Durch und durch «ein Wolf»

FUSSBALL. Diego Benaglio weilt derzeit im Trainingslager des VfL Wolfsburg in Bad Ragaz. Mit dem Bundesligaclub und dem Schweizer Goalie haben sich zwei Ambitionierte gefunden.

Christian Brägger
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«Benaglio! Bitte ein Autogramm. Diego, bitte ein Selfie mit mir», rufen unzählige Kinder nach der Trainingseinheit des Bundesligaclubs Wolfsburg auf dem Fussballplatz Ri-Au in Bad Ragaz. Um ihn, Diego Benaglio, bildet sich eine Menschentraube. Fast wortlos erfüllt der Schweizer Goalie alle Wünsche. Stets lächelt er dabei smart in die Kameras.

Benaglio weilt seit Sonntag mit Wolfsburg, dem aktuellen deutschen Cupsieger, in Bad Ragaz im Trainingslager. Logiert wird im Quellenhof, nur das Beste ist gut genug für den Champions-League-Teilnehmer der kommenden Saison. Seit Januar 2008 spielt der 31jährige Schweizer für das sportliche Aushängeschild des VW-Konzerns. Er ist fast schon eine lebende Clublegende. Der Vertrag läuft noch für diese Saison, kaum vorstellbar, dass es die letzte sein wird. Es laufen beidseitige Bestrebungen, diesen ein weiteres Mal zu verlängern. Benaglio fühlt sich wohl in Niedersachsen, und der Verein fühlt sich wohl mit ihm, dem Teamcaptain. Gleich im zweiten gemeinsamen Jahr hatte man den bislang einzigen Meistertitel geholt. Und zuletzt waren die «Wölfe» unter Trainer Dieter Hecking lange einziger ernstzunehmender Rivale Bayern Münchens geblieben.

Rücktritt – Fokus auf den Club

Sportlich hat seit einem Jahr nur noch der Bundesligaclub im Leben Benaglios einen grossen Stellenwert. Dies, nachdem er sechs Jahre lang auch Stammgoalie der Nationalmannschaft war. Nach 61 Länderspielen für die Schweiz war der zweifache Familienvater nach der WM 2014 in Brasilien eher überraschend zurückgetreten. Der mediale Aufschrei war gross. Nur wollte der Zürcher seinen Weg mit dem Verein weitergehen und die Doppelbelastung mit der Nationalmannschaft künftig vermeiden. Das bittere Scheitern nach der Verlängerung im WM-Achtelfinal gegen Argentinien beeinflusste seinen Entscheid nicht. Er hat ihn nie bereut.

Die Nationalmannschaft ist ohnehin weit weg. «Selten, wirklich ganz selten denke ich an die Zeit zurück. Im Normalfall beschäftigt mich das im Alltag nicht mehr. Auch hat es mir nie davon geträumt, dass ich den Ball von Angel di Maria halte», sagt er. Sein Ansinnen sei es gewesen, mehr Regenerationszeit für Wolfsburg zu erhalten. «Unsere vergangene Saison zeigt mir, dass alles aufgegangen ist.» Mit Wolfsburg hegt Benaglio ohnehin grosse Ambitionen: «Unser Ziel muss es sein, die starke Vorsaison zu bestätigen und erneut in die Champions-League-Ränge zu kommen. Wir wollen uns langfristig in der Spitzengruppe der Bundesliga etablieren.»

Trotz der jüngsten Erfolge sei es sehr schwierig gewesen, den Todesfall des Mitspielers Junior Malanda am Anfang das Jahres zu verarbeiten. «Das hat uns allen den Boden unter den Füssen weggezogen, aber es hat uns auch zusammengeschweisst.» Auch deshalb spürt der Zürcher, dass der Verein ein unglaublich grosses Potenzial hat.

Enorme Ausstrahlung als Goalie

Andreas Hilfiker, Schweizer Goalietrainer bei Wolfsburg, sagt: «Diego hat eine unglaubliche Ausstrahlung.» Einzig im Spiel mit beiden Füssen könne sich sein Schützling noch steigern. «Das ist vielleicht seine einzige Schwäche.» Wolfsburg wird sie Benaglio verzeihen.

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