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Juventus Turin gegen Napoli: Der Vergleich zweier Pragmatiker an der Seitenlinie

Grandseigneur gegen Mister Italien: Das Spitzenspiel der Serie A zwischen Juventus Turin und Napoli (heute/20.30 Uhr) ist auch ein Trainer-Duell zwischen Massimiliano Allegri und Carlo Ancelotti.
Sascha Reuter

Es ist ein Spiel, dem ganz Fussball-Italien entgegenfiebert. Zweiter gegen Erster. Napoli gegen Juve. Carlo Ancelotti gegen Massimiliano Allegri. Zwei der grössten italienischen Trainer überhaupt. Die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher wirken könnten, sich aber doch sehr ähnlich sind.

Auf der einen Seite ist da Napolis Ancelotti, der Grandsei­gneur des europäischen Fussballs. Einer, der das Leben geniesst, was man ihm auch ansieht. Trainer bei Juve, Milan, Chelsea, Paris, Madrid, Bayern – und im Besitz einer Titelsammlung, die ihresgleichen sucht. Meister in jeder der vier euro­päischen Topligen, dreifacher Champions-League-Sieger und Weltpokalgewinner. Und doch ein Trainer, dessen Kurs im Frühjahr 2018 nach seinem Rauswurf bei Bayern München permanent zu sinken schien.

Auf der anderen Seite Juves Allegri, mittlerweile so etwas wie Mister Italien. Ein Mann mit asketischem Äusseren. Nach einigen Stationen in den unteren Spielklassen des Landes übernahm er 2010 das grosse Milan und führte die Mannschaft umgehend zur Meisterschaft. 2014 heuerte er schliesslich bei Juve an. Seine Bilanz in den bisherigen vier Jahren sorgt für gepflegte Langeweile im Land: vier Meistertitel, vier Pokalsiege. Solche Erfolge bleiben auch der europäischen Hochfinanz nicht verborgen. Im vergangenen Sommer sollen sich der FC Chelsea, Arsenal London, Manchester United und Real Madrid um Allegris Dienste bemüht haben.

Bei allen Gegensätzen sind Ancelotti und Allegri Brüder im Geiste. Denn beide sind in erster Linie Pragmatiker. Liess Allegri bei Milan noch spektakulären Offensivfussball spielen, so unternahm er bei Juve erst gar nicht den Versuch alles anders zu machen, sondern setzte auf die bewährte defensive Stabilität. Denn der 51-Jährige weiss: «Wenn man mit dem Juve-Stil nichts anfangen kann, kommt man hier nicht weit.»

Und Ancelotti? Der übernahm in Neapel weitestgehend den Offensivfussball seines Vorgängers Maurizio Sarri. Warum sollte er auch viel ändern? «Ich habe hier eine sehr starke Mannschaft vorgefunden», erklärt der 59-Jährige und ergänzt: «Sarris Arbeit war fundamental für die Entwicklung des Vereins.»

Beide werden ihr grosses Ziel verpassen

Aber nicht nur in puncto Pragmatismus ähneln sich der hagere Sohn eines Hafenarbeiters aus Livorno und der wie ein grosser, kuscheliger Teddybär wirkende Ancelotti. Beide verstehen sich in erster Linie als Psychologen ihrer Spieler. So betont Allegri: «Die Leistung eines Spielers ist zu 80 Prozent Kopfsache. Der Trainer muss den Moment erkennen, wann ein Spieler gehätschelt oder eingesetzt, motiviert oder angespornt werden muss.» Ancelotti eilt der Ruf des Spielerverstehers voraus, der mit den Topstars Europas bestens auskommt.

Und dann wäre da noch die Lebensweise: Keine Story über Ancelotti ohne den Verweis auf den entspannten Genussmenschen. Auch er selbst kokettiert damit: «Für mich gäbe es überhaupt nur einen Grund, mit diesem Traumjob aufzuhören: Wenn der Stress zu gross wird.» Eine Aussage, der Allegri beipflichtet: «Die Arbeit für den Fussball darf nicht manisch werden. Ich möchte mich auch noch mit anderen Dingen beschäftigen.»

Auf eine weitere Gemeinsamkeit würden aber beide wohl gerne verzichten: Ihr grosses Ziel in dieser Saison werden sie aller Vor­aussicht nach verfehlen. Allegri steht mit Juve in der Champions League vor dem Aus. Im Achtelfinal-Hinspiel setzte es ein 0:2 bei Atlético Madrid. Und Ancelotti kann den grossen Traum aller Neapolitaner von der ersten Meisterschaft seit 1990 wohl frühestens im nächsten Jahr erfüllen. Juve ist vor dem Spitzenspiel bereits 13 Punkte enteilt.

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