Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Nach Bestechungsskandal bei GC-Junioren: Im St.Galler Nachwuchsfussball verdienen alle gleich viel

Trainer im Nachwuchsfussball der Grasshoppers haben von Eltern Geld bekommen, damit sie ihren Kindern einen Vorteil verschafften. Der Skandal rüttelt den Schweizer Fussball auf. Wie die Clubs versuchen, so etwas zu unterbinden.
Sébastian Lavoyer, Patricia Loher
Das Geschäft mit dem Traum vom Profifussball: Bei den Grasshoppers hat es zu einem Skandal geführt. (Bild: Steffen Schmidt/Freshfocus)

Das Geschäft mit dem Traum vom Profifussball: Bei den Grasshoppers hat es zu einem Skandal geführt. (Bild: Steffen Schmidt/Freshfocus)

Es locken die Millionen. Irgendwo da draussen, in weiter Ferne. Dort, wo die Besten spielen: in Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien oder England. Der Fussball, die Traumfabrik für die Massen. Die finanziellen Verlockungen setzen dunkle Kräfte frei.

Das wurde der Öffentlichkeit schlagartig bewusst, als der ­«Tages-Anzeiger» bei den Grasshoppers vor wenigen Tagen einen Bestechungsskandal aufdeckte. Von fünf Juniorentrainern hat sich der Rekordmeister im vergangenen Monat getrennt.

Weil sie Geld einsackten, um Kindern einen Platz in einem Nachwuchsteam zu verschaffen, Zusatztrainings anboten, Eltern oder Beratern zu nahe standen.

Es ist ein Weckruf. Für den Schweizer Spitzenfussball. Und Grund genug, genau hinzuschauen. Welche Mechanismen wirkten bei diesem Skandal? Was wird getan und könnte man tun, um so etwas zu verhindern?

Der Bereich zwischen U12 und U14 rückt in den Fokus

Spätestens ab Stufe U16, da sind sich die Experten einig, kann Bestechung ein Talent kaum weiterbringen. Oder sie müsste enorm sein. Denn ab diesem Alter sind zu viele Akteure in die Selektion involviert, zu viele objektive Daten werden herangezogen.

Zudem sind die Nachwuchstrainer bei den besten Clubs der Schweiz spätestens ab dieser Altersstufe Profis und damit weniger anfällig für Bestechung. Und gegen unten? «Im Kinderfussball macht Bestechung keinen Sinn, das ist praktisch Breitensport», sagt Heinz Russheim, Leiter der FCZ-Academy.

Damit rückt insbesondere der Bereich zwischen U12 und U14 in den Fokus, die Altersstufen, in denen seit sieben Jahren das Footeco-Programm des Verbandes greift. Mit diesem Programm etablierte der Verband 2012 ein System, das eine möglichst breite Förderung verspricht.

Vom Thurgau bis ins Bündnerland

Dazu wurde die Fussball-Schweiz in Regionen aufgeteilt, regionale Stützpunkte installiert und diese einem Spitzenclub zugeordnet. So werden zum Beispiel im Grossraum Bern die besten Talente zwischen 11 und 14 Jahren in Freiburg, Köniz und Bern ausgebildet. Nur die Besten landen bei den Young Boys.

So läuft das auch in Basel, Zürich und St. Gallen. Future Champs Ostschweiz (FCO) umfasst zehn Stützpunkte vom Bündnerland bis in den Thurgau. Die Talente sollen möglichst lange dezentral gefördert werden, nah bei den ­Eltern, nah am Daheim.

Programm erschwert die Kontrolle

«Das Footeco-Programm hat das Controlling erschwert, man kann nicht überall präsent sein», sagt Marco Bernet. Er war während Jahren beim FC Zürich im ­Nachwuchs, später Technischer Leiter, heute Trainer-Instruktor beim Schweizer Fussballverband (SFV).

Wo die Kontrolle fehlt oder erschwert wird, entstehen Schattenbereiche, in denen dunkle Kräfte wirken können. Anders sieht es Russheim: «Es wird viel breiter gefördert. Wenn es jetzt ein Kind nicht in eines der Förderteams schafft, also nicht unter den 60, 70 Besten seines Jahrgangs in einer Region ist, dann reicht es einfach nicht. Da hülfe auch Bestechung nichts.»

Christian Maier, Technischer Leiter bei FCO, sagt: «Footeco ist noch Breitensport. Ich sehe den Nutzen nicht, hier den Kindern mit Geld einen Vorteil verschaffen zu wollen. Sie sind noch zu weit weg von einem ersten Aufgebot für ein Nachwuchs-Nationalteam.»

Maier sagt, er würde sowohl für seine vollamtlichen Profitrainer als auch für die Stützpunktleiter, die nebenamtlich arbeiten, die Hand ins Feuer legen. Beim FC St. Gallen wurden Werte wie Respekt, Solidarität und Anstand für die Nachwuchsspieler schriftlich festgehalten, auch die Trainer sind verpflichtet, diese zu leben.

Beim FC Zürich hat Präsident Ancillo Canepa vor wenigen Jahren Grundsätze festgelegt, die für jeden Angestellten des Clubs zählen. Von der Putzfrau über die Trainer bis zum Sportchef. Darin ist auch festgehalten, dass Bestechung nicht geht.

Die Young Boys haben einen Wertekodex. Bestechung steht im Widerspruch dazu. Überall setzt man zudem auf das Mehraugenprinzip. Kein Trainer entscheidet allein. Überall werden objektive Werte wie Schnellkraft, Ausdauer, Tore, Assists und so weiter herangezogen. Maier sagt:

«Bei uns sind in die Entscheide, ob ein Spieler den Sprung auf die nächste Stufe schafft, fünf Leute involviert.»

Bei den Besten herrsche Einstimmigkeit, müsse aber ein Stichentscheid gefällt werden, sei dafür Footeco-Leiter Hanspeter Meier oder er als Technischer Leiter zuständig, sagt Maier. «Reicht es einem Spieler nicht, kommt er früher oder später an seine Grenzen. Die Eltern könnten das Geld besser investieren als in die Bestechung von Trainern.»

Maier sagt, die Vorfälle bei den Grasshoppers hätten Diskussionen ausgelöst. «Wo fängt die Bestechung an?», fragt er. Dürfe ein Trainer einen Früchtekorb von Eltern annehmen, weil sie seine Arbeit schätzten? Oder darf man Geld annehmen eines Vaters, um mit dem Team einen Anlass zu organisieren? Spielregeln gibt es in St. Gallen keine. «Wir vertrauen unseren Leuten, dass sie sich nicht ­beeinflussen lassen», so Maier.

In St. Gallen verdienen alle das selbe

Beim Bestechungsfall im Grasshoppers-Nachwuchs haben sich drei Brennpunkte herauskristallisiert: zuvorderst die Trainer, aber auch die Eltern und Berater. Bei den Grasshoppers hat man Berater bis zu 18-jährigen Spielern vom Verhandlungstisch verbannt.

So radikal ist keiner der Topvereine, auch wenn man prinzipiell der Meinung ist, dass ­Talente erst beim ersten Profi­vertrag allenfalls Unterstützung brauchen können. Weiter sagt Maier:

«Wir können hoffnungsvollen U15-Spielern einen Plan für die nächsten fünf Jahre aufzeigen. Sie brauchen keinen Berater.»

Zumal die Nachwuchsakteure in St. Gallen alle das selbe verdienen. Auch Christian Franke, Technischer Leiter bei den Young Boys, sagt: «Wir haben für unsere Nachwuchsspieler ein fixes Lohnschema. Ist einer damit nicht einverstanden, passt er nicht zu den Young Boys.»

So will es Sportchef ­Christoph Spycher. Der Sport soll im Vordergrund stehen. Die ­Entwicklungsmöglichkeiten. Zugleich wird so der Handlungsspielraum von Beratern ein­geschränkt. Da ticken die Spitzenclubs alle ähnlich.

Aussergewöhnliche Talente aber setzen diese Mechanismen ausser Kraft. Man zahlt mehr, um sie halten zu können. Darum versuchen Berater auch, sie schon möglichst früh für sich zu gewinnen. Mit teils fantastischen Versprechungen an Eltern. Träume verkaufen sich nun mal gut.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.