft im Sommer aus. Der in Garoua aufgewachsene Salli war 2011 nach Monaco gekommen – als zweifacher kamerunischer Meister mit Cotonsport und bester Spieler der African Youth Championships. Der Schritt nach Europa war schwierig. Nach einer Saison in der Ligue 2 – Monaco war abgestiegen – musste sich Salli einer Leistenoperation unterziehen, danach wurde er an Lens ausgeliehen, das in der Ligue 2 spielte.

Rückschlag in Portugal

Während seiner Zeit in Portugal bei Coimbra in der vergangenen Saison folgte ein nächster Rückschlag: Salli brach das Schienbein. Hinzu kam der Kulturschock. «In Kamerun hatte ich immer meine ganze Familie und die Freunde um mich. In Europa war ich ganz allein.» Nur, er habe sich daran gewöhnt. Es mache ihm nun auch weniger zu schaffen, dass die Menschen reservierter seien als in seiner Heimat. «Die Leute in der Schweiz sind zurückhaltend, aber freundlich.» Was der Afrikaner ebenfalls festgestellt hat: «Den Fussball lieben in St. Gallen alle.»

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