Düstere Stunden für den Fussball

Angeschlagen war der Weltfussballverband Fifa schon lange, 2015 aber ist er unter dem Druck von US- und Schweizer Behörden implodiert. Die Fifa muss sich neu erfinden; dabei ist ihr wichtigstes Instrument ein Reformpaket. Dass nun alles besser wird, ist aber zu bezweifeln.

Patricia Loher
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Verhaftungen, Verfahren, Sperren und eine allenfalls gekaufte WM 2006 in Deutschland: Nach diesem Jahr ist im Weltfussball nichts mehr so, wie es einst war. Getroffen hat es 2015 vor allem die Fifa. Unter dem Druck der amerikanischen und Schweizer Behörden ist der Weltfussballverband implodiert. Mit Präsident Sepp Blatter und Uefa-Chef Michel Platini sind zwei der mächtigsten Männer im Weltsport abgestürzt. Sie wurden vertrieben aus einer geschützten Welt, die lange nach ihren eigenen Gesetzen funktionierte. Die Fifa, so schreibt der geschäftsführende Präsident Issa Hayatou in einem offenen Brief, durchlebe die vielleicht wichtigsten Jahre seit ihrer Gründung 1904. Und: «Die Wahl eines neuen Fifa-Präsidenten beim Kongress im Februar bietet die Möglichkeit für einen Neubeginn, der aber nur der erste Schritt ist.»

Pro Konföderation eine Frau

So präsentierte die Exekutive Anfang Dezember ein Reformpaket. Die Chefetage soll aufgelöst und in einen strategischen und einen ausführenden Teil gegliedert werden. Jede Konföderation muss mindestens eine Frau in die Fifa entsenden. Zudem soll die Entlöhnung der Fifaspitze transparent werden. Bestandteil ist auch die Amtszeitbeschränkung.

Dass alles besser wird, wenn der Kongress im Februar den Reformen zustimmt, ist zu bezweifeln. Der Fifa gehören 209 Nationen an, die den Verband durch ihre Kultur prägen. Viele dieser Länder funktionieren anders als die Schweiz, anders auch als Deutschland oder Schweden. Hayatou, selber schon unter Korruptionsverdacht, schreibt: «Wir sind überzeugt, dass die vom Fifa-Exekutivkomitee im Dezember beschlossenen Reformmassnahmen neben den von den Schweizer und US-amerikanischen Behörden eingeleiteten Schritten das Fundament für eine Organisation legen, die dank mehr Transparenz, Rechenschaft und Ethik gestärkt aus der Krise hervorgehen wird.»

Am 26. Februar wird in Zürich Blatters Nachfolger gewählt. Die Kandidatur von Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa, dem Präsidenten der asiatischen Konföderation aus Bahrain, scheint aussichtsreich. Sein wohl härtester Gegner ist der Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino. Aller Voraussicht nach darf Blatter diesen Kongress nicht mehr leiten. Obwohl er am Sportgerichtshof CAS in Lausanne gegen seine Achtjahres-Sperre rekurriert, dürfte die Zeit knapp werden, um noch einmal auf den Thron zurückzukehren. Es scheint, als bleibe dem Walliser ein würdiger Abschied versagt.

Blatters Lebenswerk

Dabei hatte der Verband vor 40 Jahren, als Blatter eintrat, zwölf Mitarbeiter und kein Geld. Unterdessen ist die Fifa – noch immer als Verein nach Schweizer Recht organisiert – ein milliardenschweres Unternehmen. Die Fifa ist Blatters Lebenswerk. Aber es ist ihm nicht gelungen, dieses zu schützen. Vielleicht hat der 79-Jährige auch zu wenig dafür getan, um es zu schützen. Nach der Vergabe der WM 2022 nach Qatar zog sich die Schlinge immer enger zusammen. Vielen Funktionären wurden dubiose Machenschaften zum Verhängnis. Doch Blatter trotzte lange jedem Sturm. Der «Tages-Anzeiger» schreibt: «Blatter konnte kein Unwissender gewesen sein. Er war vielmehr der Verwalter, Bewacher und Führer eines korrupten Systems, von dem er mitprofitiert hat.» Der Walliser täte gut daran, seinen Kampf zu beenden, um «ein kleines Stück Achtung» zu gewinnen.

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